Rehberg: Holprig, konfus und hart erkämpft

Eine Großchance von Jhon Cordoba von Mainz 05. Foto: Harald Kaster

Der Derbyauftritt von Mainz 05 gegen Darmstadt 98 war holprig - diese Leistung wird gegen die nächsten Gegner nicht genügen. Reinhard Rehberg wirft einen kritischen Blick auf...

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. Die 05er fahren am kommenden Sonntag zum FC Schalke 04 mit sieben Zählern mehr auf dem Konto als der teuer verstärkte Ruhrpottklub. Davor empfängt die Mannschaft von Martin Schmidt am Donnerstagabend in der Europaliga den RSC Anderlecht mit dem ersten Saisonheimsieg im Rücken. Diese beiden günstigen, das mentale Gerüst stärkenden Konstellationen sind möglich geworden durch einen 2:1-Sieg in der Opel Arena gegen den SV Darmstadt 98. Im Ergebnis und in den Folgewirkungen alles gut. Aber Trainer und Spieler wissen: Dieser Derbyauftritt war holprig, diese Leistung wird in den nächsten beiden Spielen nicht genügen für weitere Erfolgserlebnisse.

Die 05-Fans riefen am Sonntagabend Jonas Lössl auf den Zaun. Ein schöner Moment für den zwischenzeitlich von einigen Anhängern erstaunlich heftig kritisierten 05-Torhüter. Der Däne hatte diese Feierstunde auf der Stehtribüne verdient. Ohne die Paraden von Lössl hätte es schief gehen können an diesem Sonntagabend. Der Keeper rettete seiner Mannschaft Sekunden vor dem Halbzeitpfiff mit einem gehaltenen Strafstoß die 1:0-Führung. Wichtig. Ein 1:1 zur Pause nach vielen vergebenen Großchancen der Mainzer hätte die Mainzer in noch wesentlich größere Schwierigkeiten gebracht. Und in der 63. Minute verhinderte Lössl mit einer schnellen Hand gegen den zentral im Fünfmeterraum abschließenden Mittelstürmer Antonio Colak einen früheren Anschlusstreffer für die Darmstädter. Auch wichtig. Denn zu diesem Zeitpunkt waren nur noch die „Lilien“ am Drücker – und die 05er waren offensiv längst raus aus der Partie.

Viele Konterchancen erarbeitet

Ansonsten basierte dieser hart erkämpfte Heimsieg auf einer ordentlichen ersten Halbzeit und einer leidenschaftlichen Verteidigungsleistung. Was hat den 05ern das Leben so schwer gemacht? Eine Pressing- und Umschaltmannschaft arbeitet sich in ein Spiel hinein über Zweikämpfe im Mittelfeld und über entsprechende Balleroberungen. Das war in diesen mittleren Zonen kaum möglich gegen die 98er. Denn die Mannschaft von Norbert Meier schlug ihre Bälle, zu 80 Prozent über den Torwart, lang und hoch nach vorne. Bis ins Zentrum des Angriffsdrittels. Dort startete dann der Fight um die zweiten Bälle. Wenn sich die 05er diese zweiten Bälle schnappten, und das klappte häufig, dann regnete es Konterchancen gegen die zu langsame und nicht gut organisierte defensive Umschaltarbeit der Hessen.

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Die Räume waren phasenweise sperrangelweit offen bei schnellen Gegenzügen der 05er in die Tiefe des Raums. Das Schmidt-Team hätte zur Pause 2:0 oder 3:0 in Führung liegen können. Jhon Cordoba verpasste zwei ganz fette Teile. Als er schon den Torwart umkurvt hatte, strauchelte er leicht, sein Schuss aufs leere Tor landete am Außennetz. Einen Kopfball setzte der Kolumbianer an die Latte. Das war Pech. Cordoba blieb auch in der zweiten Halbzeit der beste Mainzer, er war der einzige 05er, der es schaffte, die Kugel zu kontrollieren und präzise weiter zu leiten. In einem Spielabschnitt, in dem die Gastgeber nahezu komplett die Kontrolle verloren über das Geschehen. Die „Lilien“ rannten tapfer an, sie passten und flankten, aber die individuelle Qualität im Angriff reichte nicht aus, um mehr gefährliche Strafraumaktionen zu produzieren. Da hatte Malli mit seinem - im Dribbling selbst herausgeholten und sicher verwandelten - Foulelfmeter das Ergebnis schon auf 2:0 gestellt. Das geschah in der 56. Minute. Danach gelang den immer konfuser werdenden 05ern nicht ein einziger Torschuss mehr.

Mangelndes Passspiel

Spielkontrolle über eigenen Ballbesitz? Das funktionierte nicht an diesem Tag. Jean-Philippe Gbamin und Daniel Brosinski verteidigten auf den Sechserpositionen hart und aufopferungsvoll. Aber beide hatten kein gutes Passspiel. Und die Abstimmung in den Abständen zwischen den beiden zentralen Mittelfeldspielern war auch nicht gut. Brosinski ist ein Läufer, ein Zweikämpfer und ein Ballschlepper, ein Stratege ist er nicht. Das muss man dem gelernten Außenbahnspieler aber nicht zum Vorwurf machen. Fabian Frei hat da andere Gewohnheiten. Der Schweizer kann das Spiel im eigenen Ballbesitz ordnen. Aber der erfahrene Techniker hatte nach seiner Verletzung noch zu wenige Trainingseinheiten intus. Gegen den RSC Anderlecht wird der Passspieler Frei wieder wichtig sein als zentraler Stabilisator.

Das Führungstor durch Pablo de Blasis, der später auch Malli die Elfmeterszene vorbereitete, entsprang einem brillanten Spielzug über Brosinski und Gaetan Bussmann. Da lief die Kugel schnell und direkt. Letzte Anmerkung: Auch den zweiten Elfmeter für die „Lilien“ hätte Brych nicht pfeifen müssen. Aus einer Entfernung von zehn Zentimetern bekam der gerade eingewechselte Niko Bungert den Ball an die - schützend vor den Kopf gehaltene - Hand geköpft. Bells Luftkampfaktion gegen Colak vor dem ersten Elfer hatte mit einem Foulspiel überhaupt nichts zu tun. Die Bundesliga-Schiris hatten insgesamt kein gutes Elfmeter-Wochenende.