Rehberg: Neustart der 05er im Zentrum

Fabian frei. Archivfoto: rscp/René Vigneron

Startschuss für ein strammes Programm bis Weihnachten: Mit einem Erfolgserlebnis im Heimspiel gegen den SC Freiburg am Samstag will sich der FSV Mainz 05 ein gutes Gefühl für...

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. Der dritte Block mit Bundesliga und Europaliga steht auf der Agenda. Wenn diese Terminstrecke durch ist, dann brennen vier Tage später am Weihnachtsbaum die Kerzen. Ob dann bei den 05-Profis die Augen leuchten, das wird auch vom Punkteertrag in der - sportlich betrachtet um zehn Tage erweiterten - Adventszeit abhängen. Schauen wir uns an, welche Türchen die Mainzer Fußballer noch aufmachen bis zum 20. Dezember: Heimspiel gegen den SC Freiburg, Schlüsselspiel in Saint-Étienne (international), bei Hertha BSC Berlin, Heimspiel gegen den FC Bayern München, Gruppenfinale in der Opel Arena gegen den FK Qäbälä (international), in Mönchengladbach, Heimspiel gegen den Hamburger SV, Rhein-Main-Derby in Frankfurt.

Verlustangst oder Gewinnaussicht?

Ein strammes Programm. Das man von zwei Seiten betrachten kann. Da wir Menschen, laut wissenschaftlichen Analysen der Psychologie, mehrheitlich dazu neigen, einen möglichen Verlust höher zu bewerten als einen möglichen Gewinn, könnte man die Gefahren in den Vordergrund stellen: Ausscheiden aus dem Europapokal, in der Liga bleiben nicht mehr viele Punkte hängen gegen starke Gegner - und das Erfolgsjahr 2016 ist versaut. Oder wir erkennen das hohe Aufforderungspotenzial, das in diesem Adventsprogramm steckt: Mit 14 Zählern auf dem Konto im Kerngeschäft Bundesliga gehen die 05er nicht durch die Hölle, im Gegenteil, auf dieser soliden Basis lässt sich noch sehr viel an Ertrag, Bestätigung und Begeisterung rausholen bis zum Jahresabschluss. Im Leistungssport macht die zweite Betrachtungsvariante eindeutig mehr Sinn. Gegen einen möglichen Verlust anzukämpfen ist mental/emotional anstrengender, als die Gewinnaussichten im Blick zu behalten.

Natürlich kommt dem Start in den dritten Hinrundenblock eine besondere Bedeutung zu. Das Ergebnis aus der Heimpartie an diesem Samstag gegen den SC Freiburg nimmt Einfluss auf die Stimmung, in der die Mannschaft danach die Frankreich-Reise antritt - zum ersten von möglicherweise zwei Endspielen in der EL-Gruppe C. Ganz davon abgesehen, dass 17 Punkte nach elf Ligaspielen eine sehr komfortable Zwischenbilanz ausweisen würden vor den Duellen mit der Hertha und dem FC Bayern.

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Ballverluste und schlechte Konterabsicherung

Die jüngsten Misserfolge der Mannschaft von Martin Schmidt resultierten aus Problemen im Zentrum. Ballverluste in der Mitte des Spielfeldes in Tateinheit mit einer schlechten Konterabsicherung im Rücken der Aufbauspieler ermöglichen dem Gegner in der Gegenbewegung den kürzesten und unkompliziertesten Weg zum Torerfolg. Beim 1:6 in Anderlecht und beim 1:3 in Leipzig sind die 05er in Konter gerannt. Das wird dem Freiburger Trainer Christian Streich nicht verborgen geblieben sein. Aber Schmidt hat jetzt für die Stabilisierung des Zentrums Alternativen am Start. Jean-Philippe Gbamin war müde, Suat Serdar steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung, Daniel Brosinski ist kein typischer Sechser. Nun ist der erfahrene Fabian Frei wieder fit. Und der lange verletzte Brasilianer Andre Ramalho hat nach seiner Einwechslung in Leipzig physisch und strategisch angedeutet, dass er gegen den Ball und im eigenen Ballbesitz einiges einbringen kann an Qualität.

Da Gbamin in der Länderspielpause zweimal über 90 Minuten in der französischen U21-Nationalmannschaft beschäftigt war, könnte Schmidt diese Karte ziehen mit den ausgeruhten, frischen Frei und Ramalho im Sechserraum. Wer defensiv und offensiv das Zentrum kontrolliert mit einer guten Organisation im Raum, mit vielen Laufkilometern und vielen intensiven Läufen in beide Richtungen, mit einer Top-Zweikampfquote und mit Ball- und Passsicherheit, das ergeben Fußballanalysen, der hat eine deutlich höhere Erfolgswahrscheinlichkeit. Mit müden und/oder unerfahrenen Spielern hatten die 05er in diesen Bereichen Defizite. Das hat sich niedergeschlagen in den Ergebnissen. Die Freiburg-Partie bedeutet da jetzt einen Neustart.

Freiburger auswärts bislang nur einmal mit Punkten

Auswärts haben die Freiburger bislang nur in Bremen Punkte geholt (3:1-Sieg). Ansonsten: 1:2 in Berlin, 0:3 in Köln, 1:3 in Dortmund, 1:2 in Hoffenheim. Läuferisch und kämpferisch lässt die Streich-Elf aber nirgendwo etwas liegen. Man muss sich seine kleinen Vorteile mühsam erarbeiten gegen diese taktisch disziplinierte und leidenschaftlich dazwischen feuernde Einheit. Das Potenzial dazu haben die 05er. Wichtig wird es sein, in Führung zu gehen. Denn wenn die Freiburger dazu gezwungen werden, das Spiel gestalten zu müssen, dann können die 05er lustvoll ihre Stärken in der offensiven Umschaltung ausspielen. Dann werden Yunus Malli, Jhon Cordoba, Levin Öztunali, Pablo de Blasis oder Karim Onisiwo nur schwer zu stoppen sein. Und dann kann auch die Erkenntnis greifen: Torabschlüsse sind das beste Mittel, dem Gegner keine Kontermöglichkeiten zu gestatten.