Rehberg: Mainz 05 will am Ostersamstag Wendepunkt setzen

05-Trainer Martin Schmidt mit Bojan Krkic. Foto: dpa

Hertha BSC wird am Ostersamstag nicht ohne Magengrummeln in der Opel Arena erscheinen. Da ist sich AZ-Blogger Reinhard Rehberg sicher. Denn die Spieler von Mainz 05 wollen...

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. Verirrte Geister bombardieren in Dortmund einen voll besetzten Mannschaftsbus. Welches Geistes Kind diese „radikalisierten Kräfte“ sind, das sprengt jegliches Vorstellungsvermögen. Eine Antwort auf den Anschlag kann nur lauten: Fußballfeste feiern.

Die 05er wollen an diesem Ostersamstag aufstehen. Im Sport gibt es immer wieder diese Momente, in denen eine Mannschaft den Wendepunkt setzt. Viele Experten denken, diese Mannschaft ist geschlagen. Und dann stehen die Spieler auf, werfen die gedanklichen und emotionalen Fesseln ab und schlagen sehr lebendig zurück. Wie ein Boxer, der schon angezählt in den Seilen gehangen hat, in der Ringpause auf seinem Hocker neue Willenskraft mobilisiert hat, die zweite Luft bekommt und plötzlich wieder den Hammer rausholt. Das passiert. Und deshalb wird auch Hertha BSC nicht ohne Magengrummeln in der Opel Arena erscheinen.

Die Berliner wissen, dass diese Möglichkeit besteht: Dass da eine Mainzer Mannschaft antritt, die lebt, die aufgeladen ist, die von der ersten Minute an mit großer Entschlossenheit erkennen lässt, dass es an diesem Ort zwischen 15.30 und 17.15 Uhr für den Gegner nicht viel zu holen gibt. Und wenn dabei auch noch das Publikum eingefangen wird und sich lärmend beteiligt an einem großen Kampfnachmittag, dann trägt das die Spieler ins Ziel. Und der Gegner fragt sich nach dem Abpfiff: Was war das denn? So erging es jüngst dem Hoffenheimer Motivations-Guru Julian Nagelsmann nach der Niederlage in Hamburg.

Abstiegskampfmodus an

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Gedanken an den Tabellenstand machen in dieser Situation keinen Sinn. Zweifel, Gedanken an ein erneutes Scheitern? Nicht vorgesehen. An diesen Tagen geht es darum, einem glasklaren Plan zu folgen und die eigenen Ambitionen und Fähigkeiten bedingungslos durchzudrücken. Das ist der Abstiegskampfmodus. Rausfeuern. Mit Herz - und niemals ohne Verstand. Druckgefühle ob der angespannten Situation? Die lassen sich umwandeln in einen positiv besetzten Energieschub. Ob da die ersten Pässe sitzen, das ist zweitrangig. Wichtiger ist es, die ersten Zweikämpfe zu gewinnen, Meter zu machen, Tempo aufzuziehen, als Einheit an der Aufgabe zu wachsen mit Hilfe vieler kleiner Erfolgserlebnisse. Über Physis kann sich eine Mannschaft die nötigen verstärkenden Gefühle erarbeiten. Man muss in diesen Schlüsselspielen keine Premiumqualität produzieren. Es geht um Intensität, es geht um die Macht gemeinschaftlicher Energie: Als Gruppe mehr sein als die Summe der Einzelteile.

Hertha BSC steht in der Tabelle besser da. Aber die Berliner haben nicht die besseren Fußballer. Und die Berliner werden nach sieben verlorenen Auswärtsspielen hintereinander auch nicht vor Selbstvertrauen strotzen in der Opel Arena. Nicht ausgeschlossen, dass sich auch Pal Dardai denkt: Lass den Mainzern den Ball, damit können die nicht viel anfangen. In diesem Fall wird die Hertha massiert in einer Tiefenstaffelung in der eigenen Hälfte auf das warten, was die 05er anbieten. Aber die Hertha ist auf Ballbesitz getrimmt. Die Muster werden zum Vorschein kommen.

Bojan auf die Zehn?

Und dann kann die Elf von Martin Schmidt auf die Jagd gehen, rennen, rangeln, stechen, Bälle erobern. Und Umschaltüberfälle starten. In Phasen, in denen die 05er mühevoll gegen einen eng stehenden Defensivblock anspielen, darf nur die Erwartungshaltung nicht sinken. Die günstigeren Momente werden kommen. Beim Anpfiff steht es 0:0. In diesen 90 Minuten braucht es auch Sturheit, Geduld und ein Gespür für die Entscheidungsphase.

Welche Änderungen in der Startelf wird Schmidt vornehmen? André Ramalho wird wohl nicht noch mal im Mittelfeld auflaufen. Der Brasilianer ist in diesen zentralen Räumen zu unstrukturiert. Zu hektisch, zu viele Fouls, zu fehlerbeladen im Passspiel, zu langsam in der Entscheidungsfindung. Fabian Frei hatte gegen RB Leipzig einen insgesamt guten Auftritt an der Seite von Danny Latza. Auf der Zehnerposition könnte Bojan Krkic seinen Aufbauprozess fortsetzen. Der Techniker hat Lösungen für das Spiel in engen Räumen. Und man spürt: Der Spanier will sich reinschaffen, er will auch in die Verantwortung. Eventuell lässt der Trainer Mittelstürmer Jhon Cordoba mal von der Bank kommen. Der Kolumbianer hat sich in den vergangenen Wochen abgerackert. Yoshinori Muto macht aktuell den frischeren und torgefährlicheren Eindruck. Aber die Aufstellung wird weniger entscheidend sein als die Bereitschaft, den Gegner überall auf dem Feld unter Druck zu setzen und unter Druck zu halten.