Rehberg: Duell der Befreiten - 05 und HSV können aufspielen

Zwei, die den Unterschied ausmachen können: Yoshinori Muto und Yunus Malli. Foto: rcsp

Eigentlich müsste den 05ern die Kickerei so richtig Spaß machen. Das ungute Gefühl, noch vor Weihnachten ins erweiterte Abstiegskampfgerede kommen zu können, ist weg. Beim...

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. Eigentlich müsste den 05ern die Kickerei jetzt so richtig Spaß machen. Das ungute Gefühl, noch vor Weihnachten ins erweiterte Abstiegskampfgerede kommen zu können, ist weg. Damit ersparen sich die Spieler all die möglichen Nebenwirkungen, die im Beipackzettel für Zeiten im Tabellenkeller ja ausführlich beschrieben sind. Da ist das sinkende Selbstvertrauen meistens noch eines der harmloseren Symptome. Was zuweilen wesentlich tiefer sitzt und nervende Diskussionen auslöst: Eine durchschnittliche Leistung ohne positives Ergebnis wird gerne negativ überhöht. Umgekehrt heißt das: Wenn das Ergebnis stimmt, dann schauen Anhänger und Experten gerne mal über Leistungsdefizite hinweg. Das lässt einer Mannschaft, die gerade in einem Entwicklungsprozess steckt, die nötige Luft zum Atmen. Und störende Nebengeräusche im Klub bleiben im Hintergrund.

Duell der wirtschaftlichen Nöte gegen Ungewissheit auf der Vorstandsetage

Das gilt an diesem Samstag vor dem Duell im Volksparkstadion für beide Mannschaften. Den Hamburger SV plagen wirtschaftliche Nöte, die 05er stehen auf der Vorstandsetage vor einer ungewissen Zukunft – aber sportlich ist bei beiden Klubs mit 21 und 20 Punkten alles im Lot. Das lenkt den Fokus der Medien auf den Fußball. Und sollte es einen Sieger geben in dieser Partie, dann werden dessen Anhänger die bekannten Lieder vom Europapokal singen. Während in Hoffenheim oder Stuttgart Kader mit substanziell ähnlicher Qualität intern und extern unter Dauerbeschuss stehen. In diesem von Emotionen gelenkten Geschäft weisen Ergebnisse den Weg.

Wenn zwei Teams mit ähnlichen spielerischen und taktischen Möglichkeiten unbelastet aufspielen, dann geht es um Tagesform und um Bereitschaft: Wer bringt in höherem Maße seine Stärken auf den Platz - und wer schwingt sich auf zur größeren Willensanstrengung? Der HSV hat das Heimspiel, in einer tollen Atmosphäre. Aber die Elf von Bruno Labbadia wird auch gezwungen sein, die ungeliebte Ballbesitzrolle auszufüllen. Und das ohne den an der Schulter verletzten Zielstürmer und sechsfachen Torschützen Pierre-Michell Lasogga im Angriffszentrum.

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Ein Wiedersehen mit Nicolai Müller und Lewis Holtby

Die 05er, deren Basis immer eine stabile Defensivleistung ist, werden im Abwehrzentrum erneut mit dem jungen Alexander Hack antreten und im Mittelfeld wohl mit dem giftigen Routinier Gonzalo Jara für den auch strategische Fähigkeiten ausweisenden Danny Latza (Gelb-Sperre). Den wahrscheinlichen Lasogga-Ersatz Sven Schipplock können Stefan Bell und Hack in den Griff bekommen. Und das Duo Julian Baumgartlinger/Jara wird sich behaupten können gegen die HSV-Sechser Lewis Holtby (Techniker) und Gideon Jung (Kämpfer).

Und dann wird es darum gehen, dass die 05er im offensiven Umschaltspiel ihre Geschwindigkeit ausspielen. Yunus Malli, Jairo, Pablo de Blasis und Yoshinori Muto sind in der Lage, den Unterschied zu erzwingen. Wenn sich der ebenfalls auf Umschaltspiel gepolte HSV, der mit Ivo Ilicevic und dem schlaksigen Österreicher Michael Gregoritsch keinen typischen Zehner am Start hat, gegen den engmaschigen 05-Defensivblock im eigenen Ballbesitz die Füße wund passt, dann werden sich für das Team von Martin Schmidt Kontermöglichkeiten ergeben. Das ist dann immer eine Frage von Entschlossenheit, Präzision und Zielstrebigkeit.

Die Gefahr für die Mainzer besteht in leichtfertigen Ballverlusten im Aufbauspiel. Das bringt einen wuchtigen Sprinter wie Nicolai Müller in Position. Der Ex-05er ist aktuell eine Waffe im Labbadia-System. In der Breite sind die 05er aber in der Umschaltbewegung mit Malli, Jairo, de Blasis und Muto besser aufgestellt.