Rehberg: Das ist der Euro League-Gegner des FSV Mainz 05

Stürmer Robert Beric (links), Verteidiger Loic Perrin und Mittelfeldspieler Ole Selnaes (rechts) feiern das Ausgleichstor im Spiel gegen Paris Saint German. Foto: dpa

Noch zwei Tage. Dann gastiert der AS Saint-Étienne zum Europa League-Auftakt in der Mainzer Opel Arena. AZ-Kolumnist Reinhard Rehberg stellt den Gegner der 05er vor.

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. AS Saint-Étienne: Assocation Sportive de Saint-Étienne Loire, kurz genannt ASSE. Der Auftaktgegner der 05er in der Euroleague. Aktuell kein Knaller. Historisch betrachtet aber ein Seriensieger in Frankreich. Die Meisterziffern: 1957, 64, 67, 68, 69, 70, 74, 75, 76 und 81. Eine Glanzzeit. Die mittelfranzösische Industriestadt war das Zentrum französischer Fußballkunst. Wer sich damit auskennt? Der FC Bayern München. Der traf im Europapokal der Landesmeister (Vorgänger der Champions League) 1969/70 erstmals auf St-Étienne. Nettes 2:0. Im Rückspiel folgte für die Elf von Trainer Branco Zebec der Schock: 0:3 im Stade Geoffrey-Guichard – das Aus in der Vorrunde.

Zweite Station. 1974/75, Halbfinale im Europapokal der Landesmeister: Die Bayern ermauerten in St-Etienne ein 0:0, im Rückspiel gewann der Titelverteidiger mit 2:0. Im Finale im Pariser Stadion „Parc des Princes“ holte sich das Team von Dettmar Cramer nach einem 2:0 gegen den englischen Meister Leeds United (Tore: Franz Roth und Gerd Müller) zum zweiten Mal hintereinander den Henkelpott.

Extrem harter und spielstarker Gegner

Dritte Station. 1975/76, Finale in Glasgow vor 55.000 Zuschauern im legendären Hampdon Park: Die Bayern mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Hans-Georg Schwarzenbeck, Franz Roth, Jupp Kapellmann, Bernd Dürnberger, Gerd Müller, Uli Hoeneß und dem noch ganz jungen Karl-Heinz Rummenigge schafften den Titel-Hattrick nach einem glücklichen 1:0-Sieg gegen AS Saint-Étienne. „Bulle“ Roth schoss in seinem vierten Europapokalfinale sein drittes entscheidendes Tor. Die Franzosen, die einmal an der Lattenunterkante und einmal am Innenpfosten scheiterten, waren ein extrem harter und spielstarker Gegner.

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Der jugoslawische Nationaltorwart Ivan Curkovic war damals einer der Besten seines Fachs in Europa. Die Innenverteidigung mit dem knochenharten argentinischen Stopper Oswaldo Piazza und dem eleganten französischen National-Libero Christian Lopez stand glänzend. Im Mittelfeld regierte Spielmacher Jaques Santini (der spätere Nationaltrainer), die Brüder und Klubidole Hervé und Patrick Revelli kurbelten an, Jean-Michel Larque war einer der besten Torjäger in jenem Wettbewerb. Und der eingewechselte junge Stürmer Dominique Rocheteau, später ein Star, hätte beinahe noch den Ausgleich geschafft kurz vor Schluss.

Exzellenten Nachwuchsarbeit und Kontinuität auf dem Trainerposten

Das waren die ganz großen Zeiten der ASSE. Für die später noch Stars wie Michel Platini, Johnny Rep, Roger Milla, Laurent Blanc, Patrick Battiston, Willy Sagnol oder zuletzt Pierre-Emerick Aubameyang gespielt haben. Die Basis neben der durchgehend exzellenten Nachwuchsarbeit war die Kontinuität auf dem Trainerposten: Binnen 40 Jahren benötigte der Klub lediglich vier Trainer. Heute ist der AS St-Étienne wirtschaftlich und sportlich vergleichbar mit den 05ern. Im Vorjahr Rang sechs in der Ligue 1 mit 58 Punkten (bei 20 Mannschaften). Den Einzug in die EL-Gruppenphase schaffte das Team von Trainer Christophe Galtier mit einem 0:0 und 2:1 gegen Beitar Jerusalem. Aktuell steht der Klub nach vier Spieltagen mit fünf Punkten auf dem 12. Tabellenplatz (ein Sieg, zwei Remis, eine Niederlage).

Am vergangenen Freitagabend schaffte die Mannschaft ein überraschendes 1:1 beim noch nicht in Schwung gekommenen Titelfavoriten Paris St. Germain. Der Scheichklub ging nach einem von Lucas verwandelten Foulelfmeter mit 1:0 (67.) in Führung. Sekunden vor dem Abpfiff patzte der deutsche Paris-Torhüter Kevin Trapp: Dem Ex-Eintrachtler flutschte die Kugel aus den Fingern – der eingewechselte baumlange Torjäger Robert Beric drückte ein zum 1:1. Die Gäste verdienten sich den Punktgewinn mit einer gut organisierten, kompakten Defensivleistung und einer klar strukturierten Spielanlage.

Die Stützpfeiler von AS Saint-Étienne

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Wer sind die Stützpfeiler dieser Mannschaft? Torhüter Stephane Rouffier (29) war bei der WM 2014 im französischen Nationalkader der Ersatzmann von Hugo Lloris. Innenverteidiger Florentin Pogba (26), der ältere Bruder von ManU-Millionenstar Paul Pogba, ist eine Bank. Der Hüne wurde in der Jugend ausgebildet bei Celta Vigo, als einstiges Flüchtlingskind hat er sich – im Gegensatz zu seinem Bruder - für die Nationalmannschaft von Guinea entschieden.

Linksverteidiger Loic Perrin (29) trägt seit 2004 das Trikot von „Les Verts“ (die Grünen), der Routinier hat mehr als 250 Ligaspiele stehen für den Klub. Das größte Talent im Mittelfeld ist Ole Selnaes (22); der 1,87 Meter große Linksfuß wurde kürzlich in der norwegischen Nationalmannschaft eingewechselt beim 0:3 im WM-Qualifikationsspiel in Oslo gegen Deutschland. Fabien Lemoine (29), lange für Stade Rennes unterwegs und seit 2011 in St-Étienne, ist ein kleiner und wendiger Techniker, eine Art Spielmacher. Die Tore soll der slowenische Mittelstürmer Robert Beric (25) machen, 1,88 Meter hoch, zuvor sehr treffsicher für Rapid Wien (30 Tore bei 38 Einsätzen), dann für 5,5 Millionen Euro Ablöse gewechselt zu „Les Verts“. Seit einem Kreuzbandriss im November 2015 hatte Beric aber nicht viele Einsätze.

Trainer Christophe Galtier ist 50 Jahre alt. Bis zu seiner Berufung als Chef in St-Étienne im Jahr 2011 war der Ex-Profi immer nur Co-Trainer (in Marseille, in Tessaloniki, in Bastia, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Portsmouth, in Sochaux, in Lyon). 2016 hat er seine Mannschaft in den Europapokal gehievt. Am Donnerstagabend (19 Uhr) tritt der Klub in der Mainzer Opel Arena an.