Rehberg: Der HSV kommt mit Beiersdorfer zum Seeler-Enkel

Kommt am Samstag nach Mainz: Dietmar Beiersdorfer

Mit Delegationsleiter Dietmar Beiersdorfer kommt der HSV am Wochenende zum 1. FSV Mainz 05. Dort tritt die Mannschaft von Markus Gisdol an, die zuletzt mit starken Auftritten...

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. Der berühmteste Fußballer des Hamburger SV heißt Uwe Seeler. Wenn einer das Vereinswappen, die oft zitierte blau-weiß-schwarze Raute, im Herzen trägt, dann ist das diese Torjägerlegende. Der Sage nach soll der Kämpfer unter einem Kopfballpendel auf die Welt gekommen sein. Kürzlich hat Seeler, das war am Tag des 2:5 im Heimspiel gegen Borussia Dortmund, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Bei bester Gesundheit. Uwe Seelers Enkel spielt in Mainz. Levin Öztunali. Am Samstag kommt der HSV, bei dem der 05-Stürmer in der Nachwuchsabteilung ausgebildet worden ist, in die Opel Arena. Seeler ist so sehr HSVer, dass man annehmen darf, dass der Vize-Weltmeister von 1966 seinem Klub mehr die Daumen drückt als dem Sohn seiner Tochter. Wahrscheinlich wird der Opa seinem überaus talentierten 20 Jahre alten Enkel drei Tore wünschen - aber dem HSV einen dreckigen 4:3-Sieg.

Ob Uwe Seeler nach Mainz anreist, das wissen wir nicht. Heribert Bruchhagen wird nicht da sein. Der am Mittwochvormittag vorgestellte neue Vorstandsboss des HSV hat noch Verpflichtungen zu erledigen. Bei seinem bisherigen Arbeitspartner „Sky“. Der Klub wird in der Opel Arena auch nicht vertreten von Karl Gernandt. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende, der engste Vertraute von Mäzen Klaus-Michael Kühne, ist am Wochenende zurückgetreten. Angeblich wegen Indiskretionen rund um die Anwerbung von Bruchhagen. Zuvor hatte Gernandt noch Gespräche geführt mit Horst Heldt; da ging es um die Neubesetzung des verwaisten Sportdirektorenpostens.

Beiersdorfer als Delegationsleiter beim HSV

Der Hamburger Delegationsleiter in Mainz heißt: Dietmar Beiersdorfer. Den hat der Kurzzeitrentner Bruchhagen gerade beerbt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Beiersdorfer wird auch zum 31. Dezember das Fußballunternehmen Hamburger SV verlassen. Aber bis dahin fungiert Beiersdorfer noch als Vorstandsmitglied. Und in dieser Funktion soll der in Personalfragen glücklose Macher seinen Nachfolger Bruchhagen bis Ende des Jahres unterstützen - bei der Anbahnung der anstehenden Winter-Transfers. Alles verstehen muss man nicht, was da so passiert bei diesem ruhmreichen Traditionsklub. Der in diesem Jahrzehnt nur einmal kurz Spaß hatte. Als die für diesen Verein startenden Laura Ludwig und Kira Walkenhorst im Sommer 2016 in Rio Olympiasieger wurden. Da ging es um: Beachvolleyball.

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Lassen wir das. Die unzähligen Trainerwechsel, die Entlassungen von Sportdirektoren, die Streitereien und Rücktritte auf der Führungsebene, all die merkwürdigen öffentlichen Auftritte des im Prinzip fachkundigen und seriös arbeitenden Beiersdorfer, die skurrilen Einlassungen des Mehrheitsgesellschafters Kühne und die seiner externen Berater, die oft genug sinnlos verbratenen Geldzuwendungen dieses eigenwilligen 79-jährigen Mäzens, der Schuldenstand von 90 Millionen, die diversen Fan-Anleihen (mit denen Finanzlöcher gestopft werden). Wo sollte man da anfangen? Das ist auch alles bis ins Essgefach diskutiert. Der HSV ist seit drei, vier Jahren eines der Topthemen in der deutschen Medienlandschaft.

05er lesen zu wenig Punkte auf

An diesem 15. Spieltag geht es in der Opel Arena um etwas anderes. Die 05er erwischen den sportlich katastrophal in die Saison gestarteten HSV in einer Phase, in der die Mainzer gerade wenig Punkte vom Boden auflesen, der Gegner aber gerade einen Stabilisierungsprozess erlebt. Zu Beginn dieser Spielzeit war der HSV Fallobst. Zehn Spiele: kein Sieg, sieben Niederlagen – mickrige vier Tore in der Offensivstatistik. Selbst die schlechteste Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga, Tasmania Berlin (1965/66 Absteiger mit 8:60 Punkten), hatte nach zehn Spieltagen ein knapp besseres Zwischenergebnis aufzuweisen.

Und nun schlägt der HSV plötzlich mit breiter Brust in Mainz auf: 2:2 in Hoffenheim, 2:2 im Derby gegen Werder Bremen, 2:0 in Darmstadt, 1:0 gegen den FC Augsburg. Vier Spiele ohne Niederlage, zwei Siege, insgesamt sieben Tore geschossen, zwei Spiele hintereinander ohne Gegentreffer gestaltet. Die Basis: Die Lauf- und Sprintwerte dieses Teams sind nach oben geschossen. Wir nehmen zur Kenntnis: Markus Gisdol, der Ende September Bruno Labbadia beerbt hat und der zunächst auch nichts auf die Kette bekommen hat, stellt in der Opel Arena eine wehrhafte Elf auf den Rasen. Der Trainer hat mit seiner über Monate desolat auftretenden Mannschaft die Kurve bekommen.

Gisdol hat jeden Stein umgedreht

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Gisdol hat in seinem Denken und Tun jeden Stein umgedreht. Den Mittelfeldmalocher Gideon Jung (22) hat er zum Innenverteidiger umfunktioniert. Den Rechtsverteidiger Gotoku Sakai (25) hat er zum Kapitän ernannt und ins Mittelfeldzentrum beordert - als Nebenmann des bisherigen Linksverteidigers Matthias Ostrzolek (26). Dem bisherigen Sechser Lewis Holtby (26) hat er wieder die Zehnerposition anvertraut. Und der groß gewachsene offensive Mittelfeldspieler Michael Gregoritsch (22) schießt jetzt als Mittelstürmer entscheidende Tore. Gegen die 05er wird Gisdol seine in vier Spielen ungeschlagene neue Formation allerdings umbauen müssen: Der Ex-05er Holtby hat sich gegen den FC Augsburg nach einer Tätlichkeit an Dominic Kohr die Rote Karte eingehandelt – und Innenverteidiger Johan Djourou (28) ist gesperrt wegen der fünften Gelben Karte. Die wahrscheinliche Lösung: Routinier Emir Spahic (36) rückt ins Deckungszentrum, der schlaksige Techniker Gregoritsch läuft als Zehner auf und der amerikanische Nationalspieler Bobby Wood (24) kommt in die Startelf als antrittsschneller Stoßstürmer. Was die 05er dagegen anzetteln können, das lesen Sie im Freitagblog.