Rehberg: Die "Clubberer" werden Abwehrwall aufschütten

Roger Prinzen mit der Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Foto: dpa

Das drittletzte Saisonspiel für Mainz 05 wird ein anderes als bis zu Wochenbeginn zu erwarten war. Mit dem Trainerwechsel wird der 1. FC Nürnberg auch seine Herangehensweise...

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. Der 1. FC Nürnberg kommt drei Spieltage vor Saisonende im wild tobenden Abstiegskampf mit einem neuen Trainer in die Coface Arena. Der eigenwillige Holländer Gertjan Verbeek ist ersetzt worden. Durch Roger Prinzen, den U23-Coach der "Clubberer". Roger Prinzen. Da lohnt zunächst mal ein Blick ins Archiv. Prinzen am Bruchweg. Da gibt es zwei interessante Geschichten. Ältere Bruchweggänger werden sich daran erinnern.

Teil eins ereignete sich in der Zweitligasaison 1988/89. Der Aufsteiger FSV Mainz 05 empfing am 18. Spieltag als Tabellenfünfzehnter den Vorletzten SV Darmstadt 98. Die Mannschaft von Trainer Horst Hülß bot vor 4.100 Zuschauern eine spielerische starke Vorstellung, bis kurz vor Schluss stand es 1:1, dann traf der junge Lilien-Vorstopper Roger Prinzen zum 1:2. Die 05er rutschten auf einen Abstiegsplatz ab in der 20er-Liga - und kamen da nicht mehr weg. Die Darmstädter marschierten ab diesem Tag ins gesicherte Mittelfeld.

Kuhnerts Kopfball zum 2:2

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Teil zwei passierte am ersten Spieltag 1995/96. Ein denkwürdiges Heimspiel gegen Hannover 96 unter Trainer Horst Franz. Thomas Ziemer erzielte das 1:0. Die Gäste, angetreten mit dem späteren 05-Profi Christof Babatz, glichen aus. In der 52. Minute unterlief 05-Torhüter Stephan Kuhnert eine Flanke, der Ex-Darmstädter Roger Prinzen traf zum 1:2. Dann kam die 90. Minute. Eckball. Kuhnert stürmte nach vorne. Torsten Lieberknecht trat die Kugel in den Strafraum - Kuhnert übersprang die gegnerische Abwehr um den Hünen Prinzen und wuchtete die Kugel mit einem lehrbuchreifen Kopfball zum 2:2 in den Winkel. Riesenjubel unter den 4.500 Zuschauern. Der Haken an der Sache: Ziemer stand damals nicht auf der Spielberechtigungsliste, die Partie wurde von der DFB-Gerichtsbarkeit mit 0:2 gegen die 05er gewertet. Und danach? Nach einem 0:2 am 7. Spieltag zu Hause - gegen den 1.FC Nürnberg - wurde der bis dahin sieglose Franz entlassen; zwei Wochen später übernahm Wolfgang Frank den Tabellenletzten und leitete die legendäre Nichtabstiegsmission ein.

Übrigens: Beim "Club" spielte 1995 am Bruchweg im Mittelfeld Michael Wiesinger, das ist jener heutige Trainer, den die Nürnberger im Oktober 2013 entlassen haben. Das folgende Spiel bei der Frankfurter Eintracht, und damit als unmittelbarer Vorgänger von Verbeek, verantwortete: Roger Prinzen, der U23-Coach, der an diesem Samstag in Mainz seinen zweiten Einsatz als Profitrainer hat. Und damit wären wir wieder in der Aktualität. Verbeek stand für einen technisch und taktisch auf Offensive angelegten Ballbesitzfußball. Diese Spielweise können wir zu den Akten legen. Prinzen holte im Oktober das 1:1 bei der Eintracht mit einem Defensivkonzept, flaches 4-4-2, Tiefenstaffelung in einer engen Blockstellung mit viel kampfstarkem Abwehrpersonal, gelegentliche Konter. Torjäger Josip Drmic nutzte an jenem 9. Spieltag eine der wenigen Chancen der Nürnberger vier Minuten vor dem Abpfiff zum glücklichen Ausgleich.

Nach dem 1:1 alle nach vorne

Nicht viel anders wird der "Club" die Partie in der Coface Arena bestreiten, davon darf man ausgehen. Im jüngsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen hatte auch Verbeek das versucht, doch beim Pausenstand von 1:1 jagte der Offensivfanatiker seine Elf wieder nach vorne. Endstand: 1:4. Verbeeks Ende nach acht sieglosen Partien binnen neun Spieltagen. Die 05er werden auf dem Weg in die Europaliga gegen das Prinzen-Team einen Abwehrwall zu knacken haben.

Eine wichtige Rolle im defensiven Mittelfeld der Nürnberger wird wohl Hanno Balitsch einnehmen, der 2004/05 mal eine Rückrunde für die 05er in der Bundesliga gespielt hat. Balitsch kam mit Jürgen Klopp nicht klar, er bemängelte damals beim 05-Coach eine sektenartige Menschenführung. Der unbequeme 33-Jährige war von Wiesinger in die U23 des "Clubs" verbannt worden, aber Verbeek hatte den Routinier wieder zurückgeholt.

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Offensivtalent aus Spanien

Ein interessanter Mann ist auch der junge Spielmacher José Campana. Der feierte sein Profidebüt 2011 im Trikot des FC Sevilla in einem Europaliga-Spiel gegen Hannover 96. 2013 wechselte der Ende Mai gerade mal 21 Jahre alt werdende Spanier für zwei Millionen Ablöse zum englischen Erstligaaufsteiger Crystel Palace. Vier Einsätze mit zwei Torvorlagen, danach Bank und Tribüne. Im Winter lieh der "Club" das Offensivtalent, das mit Spanien 2011 und 2012 (als Kapitän) U19-Europameister war, aus. Verbeek förderte den Techniker zuletzt. Sollte Prinzen sein Team nicht im flachen 4-4-2, sondern im 4-2-3-1 antreten lassen, dann wird Campana möglicherweise im Team bleiben, als spielstarker Umschaltzehner.

Der Star der Nürnberger ist natürlich Josip Drmic, der junge Schweizer Nationalstürmer, der in 29 Bundesligaspielen stattliche 16 Tore geschossen hat und mittlerweile von europäischen Spitzenklubs umworben wird. Seitdem Daniel Ginczek mit einem Kreuzbandriss ausfällt, den schnellen Mittelstürmer hätten auch die 05er gerne gehabt im vergangenen Sommer, fehlt Drmic allerdings die Unterstützung im Angriff. Wer ebenfalls fehlt als Persönlichkeit und als Antreiber, das ist der verletzte Ex-Frankfurter Timothy Chandler. Sollten die Nürnberger absteigen, könnte der schnelle Rechtsverteidiger womöglich ein interessanter Mann für die 05er werden, als Nachfolger von Zdenek Pospech.