Rehberg: Laut Heidel muss Sportdirektor innerhalb der...

Die Sommertransferperiode ist rum. Christian Heidel hat finanziell einen überragenden Job gemacht. Sportlich sieht es auch nicht schlecht aus für die 05er. Archivfoto: Sascha Kopp

Treffen mit Christian Heidel. Das Thema liegt auf der Hand: Kann der 05-Manager im andalusischen Wintertrainingslager-Quartier Auskunft geben über den neuesten Stand seiner...

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. Das Vormittagstraining an diesem Samstag, an dem die Sonne noch mal konzentrierter arbeitet als an den auch schon schönen Tagen zuvor, haben wir verpasst. Wir saßen im dunklen Kellergewölbe. In der „Freemason Bodega“, die auf dem Gelände des Marbella Football Centers unterhalb des Büros auch dient als kleines Fußballmuseum. Wir haben uns getroffen mit Christian Heidel zu einem Sechs-Augen-Gespräch. Das Thema liegt auf der Hand: Kann der 05-Manager im andalusischen Wintertrainingslager-Quartier Auskunft geben über den neuesten Stand seiner Zukunftsplanungen und damit auch der des Klubs? Die Vorgabe war: Wir wollen nicht noch einmal all das in andere Worte und neue Formulierungen kleiden, was seit Wochen bekannt ist und öffentlich diskutiert wird.

"Es läuft alles in geregelten Bahnen ab"

Keine leichte Aufgabe. Aber wir sind es konstruktiv angegangen. Beidseitig. Heidel bittet um Verständnis für den nicht überragend transparenten Ablauf der Entscheidungsentwicklung. Der Manager sagt: „Die Leute in Mainz müssen uns vertrauen. Es läuft alles in geregelten Bahnen ab. Und das wird auch so bleiben, mit mir oder ohne mich.“ Der Reiz der Herausforderung FC Schalke 04 sei groß, sagt der 05-Macher. Wir sagen: Heidel möchte am 1. Juli im Kohlenpott antreten als neuer Verantwortlicher für den Lizenzspielerbereich. Heidel sagt: „Die Voraussetzungen für meine endgültige Entscheidung sind in Mainz noch nicht geschaffen.“

Um diesen Vorgang halbwegs verständlich darstellen zu können, haben wir uns auf ein Modell geeinigt. Es gibt einen Plan A neben einem Plan B. Plan A kann heißen, dass es strukturelle Veränderungen gibt. „Wir müssen uns in diesem Verein für die nächsten 20 Jahre neu aufstellen“, sagt der Manager. „Mit mir und ohne mich.“ Wenn in den kommenden Wochen eine Lösung für Plan A gefunden wird, die den seit 24 Jahren tätigen Denker und Entscheider nach menschlichem Ermessen vernünftig ersetzt, „dann erst habe ich die Möglichkeit, meine Entscheidung zu fällen, vorher nicht“. Was wir in diesem Moment eher mal ausschließen wollen. Plan B heißt dann: Alles ist geregelt – und Heidel geht. Die Voraussetzung dafür bleibt die Erfüllung von Plan A.

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Modell mit verkleinertem Vorstand

Recht einig ist man sich innerhalb der Führungsriege, dass das neue Modell einen deutlich verkleinerten Vorstand mit zwei oder drei hauptamtlichen Stellen vorsieht plus einem kontrollierenden Aufsichtsrat darüber. Hauptamtlich geregelt werden soll im geschäftsführenden Vorstand der kaufmännische Bereich und der sportliche Bereich. Der kaufmännische Leiter wäre der entscheidungsbefugte Vorgesetzte für die vier Geschäftsführer. Der sportliche Leiter würde das Transferwesen verantworten. Diesen beiden Personen würde ein Vorstandsvorsitzender vorstehen. Der könnte auch ehrenamtlich arbeiten. Weil beim bisherigen Vorstandsgremium die biologische Uhr tickt, müsste der künftige Aufsichtsrat teilweise mit neuen Fachleuten (Heidel: „Präferenz hat wirtschaftliches Denken“) besetzt werden. Letzteres ist eine Aufgabe, die bis 2017 Zeit hat, denn erst dann läuft die Amtsperiode des aktuellen Vorstandes aus.

Bis dahin könnte Finanz-Geschäftsführer Christopher Blümlein den kaufmännischen Bereich abdecken. Dann wäre jetzt ein neuer Sportdirektor zu finden. Das Anforderungsprofil, so Heidel: Der neue Fußballfachmann muss klar kommen mit dem begrenzten wirtschaftlichen Spektrum, das dieser Standort bietet – und er muss das nötige Netzwerk im Profigeschäft nachweisen. Das heißt: Auch der neue sportliche Leiter muss Spieler günstig einkaufen und Spieler teuer verkaufen können – und er muss unabhängig arbeiten, also ohne persönliche/geschäftliche Abhängigkeiten von zwei, drei der großen Spielerberatungs-Agenturen. Die entsprechenden Gespräche führt Heidel. Weil vom bisherigen Vorstand ja in den vergangenen Jahren keine Person eng eingebunden war in das Tagesgeschäft. Wasserstandsmeldungen über den Verlauf von Gesprächen will der Manager keine abgeben.

"Sportdirektor benötigt Einarbeitungszeit"

Sollte schon bis zum Sommer auch ein neuer kaufmännischer Leiter gefunden werden, dann sei es kein Problem, wenn dieser erst am 1. Juli seine neue Stelle antrete. Weil: Der junge Finanz-Geschäftsführer Christopher Blümlein habe alles gut im Griff. Ein neuer Sportdirektor, das stellt Heidel unmissverständlich klar, müsse binnen der nächsten zwei Monate am Bruchweg aufschlagen. „Dieser Mann benötigt Einarbeitungszeit, das geht nicht anders.“ Dieses Zeitfenster steht nun also. Und dies ist eine neue Nachricht.

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Über das nächste Thema will sich Heidel nicht auslassen. Aber wir wissen: Es gibt in diesem Verein noch unterschiedliche Auffassungen über die Besetzung der neu zu schaffenden hauptamtlichen Posten und über die Frage, wer vom bisherigen Führungspersonal künftig in welchem Gremium mit welchen Entscheidungsbefugnissen sitzt. Natürlich geht es da auch um die künftige Aufgabe des seit 28 Jahren tätigen Präsidenten: Sitzt Harald Strutz, der 2017 dann 67 Jahre alt wird, dem Aufsichtsrat vor – oder den beiden hauptamtlich wirkenden Vorständlern (wie etwa beim SC Freiburg mit dem Wein- und Gastronomie-Unternehmer Fritz Keller)? Eine heikle Angelegenheit.

Bekannt ist: Der Präsident traut sich als Jurist den späten Einstieg in das Tagesgeschäft zu – andere würden Harald Strutz lieber als Chef eines kontrollierenden Aufsichtsgremiums sehen. Da stehen noch interessante interne Diskussionen an. Normal in jedem Wirtschaftsunternehmen. Im Fußball ist das direkt mit großen Emotionen verbunden. In zwei Monaten sind wir schlauer. Heute reist Jürgen Doetz zum Testspiel gegen Standard Lüttich an. Auch mit dem Vize-Präsidenten im Vorstand werden wir über die Sachlage sprechen.