Rehberg: Das Fußballgeschäft ist wild geworden

Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Foto: dpa

Es ist momentan ein Kommen und Gehen in den oberen beiden Spielklassen in Fußball-Deutschland. Nicht mehr nur die Trainer werden in immer kürzeren Zeitabständen gewechselt,...

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. Der deutsche Profifußball zeigt einen Trend auf. Nicht mehr nur die Trainer werden in immer kürzeren Zeitabständen gewechselt, auch die Manager, Sportdirektoren plus komplette Planungsabteilungen werden im Misserfolg ausgetauscht. Da muss man zuweilen nachdenken, wer da gerade wo in Amt und Würden ist, welche Stellen noch unbesetzt sind – und wer die jeweiligen Vorgänger waren. Da muss man sich inzwischen schon einen Merkzettel schreiben.

Schalke 04, FC Augsburg, VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg. Ein Kommen und Gehen. In der Zweiten Liga: FC St. Pauli, FC Ingolstadt, Darmstadt 98, SV Sandhausen, Dynamo Dresden, MSV Duisburg, SpVgg Greuther Fürth, Arminia Bielefeld. Ein Kommen und Gehen.

In Nürnberg und in St. Pauli war es so, dass die jeweiligen Sportdirektoren in der Diskussion mit ihrem Vorstand/Aufsichtsrat sich geweigert haben, den Trainer zu entlassen. Ergebnis: Von einem Tag auf den anderen sind der strategische Planer/Macher sowie der Übungsleiter weg. Motto der Führungsetage: Sorry, aber in diesem Fall ging das eben nicht anders...

Besonders war der Vorgang in Mönchengladbach. Dort hatte Manager Max Eberl noch Ende November den Vertrag mit Dieter Hecking verlängert. Zwei Monate vor Saisonende wird die Zusammenarbeit mit dem Trainer, der kürzlich im Sportstudio noch freudig davon erzählt hatte, wie toll und konstruktiv die Gespräche mit seinem Manager ablaufen, aufgekündigt. Neue strategische Ausrichtung: Ex-05-Profi Marco Rose beginnt am 1. Juli. Mag sein, dass dies eine ungewöhnliche und unpopuläre, aber sehr starke, mutige, von Überzeugung getragene Entscheidung des sicher nicht unseriösen Eberl ist.

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In Wolfsburg wollten sich Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke und sein in dieser Saison sehr erfolgreicher Trainer Bruno Labbadia zum Thema Zukunft im März zu einem ergebnisoffenen Gespräch treffen. Dazu kam es nicht. Labbadia verlässt den Klub. Die beiden Männer können nicht miteinander. Auch das mag unterm Strich eine kluge Entscheidung sein. Wir dürfen davon ausgehen: Labbadia hatte keine Lust darauf, sich von seinem missmutigen Vorgesetzten im Gespräch auszählen zu lassen.

Krass war die Situation in Augsburg. Da haben die Spieler den Aufstand geprobt. Zunächst Martin Hinteregger. Öffentliche Breitseite gegen den Trainer Manuel Baum. Ergebnis: Der starke Innenverteidiger wurde an die Eintracht verliehen - dort eilt der Österreicher von Erfolg zu Erfolg. Jetzt die nächste Attacke: Jeffrey Gouweleeuw, Leistungsträger in der Abwehr, maulte öffentlich, die taktischen Pläne des Trainers seien nicht tauglich. Daraufhin feuerte Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter nicht nur den Cheftrainer, sondern auch noch den erst vor drei Monaten eingestellten Promi-Co-Trainer Jens Lehmann und den Technischen Direktor (Scoutingchef, Kaderplaner) Stephan Schwarz.

Dass in Augsburg der Eindruck hängen bleibt, dass die Spieler in der Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer den Daumen senken, über die Medien Druck ausüben, das ist gefährlich. Nicht nur für Reuter. Auch für den Nachfolger auf dem Trainerstuhl. Martin Schmidt, der Ex-05er, hat sich emphatisch vorgestellt auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Alles toll in Augsburg, willige Spieler, der große Zusammenhalt, das enge und laute Stadion, das gut riechende Trainingsgras, die nahen Berge, die schönen Cafés und italienischen Restaurants in der Stadt. Eine 45-minütige Eloge auf einen vorbildlichen Standort. An dem allerdings merkwürdige Dinge passieren.

Man könnte nun noch von Schalke erzählen, wo der Altmeister Huub Stevens inzwischen die Journalisten in den Senkel stellt. Oder von Hannover, wo Manager Horst Heldt schon gefeuert worden ist und Thomas Doll nur deshalb bis zum Saisonende den Abstieg verwalten darf, weil sich ein weiterer Trainerwechsel nicht mehr lohnt. Machen wir Schluss damit. Das Fußballgeschäft ist wild geworden.