Rehberg: Geld zerstört den Fußball

Fifa-Boss Gianni Infantino. Foto: dpa

Big Business. Der internationale Fußball ist auf dem Weg in ein Parallel-Universum. Reinhard Rehberg über die Geldscheffel-Pläne der Fifa. Der große Strippenzieher ist...

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. Mit Transparenz hat das gar nichts mehr zu tun. Da blickt niemand mehr durch. Ständig werden bei der Fifa neue Wettbewerbsformate durchs Dorf getrieben. WM mit 48 Teilnehmern. Wer will, wer kann da noch die Erwartungshaltung mobilisieren, am Ende jedes WM-Spiel gesehen haben zu wollen? Der Confederations-Cup soll abgeschafft werden. Warum? Um Termine freizuschaufeln für eine alle vier Jahre stattfindende Klub-WM mit 24 Teilnehmern aus allen Erdteilen; das Leistungsgefälle wird gigantisch sein.

Und nun die neueste Idee: Die Champions League soll umgebaut werden zu einer Super-Liga mit einer Liga A, die besteht aus vier Achtergruppen, aus denen jeweils die vier besten Mannschaften ins K.o.-System (Achtelfinale) einziehen. Das Besondere: Es soll ein Auf- und Abstiegssystem installiert werden - das den Branchenriesen eine ständige CL-Teilnahme garantiert.

Mauscheln in Hinterzimmern

Offen diskutiert wird das alles nicht. Wer da mit wem in welchen Hinterzimmern mauschelt, das bekommt die Öffentlichkeit gar nicht dargelegt. Bekannt ist lediglich: Der große Strippenzieher ist Gianni Infantino. Der Fifa-Boss werkelt am Big-Deal. Er hat eine Investorengruppe aufgetan, die 25 Milliarden in diese Wettbewerbe oder in einen Teil der Wettbewerbe, so genau weiß man das nicht, pumpen will. Wer die Geldgeber sind, gemunkelt wird von reichen Leuten, Konzernen, Banken, Fonds aus dem arabischen Raum, das verrät der selbstherrlich agierende Infantino nicht.

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Dass der Fifa-Patron so ganz nebenbei auch noch im Zuge dieses Deals nahezu alle Fifa-Rechte auf eine GmbH übertragen lassen will, deren Mehrheitseigner diese unbekannte Investorengruppe sein und deren hoch dotierter Geschäftsführer Gianni Infantino heißen soll, diese Pläne kennen wir auch nur aus Geheimpapieren, die die Enthüllungsplattform Football Leaks verschiedenen Medien zugespielt hat.

Schauen wir auf die Klub-WM. Die europäische Klubvereinigung ECA sagt: Mit uns nicht! Real Madrid und der FC Bayern, führende Vertreter der ECA, sagen: Prima, machen wir! Zitat Uli Hoeneß: „Her damit!“ Die ECA als Organisation stellt sich gegen Infantino und damit auch gegen dessen Rechte-Ausverkauf. Die Großklubs aber sind daran interessiert, die in Aussicht gestellten exorbitanten Starthonorare für die Klub-WM nicht aus den Augen zu verlieren; die Rede ist von 50 bis 100 Millionen Antrittsprämie für die wenigen TV-Quoten-Giganten wie Real, Barca, ManUnited, ManCity, FC Liverpool, Juve oder Bayern München.

14 „Ligaspiele“ in der Champions League

Da soll also künftig in den EM- und WM-Zyklus in der Sommerpause der Ligen auch noch eine Klub-WM reingepresst werden. Von der zuletzt viel diskutierten Überbelastung der Profis, die bislang alle zwei Jahre wegen der Turniere für die Nationalmannschaften nicht viel Urlaub haben, hört man plötzlich gar nichts mehr.

Und wenn man dann noch das neue CL-Format betrachtet, dann wird es noch kräfteraubender: Statt bislang sechs Gruppenspielen würden künftig vor der K.o.-Runde 14 „Ligaspiele“ anfallen - bei Achtergruppen mit sieben Heim- und sieben Auswärtsspielen. Die, das ist eine neue Besonderheit, zum Teil ausgetragen werden sollen an - für das Fernsehen attraktiveren - Wochenenden. Was natürlich einen negativen Einfluss auf den Spielbetrieb der nationalen Ligen hätte.

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Wir erkennen: Es geht um Eigeninteressen, es geht um immer mehr und noch mehr Geld. Die Folge: Die Reichen werden immer reicher – und die möglichen Meister in den jeweiligen Top-Ligen beschränken sich dann zwangsläufig nur noch auf zwei, bestenfalls drei Klubs. Das wird mit einer Klub-WM und mit einem neuen, weniger durchlässigen CL-Format weiter zementiert. Big Business. Der internationale Fußball ist auf dem Weg in ein Parallel-Universum.