Rehberg: Für Mainz 05 ist der Derby-Erfolg ein großer...

Freude nach dem Sieg bei Mainz 05. Foto: Sascha Kopp

Ein wildes Kampfderby ist es diesmal nicht geworden. Und wie zu erwarten war, hat das den von mehr Überzeugung beseelten 05ern zum Vorteil gereicht. Die Eintracht wollte mit...

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. Die 05er haben gegen Eintracht Frankfurt noch nie ein Liga-Heimspiel verloren. Diese Serie wird auch dieses Jahr überdauern. Am 21. Februar 2015 hat Martin Schmidt seine Bundesligakarriere begonnen mit einem 3:1-Sieg in der Coface Arena gegen den einstmals übermächtigen regionalen Konkurrenten vom Main. Am 28. November hat der 05-Chefcoach das Rhein-Main-Derby mit 2:1 gewonnen. Ein Schlüsselspiel. Die Eintracht hängt nun im unteren Tabellendrittel fest. Die Mainzer dagegen haben sich für diese Hinrunde von Gedanken an etwaige Abstiegskampfszenarien befreit. In direkten Duellen mit dem Hamburger SV und Hertha BSC Berlin können die 05er bis Weihnachten jetzt sogar noch Klubs angreifen, die nach dem Samstag-Spieltag auf Europaligaplätzen thronen.

Ein wildes Kampfderby ist es diesmal nicht geworden. Und wie zu erwarten war, hat das den von mehr Überzeugung beseelten 05ern zum Vorteil gereicht. Die Eintracht wollte mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen. Dieser Ansatz war leicht verwegen in der derzeitigen Verfassung der Adler-Elf. Die 05er haben an diesem Tag besser verteidigt, die 05er hatten das bessere Umschaltspiel und die 05er hatten das effizientere Offensivduo. Das frühe 1:0 durch Yoshinori Muto setzte die mental angeschlagenen Frankfurter vom Start weg unter Druck. Und nach dem Platzverweis für Torjäger Alex Meier nach 40 Minuten und dem folgenden 2:0 durch Yunus Malli war dieses Derby im Prinzip schon entschieden.

Für Spannung sorgte nur noch das knappe Ergebnis

Spannung bezog das Geschehen nach der Pause nur noch aus dem knappen Ergebnis. Mit einem Mann mehr auf dem Feld vergeigten die Mainzer bis zur 58. Minute vier fette Chancen zum 3:0. Dann gelang dem Schweizer Nationalstürmer Haris Seferovic wie aus dem Nichts das Anschlusstor. Ab diesem Moment spielte die Psychologie den 05ern einen Streich. Das junge Schmidt-Team wusste nicht so recht, wie es mit der Überzahl bei nur noch einem Tor Vorsprung umgehen sollte. Anflüge von Verlustangst. Die 05er entschieden sich halbherzig für Ballkontrolle. Ohne Tempo. Damit verloren die Gastgeber die Spielkontrolle. Die Eintracht rannte an. Aber mehr als zwei Halbchancen aus jeweils extrem spitzem Winkel sowie ein paar überwiegend ungefährliche Standardbälle mochten bei allem Bemühen für die Gäste nicht herausspringen. Die 05er hätten durch den eingewechselten Florian Niederlechner und durch den binnen der 90 Minuten immer stärker werdenden Jairo zweimal frei vor dem gegnerischen Keeper das - diesen soften Vorabendkrimi endgültig beruhigende - 3:1 markieren können.

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Die Eintracht, die in beiden Halbzeiten nette spielerische Phasen hatte, mied sogar noch in der Schlussphase das letzte Risiko. Armin Veh löste die Viererabwehrreihe nicht auf, die Flügel wurden nicht konsequent besetzt, der Trainer wechselte erst in der 84. Minute einen weiteren Angreifer ein - und da stürmte bei der letzten Standardsituation auch kein Torwart mit nach vorne. Merkwürdig, die Ergebnischance war ja gegeben.

Für die Schmidt-Mannschaft war dieser Derby-Erfolg ein großer Schritt nach vorne. Die 05er hatten mit konstruktivem Passspiel gute Szenen, die großen Torchancen entsprangen Umschaltüberfällen. M & M trafen - und Malli (acht Saisontreffer) und Muto (sieben Saisontreffer) hätten ihr Torkonto leicht noch aufstocken können. Verbesserungswürdig bei dieser in einer Entwicklung steckenden Elf ist die Balleroberung. Die Raumaufteilung in der Defensive ist in Ordnung, aber wenn das Team tief und mit vielen Beinen verteidigt, dann fehlt oft der direkte Zugriff. In ihrer Zonenverteidigung stellen die 05er gut die Passwege zu (besser als die Eintracht mit ihrem ähnlichen Ansatz), aber ohne aggressive Zweikampfführung in den torgefährlichen Räumen ist das zuweilen eine riskante Angelegenheit. Etwa zu beobachten bei den drei Frankfurter Chancen zwischen der 15. und 30. Minute, auch beim Anschlusstreffer, als Seferovic nach einem simplen Doppelpass an der Strafraumkante frei zum Abschluss kam mit seinem starken linken Huf.

Ein gutes Bundesligadebüt feierte Alexander Hack. Der 22-jährige Innenverteidiger aus der Mainzer U23 strahlte an der Seite des souveränen Stefan Bell Ruhe aus. In der Spieleröffnung ist das passsichere und antrittsschnelle Talent, das beim TSV 1862 Babenhausen bei Memmingen mit dem Fußball angefangen hat, wahrscheinlich jetzt schon der beste zentrale Abwehrspieler im 05-Kader. Auch in den Luftkämpfen ist der 1,90-Meter-Hüne eine Macht. Auffällig: Hacks Abwehraktionen landen häufig bei einem seiner Mitspieler. Was Hack lernen muss, und das kommt mit zunehmender Erfahrung: Orientierungs- und Handlungsschnelligkeit auf engen Räumen und Kompromisslosigkeit im Zweikampf am Boden. Nach dieser Vorstellung kann der Klub auf den erfahreneren, aber dauerverletzten Portugiesen Henrique Sereno problemlos verzichten.