Rehberg: Loris Karius - Wechsel zu "Kloppo" oder Europapokal?

Der maßlos enttäuschte Mainzer Kulttrainer Jürgen Klopp nach der Europa League-Final-Niederlage seines FC Liverpool gegen den FC Sevilla. Foto: dpa

Der FC Liverpool hat am Mittwochabend das Europaligafinale gegen den FC Sevilla mit 1:3 verloren. Für den Mainzer Kulttrainer Jürgen Klopp war der Abend in Basel ein harter...

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. Da wird auch Loris Karius mitgezittert haben. Nun muss sich der 05-Keeper entscheiden: Millionengehalt oder Europapokal? Der FC Liverpool hat am Mittwochabend das Europaligafinale in Basel gegen den FC Sevilla mit 1:3 verloren. Die Mannschaft von Jürgen Klopp wird damit in der kommenden Spielzeit international nicht vertreten sein. Wenn sich der Mainzer Torwart also künftig für ein Salär, das seine Mainzer Bezüge leicht um das vier- bis fünfache übersteigen wird, bei den „Reds“ zwischen die Pfosten stellt, dann muss er für mindestens ein Jahr auf große Europapokalabende verzichten. Will der 22-Jährige aber das internationale Flair erleben, dann kann er am Bruchweg bleiben und mit den 05ern den Kontinent bereisen. Wahrscheinlich ist diese Entscheidung längst gefallen. Karius wird wohl nach Liverpool umziehen.

Für Jürgen Klopp war der Abend in Basel ein harter Schlag. Bis zum Halbzeitpfiff sah alles gut aus. Ein Zaubertor von Daniel Sturrigde, 1:0-Führung. Das reicht in diesen taktisch geprägten Endspielen oft schon. Zwei Handelfmeter hätte der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson in der ersten Halbzeit pfeifen können für die Liverpooler. Zwei Szenen für Argumentations-Weltmeister. In beiden Fällen war die Körperfläche leicht verbreitert. Aber Absicht? Lassen wir das. Klopp wäre gerne mit einer 2:0-Führung in die Kabine marschiert. Am Ende musste der maßlos enttäuschte Mainzer Kulttrainer konstatieren, dass in seiner persönlichen Finale-Historie wenig strittige Entscheidungen hinterlegt sind, die zu Gunsten der Klopp-Mannschaft ausgelegt worden wären. Sechs Endspiele hat Klopp in seiner bisherigen Trainerkarriere bestritten, davon hat er nun fünf verloren. Wer den 47-Jährigen kennt, der weiß, dass diese Serie diesen Mann mit der ausgeprägten Stehaufmännchen-Mentalität nicht brechen wird. Im Gegenteil. Klopp wird mit dem FC Liverpool weitere Endspiele bestreiten, das ist keine kühne Voraussage.

Sevilla: Fünfmal Finale, fünfmal gewonnen

Der FC Sevilla, das ist schon eine besondere Geschichte. In der Primera Division haben die Andalusier seit Jahren keine Chance, in die Phalanx mit dem FC Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid einzubrechen. Die Europaliga, das ist das Terrain des FC Sevilla. Fünfmal das Finale erreicht, fünfmal gewonnen. Mai 2006: 4:0 gegen den FC Middlesborough. 2007: 3:1 im Elfmeterschießen gegen Espanyol Barcelona. 2014: 4:2 im Elfmeterschießen gegen Benfica Lissabon. 2015: 3:2 gegen Dnipro Dnipropetrowsk. 2016: 3:1 gegen den FC Liverpool. Den Titel-Hattrick verantwortete der junge spanische Trainer Unai Emery, ähnlich wie Klopp einst nur ein durchschnittlicher Zweitligafußballer.

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Klopp ist international schon zum zweiten Mal am FC Sevilla gescheitert. Beim erstem Titelgewinn der Andalusier 2006 hatte der Klub in der Play-off-Runde die 05er ausgeschaltet. Wir erinnern uns an jenes denkwürdige 0:0 im „Estadio Ramon Sanchez Pizjuan“, als Klopps überragender Torhüter Dimo Wache den Mainzern die Rückspielchance bewahrte. Dort setzte es dann ein 0:2 im Frankfurter Waldstadion nach zwei Toren des langen Torjägers Frederic Kanouté. Die Toptalente von Sevilla waren damals Linksverteidiger Dani Alves (seit acht Jahren beim FC Barcelona) und Rechtsaußen Jesus Navas (seit drei Jahren bei Manchester City, künftig trainiert von Pep Guradiola). Dazu kamen Offensivgrößen wie Javier Saviola und Luis Fabiano.

Karius wird Mignolet ersetzen

In jenem Rückspiel gegen die 05er stand auch Antonio Puerto in der Startelf. Der Verteidiger verstarb nach einem Herzstillstand auf dem Feld am ersten Spieltag der Folgesaison. In Basel streiften sich die Sevilla-Spieler nach dem Triumph umgehend Puerto-T-Shirts über. Die Fans aus Spanien sangen dazu die wunderbare Sevilla-Vereinshymne. Ein ergreifender Moment. Der Held des Abends: Der zweifache Torschütze Coke - der Mittelfeldspieler hatte bis dato noch nie einen Europokaltreffer erzielt im Verlauf der eindrucksvollen Hattrick-Serie. Gefreut haben wird sich auch Jairo. Der 05-Stürmer hatte als junges Talent beim Titelgewinn 2014 einige Einsätze im Trikot des FC Sevilla.

Jürgen Klopp wird nun im anstehenden Transfersommer seine Liverpool-Mannschaft erheblich verstärken. Die „Reds“ waren den Spaniern in der zweiten Halbzeit spielerisch und auch konditionell deutlich unterlegen. Die physischen Defizite hatte Klopp schon bei seinem Dienstantritt registriert, das hat sich im Verlauf dieser Stresssaison nur noch bedingt aufarbeiten lassen. Nun braucht der Trainer einen spielstärkeren Innenverteidiger als Kolo Touré, einen strategisch begabteren Sechser als James Milner, einen präsenteren Zehner als Firmino, sicher auch einen Mittelstürmer, der mit dem Rücken zum Tor die Bälle halten kann und für 15 bis 20 Saisontore gut ist. Geld ist in Liverpool nicht das Problem. Für den wankelmütigen belgischen Torhüter Simon Mignolet wird künftig wohl der in der abgelaufenen Bundesligasaison nahezu fehlerfreie Loris Karius im Kasten stehen. Zehn Millionen Ablöse? Das zahlen die Engländer aus der Portokasse.