Rehberg: Im Spiel Mainz 05 gegen Gladbach müssen zwei...

Trainingseinheit bei Mainz 05. Foto: dpa

Am Sonntag tritt Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach auf den Platz. Zwei „Fremdgeher“, die im Borussia-Park die überzeugende Rückkehr zu ihren gewohnten Abläufen...

Anzeige

. Borussia Mönchengladbach versteht sich als eine Mannschaft, die den Ball haben will und die den Gegner über ein starkes Zentrum auseinander spielen will. Unter der Woche aber hat André Schubert mit seiner Elf in der Champions League die Betondefensive geübt. Beim 0:4 als Gast des FC Barcelona verbarrikadierten sich die Gladbacher im Camp Nou mit einer Sechser-Abwehrkette: Vier Innenverteidiger plus zwei Außenverteidiger. Da blieben nur noch vier Feldspieler übrig für andere Aufgaben. Schubert wählte zwei zentrale defensive Mittelfeldspieler, einen Verbindungsläufer und eine sehr einsame Spitze. Der große Hennes Weisweiler, dieser ewig unruhig-ehrgeizige Offensivgeist, der einst die Gladbacher „Fohlen-Elf“ baute und später beim FC Barcelona nicht glücklich wurde, wäre auf eine solche Idee nie gekommen.

Was war das für ein Spiel im Nou Camp? Barca durfte mit seiner besseren B-Elf nahezu unbehindert 1031 Pässe spielen, von denen 930 ankamen. Weltrekord. Die Gladbacher hatten in der gegnerischen Spielhälfte eine Ballbesitzquote von kaum mehr als zehn Prozent.

An diesem Sonntag laufen die 05er zum Bundesligaspiel im Borussia-Park auf. Die Mainzer definieren sich als klassische Umschalteinheit. Der Gegner soll die Kugel haben, er soll sich im Ballbesitz abmühen, er soll sich in einem engmaschigen Defensivdickicht verirren. Und wenn dann der Ballbesitz wechselt, dann knallen die 05er ihre Umschaltüberfälle raus. Da reichen an guten Tagen 30 Prozent Ballbesitz aus zum Sieg. Am vergangenen Donnerstagabend war allerdings auch das Team von Martin Schmidt dazu gezwungen, einen diametral gegensätzlichen Ansatz zu wählen. Im Europaliga-Heimspiel gegen den kaum wettbewerbsfähigen Tabellenletzten FK Qäbälä hatte die 05-Elf knapp 70 Prozent Ballbesitz. Gegen eine Gemeinschaft aus Aserbaidschan, die überwiegend in der eigenen Hälfte mit allen Männern Straßensperren aufstellte.

Mental und emotional sind die 05er im Vorteil

Anzeige

Und nun Gladbach gegen Mainz 05. Zwei „Fremdgeher“, die im Borussia-Park die überzeugende Rückkehr zu ihren gewohnten Abläufen schaffen wollen, schaffen müssen. Zurück zu den Wurzeln. Mental und emotional sind die 05er im Vorteil. Sie haben ihre Angriffs-Herausforderung gegen unteres Zweitliganiveau mit einem netten 2:0-Sieg bewältigt. Die Gladbacher sind in Barcelona mit ihrem Betonwerk kläglich gescheitert, sie sind vorgeführt worden. „Eine Lehrstunde für uns“, konstatierte Tony Jantschke, einer aus der Sechserkette. „Wir waren ein schüchternes Team. Barca hatte gefühlt drei Mann mehr auf dem Platz.“ Und dazu kommt noch, dass die Borussia in der Bundesliga aus einer Serie von acht Spielen ohne Sieg (fünf Niederlagen) kommt. Was die Diskussionen um den Trainer immer mehr anheizt. In Gladbach scheppert der Deckel auf dem brodelnden Topf. Schubert, der kritisiert wird wegen seines herrischen Führungsstils, muss liefern. Ansonsten sitzt er unterm Weihnachtsbaum mit den Entlassungspapieren auf dem Gabentisch. Die Verteidigungskünste von Manager Max Eberl stoßen längst an Grenzen.

Ausgeruhte, frische Spieler werden beide Trainer aus dem Hut ziehen. Martin Schmidt kann, wenn er das will, ohne vorhersehbaren Qualitätsverlust seine komplette Offensivabteilung austauschen. Jhon Cordoba ist gelb-gesperrt. Für den Kolumbianer wird womöglich wieder U23-Stürmer Aaron Seydel als Mittelstürmer auflaufen. Und statt Jairo, Pablo de Blasis und Fabian Frei (der gegen Qäbälä als Zehner begann und der in Gladbach wieder auf die Sechserposition rücken dürfte), kann er vorne Levin Öztunali, Karim Onisiwo und Topscorer Yunus Malli ins Rennen schicken. Schubert kann im Angriff Raffael, Lars Stindl, Fabian Johnson und Jonas Hofmann nachschießen. Und im Mittelfeld den Weltmeister Christoph Kramer, der ebenso wie Raffael und Johnson im Camp Nou nur als Einwechselspieler aktiv war.

Die Aufgabe der 05er besteht darin, den sehr eigenen Gladbacher Ballbesitzansatz zu stoppen. Die Schubert-Elf baut ihren Druck über das Zentrum auf. Raffael und Stindl treiben sich in den Halbräumen herum, von dort schleichen sich die beiden torgefährlichen Techniker geschickt in die Lücken zwischen den gegnerischen Innenverteidigern und Außenverteidigern. Unterstützt von mit hohem Tempo einlaufenden Außenstürmern. Die Mainzer werden in der Defensive einen stabilen Mittelblock bauen müssen, um die schnellen Passfolgen und oft gegenläufigen Laufwege der Gladbacher in den Griff zu bekommen. Dann kann es gelingen, den Gegner permanent daran zu erinnern, dass es ihm gerade nicht so gut geht. Und wenn dann das Publikum im Borussia-Park relativ zeitig damit beginnen sollte, Unmutsbekundungen zu senden, dann müssen die Konter sitzen. Wie Stiche in die offenen Wunden der verunsicherten Gladbacher.