Rehberg: Große Fußballgeschichte weht durch die Opel Arena

Martin Schmidt kann seine Jungs wohl auf auf höchstem Maße aggressiv nach vorne verteidigende Dortmunder einstellen. Archivfoto: dpa

Am Donnerstag steht das dritte Europa-League-Gruppenspiel für die 05er an. Auf die Schmidt-Elf wartet der RSC Anderlecht - ein Verein mit großer Tradition.

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. Europaliga, Gruppe C: Der Königliche Sportklub Anderlecht spielt am Donnerstagabend in Mainz auf. Da weht große Fußballgeschichte durch die Opel Arena. Im Europapokal hat der RSC Anderlecht, der 1933 zum 25-jährigen Bestehen vom belgischen Verband die Auszeichnung „Societé Royale“ verliehen bekam, Triumphe gefeiert. Mit Spielern, die man im heutigen Sprachgebrauch als Megastars bezeichnen würde. 1976 und 1978 gewann der 33-malige Belgische Meister den Europapokal der Pokalsieger. 1977 scheiterte der RSC im Endspiel in Amsterdam am Hamburger SV (0:2, Tore von Georg Volkert und Felix Magath).

Das Finale von 1976: 4:2 im Brüssler Heyselstadion gegen West Ham United. Interessant das Halbfinale. Der RSC Anderlecht hatte sich gegen Sachsenring Zwickau durchgesetzt. West Ham hatte die Frankfurter Eintracht ausgeschaltet. Das Finale von 1978: 4:0 unter dem späteren langjährigen belgischen Nationaltrainer Raymond Goethals im Pariser Prinzenparkstadion gegen Austria Wien. Das Prunkstück dieser beiden RSC-Mannschaften war das Mittelfeld mit den beiden belgischen Nationalmannschaftslegenden Francois van der Elst und Franky Vercauteren - dazu kamen noch vom 74er Vize-Weltmeister Holland der große Spielmacher Arie Haan und Linksaußen Rob Rensenbrink.

1983 gewann der RSC Anderlecht den Uefa-Pokal. Das Finale wurde noch im Modus „Hin- und Rückspiel“ ausgetragen. Die Belgier unter Trainer Paul van Himst, einst der größte Torjäger seines Landes, holten sich den Cup gegen Benfica Lissabon (1:0 und 1:1). 1984 erreichte Anderlecht erneut das Endspiel. Das ging im Elfmeterschießen verloren gegen die Tottenham Hotspurs. Dieser internationale Erfolg hatte einen bitteren Nachgeschmack: 1997 gab der Klub zu, im Halbfinal-Rückspiel gegen Nottingham Forest den Schiedsrichter bestochen zu haben mit 27.000 Pfund; der Schiri (der bei der Präsidentenbeichte im Jahr 1997 schon verstorben war) hatte beim 3:0-Heimsieg der Belgier (Hinspiel 0:2) einen ausgesprochen zweifelhaften Elfmeter gepfiffen.

1986 zog der Klub im Europapokal der Landesmeister nach einem Aufsehen erregenden Erfolg gegen den FC Bayern München (dort stand der Belgier Jean-Marie Pfaff im Kasten) ins Halbfinale ein. Aus gegen Steaua Bukarest. Der Trainer des RSC hieß inzwischen Arie Haan. Die Abwehr dirigierte Morten Olsen, im Mittelfeld brillierten Vercauteren, das Toptalent Enzo Scifo, der Däne Henrik Andersen und Regisseur René Vandereycken. 1990 unterlag der RSC im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen den FC Genua. Seitdem ist es international ruhiger geworden um den Königlichen Fußballklub.

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Aus der großen Generation wurde - neben Arie Haan und Morten Olsen - auch René Vandereycken Fußballlehrer. Er scheiterte 1997 auf dem Trainerstuhl des RSC Anderlecht. 1999 entdeckte Christian Heidel den Einzelgänger mit Prädikatsexamen für den Zweitligisten FSV Mainz 05. Das ging daneben. Nach nur zwölf Spielen zog der Manager die Reißleine. Den ewig übellaunigen Vandereycken hatte Kapitän Jürgen Klopp auf die Bank verbannt. Der einzige Verdienst des Belgiers, dessen Spielsystem nie zu enträtseln war: Er machte 05-Jugendspieler Manuel Friedrich zum Stammspieler. Nach seiner Entlassung weigerte sich Vandereycken, seine Mainzer Dienstwohnung aufzugeben. Den Gerichtsprozess gewannen die 05er: Am Strom- und Wasserzähler war ablesbar, dass der Beurlaubte die Wohnung gar nicht mehr nutzte. Später wurde Vandereycken immerhin noch belgischer Nationaltrainer.

Heute wird der RSC Anderlecht, zuletzt Belgischer Meister 2012, 2013 und 2014, trainiert von René Weiler. Den haben die Belgier in Sommer 2016 für eine Ablöse von 850.000 Euro vom 1. FC Nürnberg abgeworben. Der Schweizer war mit dem „Club“ gerade in der Aufstiegsrelegation an der Frankfurter Eintracht gescheitert. 05-Bezug? Gibt es. René Weiler begann seine Spielerkarriere einst in der Nationalliga B beim FC Winterthur. Dort hieß der Trainer des 19-Jährigen in der Saison 1992/93: Wolfgang Frank – der knapp drei Jahre später die 05er vor dem Zweitligaabstieg rettete. Einer von Weilers damaligen Mannschaftskameraden in Winterthur ist heute Weltmeistertrainer: Toptechniker Jogi Löw ließ in der Schweiz im Alter von 32 Jahren unter Wolfgang Frank seine Spielerkarriere ausklingen.

Der neue Anderlecht-Coach René Weiler (46) begann in Winterthur auch seine Karriere als Fußballlehrer. Er startete 2001 als Assistenztrainer, später übernahm er die U18. Dort wurde zu dieser Zeit auch der (im nahen Frauenfeld geborene) 05-Mittelfeldspieler Fabian Frei ausgebildet. Welche Stärken der RSC Anderlecht heute hat und welche Chancen sich die 05er am Donnerstagabend ausrechnen dürfen, das lesen Sie im morgigen Blog.