Rehberg: Braucht der 1. FC Köln einen neuen Impuls? Nicht...

Arbeitet gut und verlässlich, steht aber in der Schusslinie: Peter Stöger, Trainer des 1. FC Köln. Foto: dpa

Die berühmten Automatismen und Mechanismen im Fußballgeschäft. Die sorgen dafür, dass beim 1. FC Köln jetzt doch über den Trainer diskutiert wird. Peter Stöger arbeitet...

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. Die berühmten Automatismen und Mechanismen im Fußballgeschäft. Die sorgen dafür, dass beim 1. FC Köln jetzt doch über den Trainer diskutiert wird. Peter Stöger arbeitet gut und verlässlich, die Spieler glauben ihrem Vordenker (das beteuern durchgehend alle der von den Medienvertretern befragten FC-Profis), die Geißbock-Elf spielt auch nicht schlecht. Aber, in diesem Tenor äußern sich einige der TV-Experten, die Mannschaft benötige eventuell doch einen neuen Impuls. Muss das sein? Nicht zwangsläufig.

Zwei Punkte nach zwölf Spieltagen, noch sieglos, nur vier geschossene Tore. Das ist miserabel. Müssen dafür Trainer und Manager in die Verantwortung genommen werden? Auf jeden Fall. Jörg Schmadtke, der Stratege und Kaderplaner, hat sich bereits verabschiedet. Man sagt, er habe die Verantwortung übernommen für das Desaster. Präziser formuliert: Der Sportdirektor hat eine von zwei Varianten der Übernahme von Verantwortung gewählt, und das war der Rücktritt. Schmadtke hätte auch sagen können: Meine Verantwortung besteht darin, gemeinsam mit dem Cheftrainer die Planungsfehler vom Sommer im kommenden Winter zu korrigieren.

Führungskontinuität ist auch ein hohes Gut

Diese Möglichkeit wird oft unterbewertet. Führungskontinuität in einem von jeher aufgeregten Klub ist auch ein hohes Gut. Sollte der FC irgendwann auch noch Stöger ersetzen, dann sind die Erfolgssäulen aus der Vergangenheit weg – und der Verein steht wieder mal vor einem kompletten Neuanfang.

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Der SC Freiburg hat seinen Trainer im Abstiegskampf nicht gefeuert. Der Absturz in die Zweite Liga ließ sich nicht vermeiden. Christian Streich hat mit dem ebenfalls im Amt gebliebenen Management einen neuen Kader gebaut, sofort den Wiederaufstieg geschafft und direkt den Einzug in die Europaliga gefeiert. Das geht.

Planungsfehler bei Mainz 05

Oder schauen wir auf die Saison 2006/07. Damals sind den Mainzern im Transfersommer 2006 Planungsfehler unterlaufen. Abstieg. Wären Christian Heidel und Jürgen Klopp damals auf die Idee gekommen, die Übernahme von Verantwortung mit Rücktritt zu dokumentieren, dann stünde der Bruchwegklub heute nicht da, wo er steht.

Die 05er verloren damals, nach ihrer zweiten Bundesligasaison, nicht nur einen überragenden Einzelkönner im Angriff – Mohamed Zidan (neun Tore/drei Vorlagen) war eben nur ausgeliehen von Werder Bremen -, nein, Michael Thurk (12 Tore/sieben Vorlagen) verabschiedete sich mitten in der Sommervorbereitung zur Eintracht und der kreative Mittelfeldspieler Antonio da Silva (drei Tore/elf Vorlagen) wechselte zum VfB Stuttgart. Hätten Klopp und Heidel geahnt, dass Thurk flüchten würde, dann hätten die beiden Vordenker und Macher sicher nicht Mittelstürmer Benjamin Auer (neun Tore/drei Vorlagen) weggeschickt. Und vielleicht hätten Klopp und Heidel darüber hinaus auch noch versucht, dem technisch starken und schnellen Pressingstürmer Niclas Weiland das Karriereende auszureden.

Kompletten Kommandostand auszutauschen kann gefährlich sein

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Die neu geholten 05-Offensivspieler zogen nicht: Imre Szabics nicht, Edu nicht, Bakary Diakité nicht, auch nicht der zurückgeholte Mimoun Azaouagh und schon gar nicht der aus der Amateurabteilung hochgezogene Stürmer Tobias Damm. Das letztlich irreparable Ergebnis: Nur elf Punkte nach der Vorrunde, nur elf geschossene Tore nach 17 Spielen.

Fehleinschätzungen passieren, wirtschaftliche Notwendigkeiten kommen dazu. Dann hat der sportliche Misserfolg eine Logik. Deshalb auch gleich noch den kompletten Kommandostand auszutauschen, das kann gefährlich sein. Beim 1. FC Köln sollte man diese Möglichkeit im Auge behalten: Peter Stöger in Ruhe weiterarbeiten lassen, Schmadtke eine Rückkehr schmackhaft machen – und, wenn es denn so kommt, nach einem Abstieg in die Zweite Liga in dieser personellen Konstellation den Kader umbauen und den direkten Wiederaufstieg anstreben. Klar, es ist unwahrscheinlich, dass das in dieser Form in Köln umsetzbar ist. Dennoch: Unkonventionelle Lösungen sind zuweilen nicht die schlechtesten - wenn man es im Führungsstab mit anerkannten Fachleuten zu tun hat.