Rehberg: Malli-Transfer abhängig von Ingolstadt-Partie

Yunus Malli war in der Hinrunde der beste Torjäger des FSV Mainz 05. Foto: rscp/René Vignéron

Am Samstag bemühen sich die 05er beim FC Ingolstadt um einen erfolgreichen Start in die Rückrunde. Mit Yunus Malli im Mittelfeld. Sollte die Mannschaft danach 27 Punkte auf...

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. Auch die sehr gut betuchten Tottenham Hotspurs bieten mit um die Gunst von Yunus Malli. Doch nach England will der 05-Spielmacher an diesem Punkt seiner Karriere nicht wechseln. Spätestens am 1. Juli wird der 23-Jährige bei Borussia Dortmund aufschlagen. Bei seinem einstigen Förderer in Mainz. Thomas Tuchel hätte den Hochbegabten gerne schon ab der nächsten Woche in seinem Kader. Aber Christian Heidel verweigert die Freigabe. Beendet ist dieser Transferprozess nicht, der Vorgang liegt auf Wiedervorlage.

Am Samstag bemühen sich die 05-Profis beim FC Ingolstadt um einen erfolgreichen Start in die Rückrunde. Mit dem torgefährlichen Umschaltzehner im Mainzer Mittelfeld. Sollte die Mannschaft von Martin Schmidt danach 27 Punkte auf dem Konto haben, dann wird die kurzfristige Zukunft von Malli noch mal heiß diskutiert. Sollte es bei 24 Zählern bleiben, dann könnte die Entscheidung des 05-Managers lauten: Nach Abwägung aller Chancen und Risiken können und wollen wir uns eine personelle Schwächung in diesem Moment nicht leisten. Die letzten fünf Klubs in der Tabelle haben im Winter personell nachgelegt - aber Mainz 05 gibt seinen Topmann ab trotz Startniederlage in Ingolstadt? Dieses Signal wäre nicht so ganz einfach darstellbar.

Partie gegen Gladbach zwei Tage vor Ablauf der Transferperiode

Danach bliebe immer noch Zeit, die Heimpartie gegen Borussia Mönchengladbach (zwei Tage vor Ablauf der Winter-Transferperiode) abzuwarten. Aber man darf davon ausgehen: Ob sich Malli jetzt oder erst im Sommer nach Dortmund verändert, das wird in der kommenden Woche geklärt.

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Zehn Millionen Euro Ablöse kassieren die Mainzer im Sommer. 12 bis 13 Millionen wären es wohl, wenn der Deal zeitnah über die Bühne geht. Die Differenz nimmt sich bei den heutigen Dimensionen nicht gewaltig aus. Dennoch, zwei bis drei Millionen bedeuten für die 05er nach wie vor viel Geld. Unter wirtschaftlichem Druck steht der abgebende Klub allerdings überhaupt nicht.

Einen gleichwertigen Ersatz für den türkischen Nationalspieler und etablierten Bundesligaprofi, der in der Hinrunde acht Tore geschossen hat, könnten sich die 05er weder jetzt noch im Sommer besorgen. Diese Kategorie Spieler kommt nicht nach Mainz. Oder es scheitert an den entsprechenden Ablöseforderungen und/oder Gehaltsvorstellungen.

Bliebe ein Aspekt übrig: Sollten die 05er auf dem Wintermarkt noch einen finanzierbaren Entwicklungsspielmacher finden bis zum 1. Februar, dann könnte sich dieser schon mal ein halbes Jahr anpassen an die Mainzer Trainings- und Spielweise im Hinblick auf die nächste Saison. Ob Malli in diesem Fall jetzt und sofort die Freigabe bekäme für einen Umzug in den Ruhrpott? Abwarten.

Auch dieses Thema schwebt also über der Startpartie in Ingolstadt. Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten hat das nicht. Dafür ist Malli zu charakterfest, zu klar im Kopf. Der technisch herausragende Tempodribbler repräsentiert an seinen guten Tagen eine überdurchschnittliche Qualität, an seinen weniger wachen Tagen schwimmt er mit – und ist dann wegen seiner Laufstärke und taktischen Sicherheit immer noch wichtig für das Team. Daraus leitet sich ab: Kommt Malli im zu erwartenden Kampfgetöse in Ingolstadt in Schwung, dann kann er dort für seine Elf den Unterschied ausmachen im Duell mit dem spielerisch weniger talentierten Aufsteiger. Gegen wen auch immer die 05er antreten aus der unteren Hälfte der Tabelle: Vom Potenzial her ist Yunus Malli dann immer der beste Fußballer auf dem Feld.

Wie entzieht man sich dem Pressingdruck des FCI?

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Beim 0:1 im Hinspiel haben die 05er keine geeigneten Mittel gefunden gegen den engen und aggressiven Defensivblock der Ingolstädter, in manchen Momenten auch keine Mittel gegen die überfallartigen offensiven Umschaltaktionen des unbequemen Gegners. Doch damals stand das Schmidt-Team noch ganz am Anfang einer - später sehr positiv verlaufenden - Entwicklung. Wie entzieht man sich binnen der 90 Minuten dem nie erlahmenden Pressingdruck des FC? Ballsicherheit ist gefragt, präzises Passspiel, saubere Ballannahme, sichere Drehbewegungen, sichere Weiterleitungen – möglichst wenige leichte Ballverluste.

Das von Ralph Hasenhüttl einstudierte Angriffspressing lässt sich in der Spieleröffnung zum Beispiel mit weiten Abschlägen oder mit Chipbällen ins Mittelfeld überwinden. Dann tobt in den zentralen Zonen der Kampf um die zweiten Bälle. Heißt: Die Mainzer Profis dürfen in diesen Räumen nicht minder laufstark und aggressiv auftreten als der Gegner. Das gilt auch für die eigene Abwehrzone, denn auch die Ingolstädter schlagen gerne den langen Ball nach vorne.

Das Heimteam will mit seiner Wucht, mit seiner Lauf- und Kampfstärke den Gegner einschüchtern, beeindrucken. Da geht es dann auch um Willenskraft, um Widerstandsfähigkeit. Erobern die 05er viele Bälle nach vielen engen Zweikämpfen, dann werden sich Kontermöglichkeiten auftun. Da wird die Elf je nach Situation die angemessene Mischung finden müssen aus blitzartigen Umschaltüberfällen und geduldig ausgespielten Gegenzügen. Eine reine Hoch-weit-Auseinandersetzung würde sicher den Ingolstädtern besser taugen. Die 05er müssen sich die Chance erarbeiten, ihre individuellen Vorteile auf sämtlichen Offensivpositionen - das betrifft Technik, Schnelligkeit, Durchsetzungsvermögen in Eins-gegen-Eins-Situationen, Torgefährlichkeit - zur Geltung zu bringen.

Dafür braucht es auch ein konstruktives, betont zielstrebiges Spiel am Boden. Auch da liegt der Schlüssel zum Wunschergebnis.