Rehberg: Die 05-Konkurrenten im Rhein-Main-Gebiet - Heute:...

Eintracht-Trainer Armin Veh. Foto: dpa

Mit der Frankfurter Eintracht und dem SV Darmstadt 98 haben die 05er in der kommenden Saison wieder zwei Konkurrenten im Rhein-Main-Gebiet. Eine interessante Konstellation. Was...

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. Mit der Frankfurter Eintracht und dem SV Darmstadt 98 haben die 05er in der kommenden Saison wieder zwei Konkurrenten im Rhein-Main-Gebiet. Eine interessante Konstellation: Ein großer Traditionsklub, der sich immer in Europapokalnähe wähnt, ein etwas kleinerer Bundesligist, der sich im Mittelbau der Liga etabliert hat und sich dort auch in seiner zehnten Bundesligasaison in der Klubgeschichte wohl fühlt und dazu ein Sensationsaufsteiger, der mit seiner Kluborganisation und Infrastruktur 20 Jahre hinterherhinkt.

Was tut sich bei den 05-Lokalkonkurrenten? Schauen wir heute auf die Eintracht. Zwei Plätze und drei Punkte waren die Frankfurter in der vergangenen Spielzeit besser als die Mainzer. Man könnte urteilen: Augenhöhe, Normalität. Doch in der Bankenmetropole werden die Ansprüche immer etwas höher gehängt. Die Diskussionen in der Stadt gingen eher in die Richtung, dass mit etwas Glück und Geschick auch ein internationaler Rang hätte herausspringen können - bei lediglich drei Zählern Rückstand auf den Europaliga-Teilnehmer Borussia Dortmund. Verhindert haben soll das der nie akzeptierte Trainer Thomas Schaaf, der diese Mannschaft in der Auswärtstabelle auf den letzten Platz geführt hat - und da seien die Punkte flöten gegangen.

Ein paar wenige Millionen mehr als die 05er hat die Eintracht immer noch übrig für ihren Personaletat. Doch daran macht sich nicht zwangsläufig ein qualitativer Unterschied fest. Jede Saison hat ihre Überraschungsmannschaft. Das war diesmal der FC Augsburg, in der Saison davor waren es die Mainzer, in der Saison davor waren es die Frankfurter. Nachhaltig funktioniert das nicht mit den jeweiligen wirtschaftlichen Voraussetzungen. Am Bruchweg wird das akzeptiert. In Frankfurt wird immer wieder neu die Europapokalplatte aufgelegt. Alles darunter wird am Saisonende eingestuft als: Enttäuschung - mal lauter, mal leiser.

Messias Veh

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Dabei fehlt der Eintracht die sportliche Konstanz, um das Endziel "Top-Sechs" zu propagieren. Schauen wir auf die vergangenen Jahre. 2009/10: 10. mit 42 Punkten. 2010/11: Abstieg mit 36 Punkten. 2011/12: Wiederaufstieg. 2012/13: 6. mit 51 Punkten, der Ausreißer. 2013/14: 13. mit 36 Punkten. 2014/15: 9. mit 43 Punkten. Wer will da eine Entwicklung herauslesen, die ins obere Tabellendrittel weist?

Thomas Schaaf ist nicht mehr. Der Sinkflug des spröden Langzeit-Bremers bis hin zum freiwilligen Abgang war begleitet von Mobbing aus der Mannschaft und aus dem Verein. Da hat auch die gespaltene Klubführung keinen guten Eindruck hinterlassen.

Und dann wurde der Mann zurück geholt, der 2013 den Europapokal-Ausreißer geschafft hat, dem dann aber im Frühjahr 2014 die Möglichkeiten und Ziele der Eintracht nicht mehr genügt haben, der stattdessen den VfB Stuttgart beehrte und dort nach 12 (enttäuschenden) Spieltagen schon wieder flüchtete: Armin Veh. Das ist ein cooler Typ, sehr eigenwillig, sehr unabhängig, sehr selbstbewusst, sehr unterhaltsam, mal mehr, mal weniger erfolgreich in seiner langen Trainerkarriere, dabei aber immer geachtet als Fachmann. In Frankfurt steht Veh, der sich mit Manager Bruno Hübner glänzend versteht und der mit dem Aufsichtsratsboss Heribert Bruchhagen, ein Brutalorealist, ebenso gerne streitet wie feiert, im Range eines Messias. Aber produziert alleine das schon wieder eine Europapokal-Tendenz?

Personeller Erneuerungsprozess

Personell steckt die Eintracht mitten in einem interessanten Erneuerungsprozess. Da ist mit Heinz Lindner (24) ein Torhüter gekommen, der bei Austria Wien eine Nummer war, der aber keine große Saison hinter sich hat. Da ist mit Luc Castaignos (22) ein antrittsschneller und kopfballstarker Mittelstürmer gekommen, der aber beim FC Twente Enschede in der Rückrunde nur noch ein einziges Tor geschossen hat. Beide Spieler sind jung, beide können eine positive Entwicklung vor sich haben. Verstärkungen, die das Team verlässlich auf ein höheres Niveau heben? Nicht auf den ersten Blick. Zumal Heinz Lindner ja wahrscheinlich den Topkeeper Kevin Trapp ersetzen muss…

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Im Defensivzentrum sollte sich mehr Stabilität anbahnen. Stefan Reinartz (26), von Bayer Leverkusen gekommen, ist als Mittelfeldsechser und auch als möglicher Innenverteidiger ein laufstarker und im Stellungsspiel intelligenter Arbeiter mit einer soliden Technik und einer kämpferischen Einstellung. Für die Abwehrmitte hat die Eintracht heute zusätzlich David Abraham (28) von der TSG Hoffenheim verpflichtet. Der Argentinier mit italienischem Pass spielte von 2008 bis 2012 beim FC Basel, dort war der aggressive Hüne hinten der Chef. In seinen dreieinhalb Jahren in Hoffenheim hat Abraham diesen Status nie erreicht, auch wegen seiner nicht überragenden Qualität in der Spieleröffnung. In der vergangenen Saison hatte der 1,87 Meter große Innenverteidiger nur noch neun Startelfeinsätze (plus fünf Einwechslungen). Mag sein, dass der Routinier in einem neuen Umfeld, mit einem neuen Trainer und an der Seite des "verrückten Peruaners" Carlos Zambrano noch mal aufblüht.

Für größere Transfers fehlen der Eintracht die großen Scheine. Deshalb würde der Klub ganz gerne noch die zehn Millionen Euro Ablöse einstecken für Torhüter Kevin Trapp, der nach wie vor mit dem Scheichklub Paris St. Germain verhandelt. Das wäre der erste Frankfurter Verkauf seit vielen Jahren, der mal mehr als drei, vier Millionen in die Kasse spült. Auf dem Gebiet "Transferüberschuss" hat die Eintracht seit einiger Zeit deutlich Rückstand in der Liga. Leistungsträger wie Patrick Ochs, Sebastian Jung oder Pirmin Schwegler verließen die Eintracht in den vergangenen Jahren vergleichsweise preiswert, Sebastian Rode schaffte den Sprung zum FC Bayern sogar ablösefrei. Die Nachfolger auf den entsprechenden Positionen kosteten nicht viel weniger - aber die gehobene Qualität der Abgänger erreichten die Neuen nur selten. Sollte der Trapp-Wechsel über die Bühne gehen, dann wird die Eintracht sicher noch Nachschlag holen auf dem Markt.

Wieder Kombinationsfußball

Armin Veh will den physisch geprägten Stil von Schaaf wieder verändern in Richtung Kombinationsfußball mit schnellen Flachpasspassagen und mit Tempoattacken über die Flügel. Dafür fehlt im Kader wohl noch ein defensiv solider und auch spielerisch guter Rechtsverteidiger. Und einen im Passspiel kreativen Zehner könnte Veh auch noch auf den Einkaufszettel gesetzt haben. Vielleicht auch noch einen schnellen und zielstrebigen Linksaußen.

Für Saisonprognosen ist es noch zu früh. Eines ahnen wir: Verliert die Eintracht ihr Startspiel in Wolfsburg, dann läuten umgehend die Abstiegskampfglocken, gelingt ein Erfolg, dann wehen in Frankfurt sofort die Europapokalfahnen.