Rehberg: Geis-Wechsel nach Schalke keine Überraschung

Johannes Geis. Archivfoto: dpa

Der Wirt im italienischen Fischrestaurant kennt Johannes Geis. Gerne hätte er ihn bei Juventus Turin gesehen. Aber Geis wechselt von Mainz 05 zu Schalke 04. Dessen Aussichten...

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. Wir haben in einem kleinen Fischrestaurant in Porto di San Giorgio das U21-EM-Gruppenspiel Italien gegen Portugal gesehen. Der Fernseher stand im Garten. Der Wirt rannte ständig vor den Bildschirm. Ein Fußballfanatiker, ein Juve-Fan. Wir kamen ins Gespräch, ein paar Brocken deutsch vom Wirt, acht Vokabeln italienisch von mir, ein wenig englisch von uns beiden, wie das eben so geht im Urlaub.

Keine Stelle frei bei Tuchel

Der Wirt verteufelte die italienische Nachwuchsschule, er schwärmte von der deutschen Mannschaft. Und er freute sich gedämpft über den Wechsel von Sami Khedira zu Juventus Turin. Und er kannte, das hat mich sehr erstaunt, Johannes Geis. Ja, den habe er schon oft gesehen im Fernsehen, großes Talent, großer Stratege im Mittelfeld, sehr gute Freistöße, viel jünger als Khedira. Sein Fazit: Nach seiner Meinung hätte die "Alte Dame" Geis verpflichten sollen, mehr Perspektive, mehr Ehrgeiz, bessere lange Pässe für die schnellen Stürmer der Turiner.

Nun, das ist vorbei. Johannes Geis hat sich dem FC Schalke 04 angeschlossen. Das ist keine große Überraschung. Nachdem Ilkay Gündogan wohl in Dortmund bleibt, hätte Thomas Tuchel für den 05-Profi keine Stelle mehr frei machen können. Die Schalker stehen mit dem neuen Trainer Andre Breitenreiter vor einem Neuaufbau, da dürften die Chancen von Geis nicht schlecht stehen für einen Platz in der Startelf. Gemeinsam mit dem Ex-05er Roman Neustädter?

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Passt es mit Neustädter?

Na ja, überragend gut würde das nicht passen. Könnte sein, dass S04 dann in der Balljagd und im eigenen Ballbesitz Tempo fehlt. Denn sowohl Geis als auch Neustädter sind nicht sonderlich flott unterwegs, beide sind auch nicht die aggressivsten Zweikämpfer. Aber das kann Breitenreiter, der Freund des schnellen offensiven Umschaltspiels, den beiden Ex-Mainzern ja vielleicht noch beibringen. Das hat der Trainer ja auch in Paderborn mit dem Edeltechniker Mario Vrancic, ebenfalls ein Talent aus der Bruchwegschule, hinbekommen.

Bei der U21-EM in Tschechien spielt Johannes Geis weiterhin keine Rolle. 13 Einsatzminuten nach drei Gruppenspielen, das ist wenig. Horst Hrubesch hat sich für den Liverpooler Emre Can entschieden im zentralen Mittelfeld, und einen zweiten strategisch begabten Sechser ohne das ganz große Tempo und ohne das ganz große Zweikampfgift will der DFB-Coach nicht aufstellen. Diesen Part spielt nun der zum FC Bayern wechselnde Leipziger Joshua Kimmich. Beim 1:1 gegen die Tschechen hatte das Tandem Can/Kimmich keinen Sahnetag.

Geis für die Verlagerungspässe? Hrubesch sieht es anders

Insbesondere der Liverpooler konnte dem Anspruch, der Chef in der Platzmitte zu sein, nicht gerecht werden. Als die Gastgeber begannen, Tempo aufzuziehen, da war vom vermeintlichen Stabilitätsfaktor Emre Can, der vom Liverpooler Coach Brendan Rodgers ja mehr als Innenverteidiger eingesetzt wird, nicht mehr viel zu sehen. Da hätte man sich nach einer Stunde gut den ballsicheren Johannes Geis vorstellen können mit seinem Gefühl für Spielrhythmus und für die weiten Verlagerungspässe. Hrubesch sah das anders. Die deutsche Elf hat sich ins Halbfinale gerettet - und auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio geschafft. Das ist schon mal ein Erfolg.

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Hrubesch nahm gegen die kämpfenden, spielerisch aber unterlegenen Tschechen sehr spät seinen Zehner vom Feld, Max Meyer, der künftige Schalke-Kollege von Geis. Jetzt durfte Yunus Malli mal für ein paar Minuten aufspielen. Der 05-Profi sollte Ruhe in das wild gewordene Spiel bringen. Eine undankbare Aufgabe. Denn Malli ist eher der Umschalt-Zehner, der mit dem ersten Ballkontakt den Vorwärtsgang einschalten will. Das war es nicht, was die Mannschaft in diesem Moment gebraucht hat. Und die Umschaltversuche sind dann Malli auch noch misslungen.

Enttäuschung für die 05-Asse

Alles deutet aktuell darauf hin: Diese U21-EM wächst sich für Geis und Malli, die in den Qualifikationsspielen fast immer in der Startelf standen, zu einer Enttäuschung aus. Die Chancen, dass Hrubesch im Halbfinale Schlüsselpositionen im Mittelfeldzentrum ganz neu besetzt, stehen nicht gut. Es sei denn, Hrubesch käme auf die Idee, den etwas unstrukturiert kämpfenden Innenverteidiger Dominique Heintz durch Emre Can zu ersetzen. Dann wäre ein Platz frei für den Sechser Geis. Malli für Meyer? Das hängt womöglich vom Gegner ab. Spielt die DFB-Elf mehr auf Umschaltung, dann könnte der schnellere Mainzer die bessere Lösung sein als der Schalker Dribbler, der bislang auch kaum torgefährliche Abschlussaktionen einstreut.

Die Mainzer kompensieren den Abgang von Geis durch den Schweizer Fabian Frei. Eine gute Wahl. Der siebenmalige Nationalspieler vom FC Basel bringt mit seinen vielen Champions-League-Einsätzen viel Erfahrung mit, der 26-Jährige dürfte auch noch entwicklungsfähig sein. Fabian Frei, Julian Baumgartlinger und Yunus Malli, das ist ein Mittelfeldzentrum, mit dem die 05er in der Bundesliga sehr ordentlich aufgestellt sind.