Rehberg: Mainz hat in Cottbus nicht viel zu gewinnen...

Eine der Geschichten, die für Mainz 05 mit Energie Cottbus verknüpft sind, ist die von Stürmer Michael Thurk, der die Mainzer zum Aufstieg schoss und dann zum Nichtaufsteiger Cottbus wechselte.

In der ersten Runde des DFB-Pokals gibt es für Erstligisten nicht viel zu gewinnen. Das sagt auch Reinhard Rehberg vor dem Auftritt des Bundesligisten Mainz 05 bei Energie...

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. DFB-Pokal. Erste Runde. Da gibt es für die Erstligisten nicht viel zu gewinnen. Schnörkellos durchsetzen, alles andere wird als Blamage gewertet. Die 05er müssen am kommenden Wochenende nach Cottbus. Spitzenreiter in der Dritten Liga mit sechs Punkten. Energie ist die einzige Mannschaft, die ihre beiden Startspiele gewonnen hat: 2:0 gegen den FC Halle, 2:0 bei Werder Bremen II. Das hat nun noch keine überragende Aussagekraft. Aber das ist ein Fingerzeig. Der Klub, der nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga im Vorjahr "nur" Siebter geworden ist und 1,5 Millionen Euro Verlust eingefahren hat in der dritten Profiliga, hat Ambitionen.

Steffen Krämer freut sich über das Pokal-Los. Der Energie-Trainer ist gebürtiger Mainzer. Eine überragend tiefe Verbundenheit hat der junge Mann mit dem Wuschelkopf allerdings nicht zur rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Die Familie zog es früh ins Rheinland. Krämer kickte lange beim FV Bad Honnef, er studierte in Köln Sport, arbeitete am Institut als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ein paar Cent verdiente er sich dazu als DJ in Kölner Clubs. Neun Jahre arbeitete er später für eine Versicherung, in dieser Zeit trainierte er den SV Roßbach/Verscheid. 2011 beendete er als Noten-Viertbester den Fußballlehrer-Lehrgang. 2013 stieg der Anhänger der ballorientierten Raumdeckung (Trainervorbild: Valerji Lobanowski) mit Arminia Bielefeld in die Zweite Liga auf, seitdem ziert ein Tattoo von der Arminia-Fahne seine linke Brust.

Ein Gegenentwurf zu General Geyer

2014 verpflichtete Energie Cottbus das Trainertalent. Ein freundlicher, sympathischer, lebenslustiger, sozial-integrativer Fußballverrückter. Man könnte sagen, das ist der Gegenentwurf zum legendären "General" Eduard Geyer, der diesen Ost-Klub acht Jahre anführte, drei davon in der Bundesliga. Eines wissen wir: Zu gemeinsamen Zweitligazeiten haben die Mainzer in Cottbus nicht ein einziges Mal gewonnen.

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Mainz 05 gegen Energie Cottbus. Die emotionalste Geschichte, die sich um diese Konstellation rankt, ist zweifellos jene von Michael Thurk. Als die 05er 2004 ihren ersten Bundesliga-Aufstieg feierten, da war der Torjäger der traurigste Mann. Der Hintergrund erschließt sich nur über den Tabellenstand nach dem 30. Spieltag: Da stand Energie Cottbus auf dem dritten Aufstiegsrang mit 50 Punkten, Vierter war RW Oberhausen (Trainer: Jörn Andersen) mit 46 Punkten, Fünfter war Alemannia Aachen (Trainer: Dieter Hecking) mit 46 Punkten, nur Sechster war Mainz 05 (Trainer: Jürgen Klopp) mit 44 Zählern. Thurks Vertrag am Bruchweg lief aus, der gebürtige Frankfurter wollte sich seinen großen Jugendtraum von der Ersten Liga erfüllen - also unterschrieb er bei: Energie Cottbus.

Dramatische Fehlentscheidung und Tränen in der Nacht

Eine dramatische Fehlentscheidung. Die 05er holten auf, gewannen am letzten Spieltag zu Hause gegen Eintracht Trier mit 3:0 (zwei Tore von Michael Thurk) - und nach dem Abpfiff bebte diese Stadt. Der Endstand: Dritter Mainz 05 mit 54 Punkten und einem Torverhältnis von plus 15, Vierter Cottbus mit 54 Punkten und einem Torverhältnis von plus 8. Die 05er waren Bundesligist - und Thurk, der mit 13 Toren eine blendende Saison gespielt hatte, wechselte zu einem Zweitligisten. Unglücklich ohne Ende. Thurk vergoss Tränen in jener Feiernacht.

Nach einem halben Jahr korrigierte Christian Heidel die missliche Angelegenheit. Der Manager holte den ablösefrei gegangenen und in jenem Winter auch noch verletzten Torjäger für eine Transferentschädigung von rund 200.000 Euro zurück. Thurk dankte mit Leistung: 13 Rückrundeneinsätze - sechs Tore. Dass sich Thurk persönlich an der Finanzierung der hoch emotional inszenierten Rückholaktion beteiligt hätte, ist nur eine Legende.

2006 verabschiedete sich der eigenwillige Straßenkicker für eine Ablöse von 1,2 Millionen Euro zur Frankfurter Eintracht. Die Erfüllung eines zweiten Jugendtraums - die zweite dramatische Fehlentscheidung. Thurk scheiterte in seiner Heimatstadt. Dem folgten fünf Jahre beim FC Augsburg. Und 2011 schoss Thurk mit neun Saisontreffern die Augsburger in die Bundesliga, damals begann die rasante Entwicklung der Mannschaft von Markus Weinzierl, die in der kommenden Saison Europaligaspiele ermöglicht. Eine Säule der damaligen Augsburger Aufstiegself neben Michael Thurk war: Der rothaarige Abwehr-Leuchtturm Uwe Möhrle.

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Und dieser Möhrle, inzwischen 35 Jahre alt, ist heute die Führungsfigur bei: Energie Cottbus. Geballte Erfahrung. Der Innenverteidiger, der einst begann beim SC Pfullendorf, hat Bundesligaspiele absolviert für Hansa Rostock, für den MSV Duisburg, für den VfL Wolfsburg und für den FC Augsburg, er hat nicht weniger als 24 DFB-Pokalspiele in der Statistik; das ist ein Haudegen, der mit seiner Kopfballstärke in der vergangenen Saison acht Tore markiert hat in der Dritten Liga. Nebenmann von Möhrle ist Thomas Hübener, auch schon 33 Jahre alt, ausgebildet bei Bayer Leverkusen, viele Jahre bei Dynamo Dresden eine Nummer, 2013 unter Steffen Krämer mit Bielefeld in die Zweite Liga aufgestiegen, 2014 mit dem Ex-Trainer nach Cottbus gewechselt.

Kampfstratege in der Hinterhand

Vor diesem routinierten Abwehrblock hat Krämer zwei Sechser platziert, die er sich vom FSV Frankfurt organisiert hat. Da ist Joni Kauko (25), ein kantiger, kampfstarker Finne, der für die Bornheimer 48 Zweitligaspiele bestritten hat. Daneben arbeitet der Kameruner Nestor Hervé Djengoue (24), der beim FSV keine Chance hatte, der aber in der Dritten Liga mit seinen 1,88 Metern Körpergröße im Mittelfeld die Kopfballhoheit hat.

Das ist definitiv keine Topfenmannschaft. Denn Krämer könnte auch noch einen 34 Jahre alten Strategen auf der Zehnerposition nominieren, der mit seinen Standards nach wie vor jedes Spiel entscheiden kann: Torsten Mattuschka, groß geworden in Cottbus, danach zehn Jahre bei Union Berlin, 42 Tore und 46 Torvorlagen in 171 Zweitligaspielen - das ist eine Hausnummer. Auch wenn der Altstar in den ersten beiden Saisonspielen nur auf der Bank saß. Da durfte Ronny Garbuschewski (29) die Angriffe einfädeln, ein Mann, der für Fortuna Düsseldorf auch schon mal sieben Bundesligaspiele bestritten hat.

Für den Angriff hat Krämer drei neue Spieler geholt. Der schnelle Rechtsaußen Fabio Kaufmann (22) hatte in der Vorsaison für den VfR Aalen 22 Zweitligaeinsätze. Der neue Mittelstürmer heißt Patrick Breitkreuz (23), in der Vorsaison beinahe mit Holstein Kiel in die Zweite Liga aufgestiegen, ein 1,86 Meter langer Kerl, der aus der Nachwuchsschule von Hertha BSC stammt. Breitkreuz hat in den ersten beiden Saisonspielen jeweils getroffen. Und dann gibt es da noch den schnellen Außenstürmer Mounir Bouziane (24), der in der vergangenen Spielzeit in der Dritten Liga beim FSV Mainz 05 II mit 32 Einsätzen und fünf Toren an der dramatischen Nichtabstiegsmission beteiligt war. Verlassen hat den Klub der talentierte 13-Tore-Mann Tim Kleindienst (20), ein schlaksiger Mittelstürmer, den auch die 05er mal auf dem Zettel hatten, der sich dann aber für den SC Freiburg entschieden hat