Rehberg: Merkwürdigkeiten im Tabellenkeller

Fand einiges merkwürdig bei der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach: Augsburg-Trainer Manuel Baum. Foto: dpa

Einige Merkwürdigkeiten hat Reinhard Rehberg im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende ausgemacht. Beim FC Augsburg ein Trainer, der alles merkwürdig fand...

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. Merkwürdig, merkwürdig. Manuel Baum strapazierte das Wort merkwürdig merkwürdig oft. Als ob der Trainer des FC Augsburg suggerieren wollte, das deutsche Schiedsrichterwesen sei nur noch bedingt als seriös einzustufen. Womit der ehemalige Sportlehrer, der seine Schule in Taufkirchen mal zur Deutschen Schul-Meisterschaft geführt hat, pädagogisch geschickt davon ablenken wollte, dass seine Mannschaft beim 0:2 in Mönchengladbach nicht in erster Linie unglücklich verloren hat wegen einer stark diskussionswürdigen Schiri-Entscheidung – der FCA war tatsächlich über 90 Minuten dramatisch unterlegen.

Natürlich geschehen in diesem Land merkwürdige Dinge. Da schaffen es zum Beispiel 115 von 4000 deutschen Lungenfachärzten, die nationale Klimaschutz-Diskussion in eine ganz neue Richtung zu lenken. Da entsteht fast schon der Eindruck, unsere Luft könnte gar zu schadstoffarm werden - wenn die Grenzwerte weiterhin so streng ausgelegt werden. Das könnte unseren Lungen, die an massive Feinstaubreize gewöhnt sind, auf Dauer nicht guttun. Was das mit Fußball zu tun hat? Na ja, vielleicht hat der sportliche Niedergang des VfB ja durchaus etwas zu tun mit dem Diesel-Fahrverbot in Stuttgart. Wer weiß schon, wie Hochleistungs-Lungen reagieren auf zu saubere Luft... Merkwürdiger Unfug? Selbstverständlich. Es ist Fastnachtszeit.

War es das für Hinteregger?

In der Tat merkwürdig war, wie der Augsburger Innenverteidiger Martin Hinteregger über seinen Übungsleiter gesprochen hat. Der Kapitän wollte nach dem Abpfiff vor den TV-Kameras „keine Taktik“ erkannt haben. Er könne über seinen Trainer, unter dem es seit einem Jahr nur noch bergab gehe, nichts Positives sagen. Aber er werde jetzt auch nichts Negatives über ihn vermelden. Nett. Die fragwürdige Schiri-Entscheidung beim 0:1? Die habe er gar nicht mitbekommen, erklärte Hinteregger. Nachsatz: „Wir haben vollkommen verdient verloren. Schon zur Halbzeit hätten wir 0:4 zurückliegen müssen.“

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Derart scharf hat wohl noch nie in der Bundesliga-Historie ein Spieler seinen Trainer in aller Öffentlichkeit in den Boden gestampft. Manuel Baum sprach in Gladbach mehrfach von „einem Skandal“. Er zielte ab auf das Schiri-Gespann sowie auf die inaktiven Videowächter in Köln. Der eigentliche Skandal für die Augsburger war aber die Wutanalyse von Hinteregger. Den Baum in Zukunft gar nicht mehr aufstellen dürfte.

Hannover Hoffnungsanker: Das merkwürdige Augsburg

Merkwürdig auch die Vorgänge in Hannover. Da bedankte sich André Breitenreiter nach dem 1:5 in Dortmund artig dafür, „dass meine Spieler hier alles gegeben haben“. Ein paar Stunden nach der Verkündung dieser Selbstverständlichkeit war der 96-Trainer beurlaubt. Und nun steht Nachfolger Thomas Doll vor dem zweifelhaften Vergnügen, den Tabellenvorletzten auf der Grundlage von ein paar wenigen Trainingseinheiten in die folgende Heimpartie gegen RB Leipzig zu führen.

Warum Manager Horst Heldt den schon seit sechs Wochen intern diskutierten Trainerwechsel nicht zur Weihnachtspause vollzogen hat, um dem neuen Vordenker zumindest eine Winter-Vorbereitung zu gönnen, das erschließt sich niemandem in Hannover. 11 Punkte sind wenig. Der einzige Hoffnungsanker in Hannover? Das ist der merkwürdig gewordene Konkurrent FC Augsburg, der nur vier Punkte entfernt (noch) auf einem Nichtabstiegsplatz steht.