Rehberg: Die Winterdomizile der Bundesligisten - wer fliegt...

Flugzeug. Foto: dpa

Für die meisten Bundesligaclubs ist Südspanien nicht mehr das Topziel für die Rückrundenvorbereitung. Nur den FC Augsburg hat es neben den 05ern noch dorthin verschlagen....

Anzeige

. Pauschalreisen in den Süden werden zu dieser Jahreszeit ja nicht wesentlich teurer, wenn man noch ein, zwei Tage dranhängt. Nun bin ich schon da. Die 05-Kicker kommen erst am Mittwoch angereist zu ihrem Wintertrainingslager in Spanien. Und die meisten der Journalistenkollegen auch. Langweile? Nö. Überhaupt nicht. Die Sonne scheint. Ich fühle stabile 16 bis 18 Grad, leichter Wind. Unser Arbeitshotel unweit von Marbella liegt ein paar Schritte vom kleinen Hafen in Puerto Banus entfernt. Das Domizil ist ein alter Kasten, der seine besten Tage hinter sich hat. Aber wen sollte das jetzt stören, da sich in Deutschland allmählich die Kältewelle ausbreitet. Hier ist es warm, man kann im kurzärmeligen Hemd durch den Ort schlendern, sich absetzen, mit Blick auf das Meer einen Milchcafe trinken, in Ruhe Zeitung lesen und ein wenig sinnieren.

Ein Topziel ist Südspanien nicht mehr für die Bundesligaklubs in der Rückrundenvorbereitung. Nur den FC Augsburg hat es noch hierher verschlagen, nach Estepona. Der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach, Hannover 96, Werder Bremen und Hertha BSC schinden sich im türkischen Belek. Den VfL Wolfsburg zieht es ins portugiesische Lagos. Für den FC Schalke 04, das habe ich schon am Frankfurter Flughafen erkannt, waren bei der Lufthansa vier Schalter blockiert für die Reise in die USA; in Orlando macht sich auch Bayer Leverkusen fit. Die TSG Hoffenheim fliegt nach Südafrika. Der FC Bayern arbeitet in Katar, die Frankfurter Eintracht und Borussia Dortmund in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf ihrem eigenen Trainingsgelände in der Heimat bleiben lediglich der 1. FC Köln und der FC Ingolstadt. Also: Spanien ist out, die Türkei ist in – und diktatorisch geführte arabische Länder werden trotz der unbequemen politischen Diskussionen salonfähig.

Pro Katar: Abenteuerliche Argumentation

Die Argumentationen pro Katar und Emirate sind schon abenteuerlich. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sieht die Chance, sich in Doha auch für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen. Die Eintracht will sich in Dubai nach einem Ersatz für den im Sommer ausscheidenden Trikotsponsor „Alfa Romeo“ umschauen. Dafür gelte es mit den Scheichs freundschaftliche Bande aufzubauen und zu pflegen, sagt Axel Hellmann. Und außerdem dränge ja die DFL darauf, so der Eintracht-Vize, dass die Klubs vor Ort helfen, die internationale Verwertung der Fernsehrechte anzuschieben. Hellmann: „Es ist wichtig, dass wir für die Reichweitenentwicklung in die Zielmärkte gehen.“ Nun ja, das mag Erfolg haben, wenn der FC Bayern in fernen Erdteilen aufkreuzt. Aber werden die Araber im Fernsehen künftig die Eintracht sehen wollen an den Bundesliga-Spieltagen? Klingt nach einem sehr optimistisch angelegten Projekt.

Anzeige

Meine Sitznachbarin im Flieger, eine Geschäftsfrau aus der Schweiz, hat mir erklärt, die deutsche Fußballmarke schlafe auf diesem Gebiet. Ganz ehrlich: Wenn Wirtschaftsleute, die von dieser Sportart angefixt sind, aber wenig davon verstehen und umso überzeugter davon erzählen, dann ist das wenig spannend, schon gar nicht unterhaltsam. Ich habe irgendwann nur noch müde genickt, dann habe ich mich leicht unhöflich in das Bordmagazin vertieft. Und danach in die Shop-Angebote. Und ich stelle fest: Meine alte Idee, ein paar Seiten des Katalogs in der Januarausgabe mit Spielerangeboten zu bestücken, ist immer noch nicht umgesetzt worden. Als ob die unzähligen Profiklubs in den Januar-Fliegern ständig neue Rollkoffer kaufen wollten, oder ein Familiy-Trampolin, oder einen extrem leistungsstarken Laubbläser, oder die neueste Version des AEG Silent-Perfomers (ein angeblich total leiser Staubsauger), bunte Kinder-Dreiräder, süßes Parfüm oder ein paar Kisten Rothschild-Rotwein aus Chile. Nein, die Profiklubs brauchen im Winter neue Kicker. Und wer wirtschaftlich etwas schwach auf der Brust ist, der könnte dann auch neue Stars und Sternchen mit der Miles&More-Karte querfinanzieren.

Trainingslager in entspannter Atmosphäre

Die Eintracht und Hannover 96 sind ja besonders aktiv in dieser Winter-Transferperiode. Angst bekommt die Abstiegskampf-Konkurrenz ob dieser diversen Nachverpflichtungen bislang nicht. Meine Geschäftsidee: Über den Wolken in aller Ruhe ein Blick in das Lufthansa-Shopping-Heft, die dort aufgelisteten Transferangebote kurz durchgeackert, mal mit dem Finger über den Handybildschirm gewischt – und ein paar Stunden später steht der neue Torjäger im sonnigen Trainingslagerquartier auf dem Rasen. Und die Manager müssen keine Sorge haben, dass gierige Fußballschreiber davon Wind bekommen.

Die Mainzer müssen sich mit all diesen Themen nicht beschäftigen. Im Süden Spaniens machen die Scheichs nur Urlaub, die Leute hier interessieren sich nicht für die Bundesliga, sondern für Zinedine Zidane als neuer Zirkusdirektor von Real Madrid – und Winter-Zugänge will 05-Chefcoach Martin Schmidt auch nicht haben. Klingt nach einem Trainingslager in entspannter Atmosphäre und bei auch gegen 17 Uhr noch angenehmen Temperaturen. Mehr dazu im Mittwoch-Blog.