Rehberg: Offensiv Punkte liegen lassen

Axel Witsel von Borussia Dortmund beim Spiel gegen die Eintracht Frankfurt in der Commerzbank-Arena. Foto: Jan Hübner

Natürlich sind die Verantwortlichen von Borussia Dortmund davon überzeugt, dass sie mit ihren Titelambitionen in dieser Saison sehr offensiv umgehen wollen. Auch in der...

Anzeige

. Der Trainer wird ab und an für seine Zurückhaltung kritisiert. Doch der Schweizer weiß sehr genau, was seiner Mannschaft noch fehlt - und wie lang der Weg ist bis zum möglichen Saisontriumph.

Die Dortmunder lassen Punkte liegen. Das 1:2 beim Aufsteiger Union Berlin entsprang einer schwachen Tagesform. Passiert. Das jüngste 2:2 bei Eintracht Frankfurt offenbarte, dass die Favre-Elf (noch) nicht hungrig genug ist, im Duell mit spielerisch unterlegenen Gegnern konsequent durchzuziehen. Der kühle Ergebnis-Pragmatismus, den der aktuelle Spitzenreiter RB Leipzig an den Tag legt, geht dem BVB in diesen Tagen ab.

Bei Überlegenheit nachgelassen

In der Champions League, beim 0:0 gegen den FC Barcelona, da standen die Dortmunder 90 Minuten unter Strom. Vollgas. Nur die mangelnde Chancenverwertung sowie die Topform von Barca-Keeper Marc-André ter Stegen verhinderten einen verdienten Sieg. In Frankfurt ließen die Dortmunder im Tempo, in der Zielstrebigkeit, in der Gier nach weiteren Toren immer dann nach, wenn sie Überlegenheit spürten. Das brachte die kämpferische Eintracht, die kaum klare Torchancen herausarbeitete, jeweils zum Ende beider Halbzeiten noch mal ins Spiel zurück.

Anzeige

Joachim Löw saß im Frankfurter Stadion. Der Bundestrainer wird sich seine Gedanken gemacht haben. Der von ihm aussortierte Mats Hummels steht oft am Anfang einer Genügsamkeitsphase. Wenn der an guten Tagen alle überragende Innenverteidiger als Anführer physisch und mental an Spannung verliert im Aufbauspiel, dann überträgt sich das von hinten nach vorne. Dann versanden kollektiv Aggressivität und Tempo.

Nichts mit dominanten Ballbesitzphasen zu tun

Marco Reus? Der Torjäger soll einer der Führungsfiguren werden in der DFB-Elf. Gegen Barca vergab Reus mehrere Großchancen und einen Elfmeter. Das passiert. In Frankfurt hatte der flinke und technisch brillante Offensivspieler mit den dominanten Ballbesitzphasen seiner Mannschaft nahezu nichts zu tun. Einen ähnlichen Eindruck hinterließ der zur Lethargie neigende 29-Jährige in seinen beiden jüngsten Länderspielen. Reus hat Qualität. Auch verlässlich, leidenschaftlich, konstant auf hohem Niveau? Daran mangelt es bei dem Hochbegabten. Der sich angewöhnt hat, in der Öffentlichkeit sehr oft und ausgiebig seinen Führungsanspruch im Verein und in der Nationalmannschaft zu betonen.

Wenn es läuft, dann können die Dortmunder jeden Bundesligisten in seine Einzelteile zerlegen. Mit überfallartigen Umschaltzügen, inzwischen auch mit inhaltlich wertvollen Ballbesitzphasen. Zu oft aber zieht der Meisterschaftsaspirant seine Überlegenheit in Technik und Geschwindigkeit nicht konsequent durch. Insbesondere gegen schwächere Gegner. Das kostet Punkte. Auch deshalb ist Lucien Favre nicht permanent mit der Titel-Trommel unterwegs. In der Mentalität hinterlassen die Bayern und RB Leipzig zumindest aktuell den stärkeren Eindruck.