Rehberg: Die Geschichte von Miroslav Klose und Igli Tare

Miroslav Klose - Deutschland. Foto: dpa

Die Geschichte von Miroslav Klose, der mit Lazio Rom am Mittwoch am Bruchweg gastiert, kann nicht erzählt werden ohne die Geschichte des albanischen Asylbewerbers Igli Tare,...

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. Am Mittwochabend schlägt Lazio Rom im Bruchwegstadion auf. Die Mannschaft von Trainer Stefano Pioli hat die vergangene Saison in der Serie A als Tabellendritter abgeschlossen. Ein Top-Ergebnis. Denn das ist keine Weltauswahl, in der sich die Stars die Türklinke in die Hand drücken. Einen internationalen Helden hat der Klub, und der schießt nun schon seit vier Jahren regelmäßig seine Tore: Miroslav Klose, der deutsche Weltmeister, der im Juni 37 Jahre alt geworden ist.

Bevor wir auf Klose kommen, gilt es eine andere Geschichte zu erzählen, die damit zu tun hat, warum der deutsche Torjäger im Herbst seiner Karriere bei Lazio gelandet ist (nicht nur deshalb, aber davon stark beeinflusst…). Es ist die Geschichte von Igli Tare, dem Sportdirektor der Römer.

1992 hatte Tare als 17-Jähriger sein Heimatland Albanien verlassen. 800 Mark hatte er zahlen müssen an eine Schlepperbande, die ihn und eine Gruppe anderer junger Männer zu Fuß durch meterhoch verschneite Wälder nach Deutschland schaffte. Tare, der schon mit 15 ein paar Erstligaspiele für Partizani Tirana absolviert hatte und mit 16 schon U21-Nationalspieler war, landete in Ludwigshafen. In einem Asylheim am Rheinhafen. Er bekam zügig einen Job zugewiesen, vom Grünamt, städtische Beete harken.

Beim Sozialamt war Walter Pradt beschäftigt, der ehemalige Profi-Torhüter vom SV Waldhof Mannheim. Tare erzählte dem städtischen Angestellten, er sei ein recht talentierter Fußballer. Pradt, damals Trainer beim Oberligisten Südwest Ludwigshafen, gab dem 1,92 Meter großen Schlaks eine Chance. Tare wies sein Talent nach. Aber er fühlte sich nicht wohl in dieser Mannschaft, die den Asylanten nicht eben herzlich aufnahm.

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"Darf denn jeder hier mittrainieren?"

Tare wechselte zum VfR Mannheim. Irgendwann bekam er ein Probetraining beim Karlsruher SC. Dort empfing ihn in der Kabine der junge Thomas Häßler mit den Worten: "Darf hier denn jeder mittrainieren?" Trainer Winnie Schäfer konnte mit dem jungen Mittelstürmer auch nicht viel anfangen. Tare zog weiter zu Fortuna Düsseldorf. Zweite Liga. 13 Tore in der ersten Saison, 11 Tore in der zweiten. Das brachte dem Albaner im Sommer 1999 einen Vertrag beim 1.FC Kaiserslautern ein. Der Trainer dort hieß Otto Rehhagel. Und der hatte gerade einen anderen jungen Mittelstürmer von den Amateuren in den Profikader hochgezogen: Miroslav Klose, der Spätaussiedler aus dem polnischen Oberschlesien, der in Deutschland bei der SG Blaubach-Diedelkopf angefangen hat.

Tare (immerhin 22 Einsätze, oft der Einwechsler, vier Tore) und Klose (zwei Einsätze) blieben in Lautern Randfiguren in jener Saison 1999/2000. Die Offensivstars hießen Olaf Marschall und Youri Djorkaeff. In der Spielzeit darauf schoss Klose dann schon neun Tore in der Bundesliga. Tare war nur noch Reservist. Und wechselte in der Winterpause nach: Italien.

167 Spiele hat Igli Tare danach absolviert in der Serie A, 26 Tore hat er geschossen für Brescia Calcio, den FC Bologna und: Lazio Rom - dort als Zuspieler für den jungen mazedonischen Torjäger Goran Pandev (später Champions-League-Sieger mit Inter Mailand). Und nach seiner Spielerkarriere hat sich Tare nach oben gearbeitet, bei Lazio, vom Teammanager zum Sportdirektor. In seiner ersten Saison als Transferverantwortlicher gewann er 2009 mit seinem Klub den italienischen Pokal. Und 2011 holte Tare seinen damals einzigen Kumpel in der Pfalz nach Rom - der einstige Asylsuchende und der einstige Spätaussiedler gemeinsam in der "ewigen Stadt".

Miroslav Klose wurde der Nachfolger großer Lazio-Torjäger wie Silvio Piola, Giorgio Chinaglia, Giuseppe Signori, Simone Inzaghi, Roberto Mancini, Christian Vieri, Hernan Crespo, Goran Pandev oder auch Karl-Heinz Riedle. Kloses Bilanz bei Lazio Rom: 27 Spiele/12 Tore (2011/12), 29/15 (2012/13), 25/7 (2013/14), 34/13 (2014/15). 2013 gewann Lazio mit dem deutschen Mittelstürmer erneut den Pokal, nach einem 1:0-Sieg im Finale gegen den Stadtrivalen AS Rom.

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Beim Sportdirektor Tare hängt auch ein Klose-Bild

Im Büro des immer elegant gekleideten Sportdirektors Igli Tare auf dem Lazio-Gelände in Formello 40 Kilometer nördlich von Rom hängt heute der Adler (das Wappentier des Klubs) an der Wand - und: ein Bild von Miroslav Klose. Übrigens: Sein erstes von 71 Länderspieltoren erzielte Klose 2002, es war der 2:1-Siegtreffer eines jungen Einwechselspielers in der 88. Minute im WM-Qualifikationsspiel in Leverkusen gegen: Albanien - mit dem staksigen Igli Tare von Brescia Calcio im Sturmzentrum.

Mit Werder Bremen (2004 bis 2007) und dem FC Bayern (2007 bis 2011) hat Klose schon Bundesligaspiele bestritten am Bruchweg. Nun tritt er mit Lazio Rom an in dieser alten Mainzer Fußball-Gedenkstätte. Da steht am Mittwochabend der WM-Rekordtorschütze auf dem Platz, der im deutschen Feiersommer 2014 mit seinem Treffer zum 2:0 beim legendären 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien den großen, weinend auf der Tribüne sitzenden Ronaldo übertrumpft hat. Ein nettes Testspiel für die 05er.

Zunehmend härterer Kampf um Stammplatz

Experten gehen davon aus, dass Klose in der kommenden Saison immer härter um einen Stammplatz wird kämpfen müssen. Als Mittelstürmer ist auch der Serbe Filip Dordevic (28) eine Nummer, der viele Jahre in Frankreich beim FC Nantes getroffen und in der Vorsaison an der Seite von Klose auch schon acht Treffer eingebracht hat. Und nun hat Tare noch von Ajax Amsterdam den 20 Jahre alten Holländer Ricardo Kishna verpflichtet, 1,87 Meter groß, schnell, kopfballstark, schussstark. Und auch dem 22 Jahre alten Ballé Diao Keita, ein in Spanien geborener Senegalese, den Tare schon 2011 von den A-Junioren des FC Barcelona geholt hatte, wird der endgültige Durchbruch zugetraut.

Bekannte Namen aus der Bundesliga? Da bleibt nur Linksverteidiger Edson Braafheid, der mal beim FC Bayern und in Hoffenheim überhaupt nicht glücklich wurde.