Rehberg: Causa Funkel - nicht über den Tag hinausgedacht

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. Foto: dpa

Die Fehde zwischen Fortuna Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel und Klubchef Robert Schäfer schadet ausschließlich dem Verein: Blamable Außendarstellung, unabsehbare Folgen....

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. Der Trainer sagt: Entweder, wir reden jetzt und sofort über einen neuen Vertrag - oder überhaupt nicht mehr. Sagt der Klubchef: Alles klar, ist in Ordnung, ich wähle die Option „überhaupt nicht mehr“. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Fehde zwischen Friedhelm Funkel und Robert Schäfer im Kern so begonnen hat. Daraus entstanden ist das Düsseldorfer Kommunikations-Desaster. Kurz vor dem Start des rheinischen Karnevals.

Der große Verlierer in diesem Machtspielchen? Der Verein. Die Außendarstellung ist blamabel. Die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Denn Funkel und der Vorstandsvorsitzende Schäfer werden künftig überhaupt nicht mehr um den besten Weg streiten können. Weil die Aufregungsspirale in der Öffentlichkeit gerade darüber entschieden hat: Der 65 Jahre alte Trainer ist bei der Fortuna der Held, der darf alles – und der 42 Jahre junge Funktionärsschnösel im Nadelstreifenanzug kann froh sei, dass er nach diesem Shitstorm in den nicht immer sonderlich sozialen Medien seinen Job behalten darf. Das ist keine gute Arbeitsgrundlage. Auch nicht für den gerade erst installierten Sportdirektor Lutz Pfannenstiel. Der Weltenbummler und muntere TV-Plauderer, der den in Andalusien ausgefochtenen Streit aus sicherer Entfernung verfolgt hat. Er hatte einen Termin bei der Schneefußball-WM in Arosa.

Funkels „all in“

Der Altmeister Funkel ist ein Vollprofi. Natürlich wollte er zu diesem Zeitpunkt seine überragende Verhandlungsposition ausspielen. Er hat die Fortuna vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahrt, er hat den Aufstieg in die Bundesliga geschafft, er hat in der Hinrunde 2018/19 aus dem vermeintlichen Himmelfahrtskommando eine Erfolgsfahrt gemacht. Er hat bei den Bayern 3:3 gespielt – und am Ende war er der einzige, der dem überlegenen Spitzenreiter Borussia Dortmund eine Niederlage beigebracht hat. Funkel wusste, dass er in diesem Pokerspiel „all in“ gehen kann. Dann hat der clevere Rheinländer öffentlich noch ein paar Tränen verdrückt, den baldigen und unfreiwilligen Eintritt in die Rente angekündigt – und ab diesem Zeitpunkt war Robert Schäfer ein geschlagener und blamierter Mann.

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Der Vorstandsboss, der für sich reklamieren kann, dass er die Fortuna in schwierigen Zeiten strukturell und wirtschaftlich reformiert hat, hätte wissen müssen, dass er in diesem Moment keine guten Karten in der Hand hält. Der schneidige Businessman hätte schon gar nicht aus einer emotionalen Aufwallung heraus und ohne jeden Zeitdruck diese Entscheidung fällen dürfen. Und schon gar nicht hätte er seine Gedanken fern der Heimat auf einer Pressekonferenz den Journalisten zum Fraß vorwerfen dürfen.

Nicht über den Tag hinausgedacht

Da haben zwei nicht ganz uneitle Machtmenschen ihren Klub und Arbeitgeber in die zweite Reihe gestellt. Das jeweilige Ego war stärker als die Vernunft. Beide haben nicht über den Tag hinausgedacht. Funkel hat sich durchgesetzt. Er wird in den nächsten Tagen einen prächtig dotierten neuen Bundesligavertrag unterschreiben. Schäfer wird mit hoch erhobenem Haupt verlautbaren, dass er seinen Fehler heldenhaft korrigiert hat.

Was das Bündnis taugt, das wird sich aber erst zeigen, wenn Funkels mittelmäßig besetzte Mannschaft unrund aus der Winterpause kommen sollte. In diesem Fall wird auch der im Moment gefeierte Trainer spüren, wie wankelmütig Fans sein können. Und dann hat der Klubchef auch wieder ganz schnell den Finger am Abzug.