Rehberg: Mit Spaß in den Luxus-Endspurt

Auf in den Endspurt: Die 05-Spieler. Foto: dpa

Spaß haben an einer Bonus-Aufgabe, Spaß haben an einem anstrengenden Luxus-Endspurt. Das ist wichtig für den FSV Mainz 05 angesichts der Europapokalchance, schreibt Reinhard...

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. Ob er Druck verspürt habe vor dieser Partie, wurde Arjen Robben gefragt nach dem 3:1 gegen Manchester United. Na ja, sagte der Stürmer vom FC Bayern, Druck habe man als Profi eigentlich immer. Aber genau das seien doch die Abende, für die man Fußballer geworden sei, für die man lebe, für die man Woche für Woche hart trainiere. Dabei strahlte der 30 Jahre alte Weltklassedribbler wie ein kleiner Bub. Spaß haben an den besonderen Momenten im Profileben. Das hat sich Robben erarbeitet. Nicht den gewaltigen Druck spüren, sondern die große Chance fühlen. Davon lässt er sich leiten, der Holländer, der ein WM-Finale und zwei Endspiele in der Champions League verloren hat, bis er 2013 den Höhepunkt erlebte mit dem grandiosen Siegtor im Londoner Wembleystadion gegen Borussia Dortmund.

Lieber "Stress" als fünf Spaßspiele

Davon träumen alle Jugendkicker. Keiner dieser heranwachsenden Talente hätte jemals Geschichten im Kopf, die davon handeln, dass es schöner sein könnte, eine Saison stressfrei ausklingen zu lassen mit Spielen, in denen es - Gott sei Dank - um nichts mehr geht. Und damit wären wir beim FSV Mainz 05. Hätte man die Spieler vor dieser Saison danach befragt, ob ihnen ein gemütlicher Ausklang mit fünf Spaßspielen oder ein nervenaufreibender "Europapokal-Endkampf" lieber wäre, die Antworten wären eindeutig gewesen.

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Und nun ist diese Situation, die nicht überragend wahrscheinlich war, Realität. Es geht um etwas für die 05er auf der Zielgeraden, und zwar um etwas, was in der oberen Tabellenhälfte angesiedelt ist. Kann man das von Robben lernen: Sich nicht leiten lassen von Zweifeln und Verlustängsten, sondern entschlossen durchziehen mit Lust auf Leistung und Leidenschaft, mit Spaß am Kampf um die Verwirklichung von Europapokalträumen?

Gegner mit Abstiegsangst

Der Gegner im fünftletzten Saisonspiel heißt Werder Bremen. 14 Tage später kommt der 1. FC Nürnberg in die Coface Arena. Und zum Abschluss gastiert hier der Hamburger SV. Drei Klubs, die ganz andere Sorgen umtreiben. Da lastet zentnerschwer die Abstiegsangst auf den Schultern der Spieler. Das ist Druck, übelster Stress. Den Bremern geht es noch vergleichsweise gut mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Aber: Eine Niederlage in Mainz - und die Abstiegskampfmeute rückt wieder näher ran. Müssen sich die 05er vor diesem Hintergrund stärker unter Druck fühlen als der Gegner von der Weser?

Was hat José Mourinho seinen Spielern vom FC Chelsea erzählt vor dem Rückspiel gegen Paris St. Germain: Wir haben 1:3 verloren in Paris - aber die Franzosen spüren den Druck, das in London verteidigen zu müssen! Chelsea gewann mit einem Tor durch den Ex-05er André Schürrle mit 2:0, Einzug ins CL-Halbfinale. Und Mourinho brüllte seinen Profis zu: "Ich habe euch gesagt, dass es passieren wird!" Der Trainermagier hatte die ungute Situation ganz einfach umgedeutet.

Ein Patentrezept gibt es nicht. Die 05er entscheiden selbst über ihr Glück - wenn sie es schaffen, die Chance nicht schon vorher im Kopf liegen zu lassen. Spaß haben an einer Bonus-Aufgabe, Spaß haben an einem anstrengenden Luxus-Endspurt, diese Atmosphäre zu erzeugen, das kann helfen. Daran können auch die Anhänger mitwirken. Mit einer wilden Stimmung in der Coface Arena. Die von Verletzungen gebeutelte 05-Elf wird das brauchen. Die Gelegenheit ist günstig, in Mainz mal wieder gemeinschaftlich für die magischen Momente zu sorgen.

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Werder hat sich zuletzt stabilisiert

Werder, Rückrundenelfter mit ordentlichen 14 Punkten, hat sich zuletzt stabilisiert. Beim 2:1 in Hannover spielte das Team von Robin Dutt zuletzt nach 0:1-Halbzeitrückstand eine hervorragende zweite Halbzeit. Das jüngste 1:1 im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 werteten Trainer, Spieler und Medien als die spielerisch stärkste Saisonleistung. Was sagte Dutt: Man müsse vorsichtig bleiben, man müsse abwarten, ob die Mannschaft dieses Niveau konstant halten könne. Konstanz, das hat Werder in dieser Saison gefehlt.

Dutt hat sich seit einiger Zeit für das 4-4-2 mit Mittelfeldraute entschieden. Die 05er kennen das, das ist ihre Auswärtsgrundordnung. Die Bremer werden in der Defensive mit den drei Sechsern Zlatko Junuzovic, Philipp Bargfrede und Cedrick Makiadi die Räume zustellen. Kompaktheit gegen den Ball, das hat Werder in der Rückrunde in die Spur gebracht. Die Konter laufen über den Zehner Aron Hunt und die beiden Spitzen. Das dürften der schnelle Dribbler Eljero Elia und Mittelstürmer Nils Petersen sein; der zuletzt sehr torgefährliche Franco di Santo, ein 1,93 Meter großer und technisch nicht ungeschickter Zentrumsstürmer, sitzt eine Gelb-Sperre ab.

Die 05er werden Tempo aufziehen müssen, mit flexiblen Seitenverlagerungen, mit Flügelläufen in die Tiefe. Der Bremer Block muss bewegt werden. Und wenn die Mainzer nach Balleroberungen im Mittelfeld in offensive Umschaltsituationen kommen, dann tun sich die langen Werder-Innenverteidiger Sebastian Prödl und Luca Caldirola schwerer als in der engen Wagenburgstellung.