Rehberg: Mainzer müssen sich auf eine Fightnight einstellen

Änis Ben-Hatira und Stefan Bell beim letzten Aufeinandertreffen von Eintracht Frankfurt und Mainz 05 im April. Foto: dpa

Am Dienstagabend tritt Mainz 05 bei Eintracht Frankfurt an. Ein spannendes Rhein-Main-Derby unter veränderten Vorzeichen. Die Eintracht, in der Vorsaison erst in der Relegation...

Anzeige

. Thomas Tuchel hat zu seinen Mainzer Zeiten Alex Meier mal als den besten Innenspannschützen Deutschlands bezeichnet. Meier, der für die Frankfurter Eintracht von 2003 bis heute stramme 91 Bundesligatore geschossen hat, die Mehrzahl davon akkurat mit dem rechten Innenrist, wird seinem Ruf in diesen Wochen nicht gerecht. Zwei Elfmeter hat der Stürmer zuletzt verschossen mit seiner Vorzeigetechnik. Am Samstagabend, als die Eintracht in Wolfsburg eine 0:1-Niederlage wegstecken musste, da ballerte der im Januar 33 Jahre alt werdende Schlaks einen (fragwürdigen) Strafstoß mit dem rechten Innenspann hoch über den Querbalken. An diesem Dienstagabend kommt es für Meier in der Frankfurter WM-Arena zum Duell mit einem neuen Innenspannkünstler: Die 05er kreuzen auf mit Danny Latza, dreifacher Weitschuss-Torschütze beim jüngsten 3:1-Sieg gegen den Hamburger SV.

Rhein-Main-Derby unter veränderten Vorzeichen

Ein spannendes Rhein-Main-Derby unter veränderten Vorzeichen. Die Eintracht, in der Vorsaison erst in der Relegation dem Abstieg von der Schippe gesprungen, hat sich neu erfunden. Die 05er haben Europapokal gespielt. Das nervt die Leute in der Bankenstadt. In der kommenden Saison soll das wieder umgekehrt laufen: Die Eintracht hat aktuell in der Liga sechs Punkte mehr eingesammelt als die Mainzer, Rang sechs, da wittern Hardcorefans schon Champions-League-Abende. Sieben von 15 Spielen gewonnen, nur drei verloren. Die Tordifferenz von 19:12 sagt aus, was Trainer Niko Kovac dieser Mannschaft vor allem beigebracht hat: Ordnung, Disziplin und kompromisslose Schärfe in der Defensivarbeit. Die Mainzer müssen sich einstellen auf eine Fightnight. Die Liga-Foulstatistik führen die Frankfurter an.

Was Kovac in seinen 241 Bundesliga- und 136 Zweitligaspielen als giftiger Mittelfeldmalocher für Hertha BSC, Bayer Leverkusen, den HSV und Bayern München verkörpert hat, das impft er als Übungsleiter gerade der Eintracht ein. In langen Trainingseinheiten, die schon mal bis zu drei Stunden dauern können. Lustbetontes Larifari-Training, das gehört der Vergangenheit an. Kovac wird in seiner Arbeitsweise schon verglichen mit Pep Guardiola. Auch der Kroate ist ein Fußballnerd. Das Athletiktraining hat er forciert, die Belastungssteuerung wird wissenschaftlich begleitet, die Gegneranalyse betreibt er bis in kleinste Details, die Scoutingabteilung ist neu justiert, jedes technische Hilfsmittel wird genutzt, die Forderungen nach infrastrukturellen Verbesserungen liegen beim Vorstand auf dem Tisch. Auf dem Trainingsplatz wird eher wenig gelacht. Der Cheftrainer fordert seine Spieler und seine Mitarbeiter von morgens bis abends. Das tut der „launischen Diva vom Main“ offensichtlich sehr gut.

Anzeige

Kovac ist ein flexibler Pragmatiker

Auch taktisch ist Niko Kovac, der bei RB Salzburg gelernt hat und der als kroatischer Nationaltrainer nicht die ganz großen Erfolge hatte, ein flexibler Pragmatiker. Der ehrgeizige Malochertyp will Spiele gewinnen. Ob das schön aussieht, das ist dem 45-Jährigen nicht egal, aber harte Arbeit und Erfolg stehen eindeutig im Vordergrund. Er lässt mal mit der Viererkette verteidigen, mal mit drei Innen- und zwei nach vorn verschobenen Außenverteidigern. Die Eintracht kann überfallartig kontern. Die Mannschaft hat sich aber auch in der konstruktiven Spieleröffnung und im geduldigen Aufbauspiel erheblich verbessert. Die Basis ist und bleibt die höchst aggressive Nachvorneverteidigung.

Einfluss nehmen auf die Personalauswahl, auch das ist Kovac wichtig. Die Eintracht hat im vergangenen Sommer auf dem Transfermarkt einige Volltreffer gelandet. Alle vom Trainer abgesegnet. Andere Spieler, die schon als Fehleinkauf abgestempelt waren, hat der Trainer aufgemöbelt: Das gilt für Innenverteidiger David Abraham, für Linksverteidiger Bastian Oczipka, für die Mittelfeldspieler Szabolcs Huszti und Makoto Hasebe, auch für den mexikanischen Techniker Marco Fabian und auch für den jungen Flügelstürmer Mijat Gacinovic. Von den Sommerzugängen haben insbesondere das Innenverteidigertalent Jesus Vallejo und der Sechser Omar Mascarell eingeschlagen.

Jesus Vallejo stammt aus Saragossa. Der 19-Jährige debütierte schon im Alter von 17 Jahren in der Zweiten Liga. Real Madrid hat das Talent gekauft, aber auf Leihbasis in Saragossa weiter spielen lassen. Nun folgte das Leihgeschäft mit der Eintracht. Vallejo, spanischer U21-Nationalspieler, ist stark im Stellungsspiel, geschickt im Zweikampf, kopfballstark, er kann Gegenspieler ablaufen, auch sein Passspiel hat Qualität. Omar Mascarell stammt von der spanischen Sonneninsel Teneriffa. Der 23-Jährige war 2010 in die Jugendabteilung von Real Madrid gewechselt. Seit dieser Zeit ist er eng befreundet mit José Rodriguez, der am Bruchweg inzwischen auf dem Abstellgleis steht. Mascarell galt nie als das Übertalent, ein U18-Länderspiel hat er mal bestritten, bei Real wanderte er ein paar Monate zwischen der B- und der C-Mannschaft hin und her. Ebenso wie Rodriguez debütierte er unter José Mourinho in der A-Elf. Dann kam aber nicht mehr viel. An Sporting Gijon und an Derby County war er schon verliehen. In Frankfurt ist der lauffreudige, positionssichere, spielintelligente und passsichere Sechser der ideale Nebenmann von Routinier Huszti.

Wie die 05er in der Commerzbank Arena zum Erfolg kommen können, das lesen sie im Blog am Dienstag.