Rehberg: Falls Heidel geht - Was 05 vom 1. FC Köln lernen kann

Peter Stöger. Foto: dpa

Am Samstag spielt Mainz 05 beim ehemaligen Chaosklub 1. FC Köln. Der Verein hat mit klugen Personalentscheidungen auf der Führungsebene seine einstigen Irrungen und Wirrungen...

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. Die wichtigsten Posten in den strategischen Planungen eines Profiklubs besetzen der Sportmanager und der Cheftrainer. Wenn da zwei Fachleute arbeiten, die gemeinsam einen Weg gehen, dann drückt sich das aus in – den wirtschaftlichen Möglichkeiten angemessenen – Erfolgen. Der VfB Stuttgart und der Hamburger SV sind zwei Beispiele für Großklubs, die über Jahre auf diesen zentralen Positionen Fehlentscheidungen gefällt, keine Qualität und keine Kontinuität in den Laden bekommen haben. Die Folge: Unausgegorene Kaderzusammenstellungen, keine klare Spielidee, diverse Abstiegskampfszenarien, Unruhe auf allen Ebenen. Die 05er laufen am kommenden Samstag beim 1. FC Köln auf. Dieser Klub hat seine Irrungen und Wirrungen überwunden.

Die inhaltlichen Kernpunkte auf diesem frisch asphaltierten Weg der Kölner sind denen der Mainzer nicht unähnlich. In den Entscheidungsstrukturen sind die Kölner schon viel weiter. Da den 05ern durch den bevorstehenden Verlust des langjährigen Vordenkers und Machers Christian Heidel gravierende Veränderungen ins Haus stehen, wollen wir einen Blick auf das Organigramm des Kölner Unternehmens werfen.

Profiabteilung des FC ist seit 2002 ausgegliedert

Die Profiabteilung ist seit 2002 ausgegliedert in eine „1. FC Köln GmbH und Co. KGaA“. Werner Spinner ist der Präsident des Gesamtklubs, der 100 Prozent des Stammkapitals der GmbH hält. Als Vizepräsidenten fungieren Markus Ritterbach und die ehemalige Torwartlegende Harald Schumacher. Die Geschäftsführung der GmbH obliegen dem für den Sport zuständigen erfahrenen Bundesligamanager Jörg Schmadtke und dem Finanz- und Marketingfachmann Alexander Wehrle. Der Schmadtke unterstellte Sportdirektor ist Jörg Jakobs. Als Kontrollgremium wirkt ein Aufsichtsrat unter Leitung des Unternehmensrechtlers Dr. Jürgen J. Sieger.

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Das Unternehmen baut mit einem Entschuldungsplan 22 Millionen Euro Verbindlichkeiten ab. Der FC ist im vergangenen Jahr unter Peter Stöger wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Der Trainer hat auf der Basis überschaubarer personeller Veränderungen im Kader mit einem sehr pragmatischen, auf eine gesicherte Defensive setzenden Ansatz mit soliden 40 Punkten den 12. Platz erreicht im Aufstiegsjahr. Dann hat Schmadtke, der auf eine ebenso brummige wie ruhige, überlegte und seriöse Art längst das Gesicht dieses Klubs geworden ist, eine strategische Entscheidung gefällt: Der FC versteht sich, ähnlich wie die 05er, als Weiterbildungsklub, der auf Transfereinnahmen angewiesen ist.

12 Millionen Euro durch Transfers von Ujah und Wimmer eingenommen

12 Millionen Euro hat der Klub eingenommen beim Verkauf von Innenverteidiger Kevin Wimmer (Tottenham Hotspurs) und Torjäger Anthony Ujah (Werder Bremen). Dafür kamen: Innenverteidiger Frederik Sörensen (23, für 2,5 Mio. von Juventus Turin), Innenverteidiger Dominique Heintz (22, für 1,5 Mio. vom FCK), Mittelfeldspieler Milos Jojic (23, für 2,9 Mio. von Borussia Dortmund), Flügelstürmer Leonardo Bittencourt (22, für 2,3 Mio. von Hannover 96) sowie Mittelstürmer Anthony Modeste (27, für 4,5 Mio. von der TSG Hoffenheim). Vier dieser überwiegend jungen Zugänge haben in diesem Jahr die U21-EM in Tschechien gespielt, in dieser Gruppe steckt Wertsteigerungspotenzial; dazu kommt noch der talentierte Torwart Timo Horn (22), der langfristig gebunden ist mit einer Ausstiegsklausel im Wert von neun Millionen Euro bei einem vorzeitigen Wechsel.

Das Modell funktioniert. Die Kölner stehen in ihrem zweiten Jahr nach dem Aufstieg nach dem 12. Spieltag mit 18 Punkten auf dem 7. Platz. Die Spielweise ist, auch dank der neuen Offensivkräfte, attraktiver geworden. Neun Mal haben die Kölner in der Vorsaison 0:0 gespielt; insgesamt kassierte das Team relativ wenige Gegentore, aber insgesamt 13 Remis sorgten nicht unbedingt für die helle Freude bei den Anhängern.

Abgang von Ujah lässig kompensiert

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Inzwischen lässt Stöger offensiver spielen, fünf Siege, drei Remis und vier Niederlagen entsprechen dem Potenzial dieser Mannschaft. In der Modeste mit sechs Saisontreffern und zwei Torvorlagen den Abgang von Ujah lässig kompensiert hat, man könnte auch sagen, der FC ist auf dieser Position eher stärker geworden.

Was lernen wir daraus: Langjährige „Problemklubs“ können schlauer werden - wenn die wichtigen Positionen auf der Entscheidungs- und Handlungsebene hervorragend besetzt sind. Die 05er werden sich in ihren Struktur- und Personalplanungen mächtig anstrengen müssen, wenn sie in der Nach-Heidel-Ära in diesem harten Verdrängungswettbewerb weiterhin auf Augenhöhe mithalten wollen. In welche Richtung das geht am Bruchweg? Still ruht der See.