Rehberg: Der Schalker "Retro-Kurs" im Abstiegskampf

Huub Stevens. Foto: dpa

Die komplette Führungsmannschaft ausgetauscht hat inzwischen der FC Schalke 04. Kulttrainer Huub Stevens steht im Tabellenkeller vor einer Mammutaufgabe.

Anzeige

. Für den FC Schalke 04 wird es im Souterrain der Bundesliga immer enger. Die angeschlagenen Knappen haben inzwischen die komplette sportliche Führung ausgetauscht. Nun soll es sich wieder nach Revierklub anfühlen. Cheftrainer Huub Stevens, Co-Trainer Mike Büskens und Teammanager Gerald Asamoah sollen wieder die Malocher-Mentalität mobilisieren. Ein Retro-Kurs.

Auf die "Eurofighter setzen

Der neue Sportvorstand Jochen Schneider, der beim VfB Stuttgart einst in der zweiten Planungsreihe beteiligt war am Titelgewinn 2007, der zuletzt aber bei RB Leipzig mit Kaderbildung gar nicht beschäftigt war, setzt auf die Generation „Eurofighter“. Die 1996 den Uefa-Pokal gewonnen hat. Der Baumeister war damals Hubertus Jozef Margareta Stevens. Der gelernte Schlosser predigte die 0 in der Abwehr, Disziplin und Teamgeist. Nicht viel anders gedacht und gehandelt hat zuletzt Domenico Tedesco, der Mann, der S04 in diese bedrohliche Lage manövriert hat.

Viele Experten sind der Meinung, Tedesco sei nicht an seinem Konzept gescheitert, sondern an einem Kader, der zerbröselt sei in rivalisierende Gruppen plus auf eigene Rechnung arbeitende Einzelgänger. Da wurde die Charakterfrage gestellt. Zum Start von Stevens, beim 0:1 zu Hause gegen RB Leipzig, war dann plötzlich eine Mannschaft auf dem Platz zu sehen, die leidenschaftlich und geschlossen um ein gutes Ergebnis gerungen hat. „Söldner aussortieren“, forderten die Fans auf einem großen Transparent. Stevens muss den Abstiegskampf bestehen mit genau diesen Spielern. Der 65-Jährige, der mit dem Trainerberuf vermeintlich unwiderrufbar abgeschlossen hatte wegen Herzproblemen, hat gar keine andere Wahl.

Anzeige

Ritt auf der Rasierklinge

Für S04 ist das ein Ritt auf der Rasierklinge. Jochen Schneider will für die anstehenden Personalentscheidungen noch einen Sportdirektor und einen Technischen Direktor einstellen. Da wird keine Ruhe einkehren. Und die Profis, die grundsätzlich genug Qualität haben, um in der oberen Tabellenhälfte mitzumischen, haben ein Alibi: Die Misere zu verantworten haben der ehemalige Manager Christian Heidel und der ehemalige Trainer Tedesco - beheben müssen das Übel Stevens, Büskens und Asamoah.

Gerald Asamoah bekundete nach dem Leipzig-Spiel, er spreche mit bei der Aufstellung. Der Teammanager. Befremdlich. Wer das öffentlich macht, der muss damit rechnen, dass es demnächst heißt, auf Schalke wird der aus der Rente zurückberufene Cheftrainer beeinflusst von einem Debattiergremium. Zu dem auch noch Seppo Eichkorn gehören soll. Der für ein paar Wochen als erfahrener Co-Trainer den jungen Tedesco unterstützt hat, der jetzt aber zum Chefscout „befördert“ worden ist.

Nach der Länderspielpause treten die Schalker beim Vorletzten Hannover 96 an. Dort hat der Trainerwechsel gar nichts gebracht. Thomas Doll hat von seinen sieben Spielen sechs verloren. In Hannover hat man ein „Endspiel“ ausgerufen bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und neun Punkten Rückstand auf die - den ersten Nichtabstiegsplatz besetzenden - Schalker. Die Eurofighter stehen auf dem Prüfstand. Die glorreiche Vergangenheit wird dabei wenig helfen.