Rehberg: Beim Gegner Mönchengladbach stimmt die Balance nicht

Gladbachs Cheftrainer Andre Schubert gibt nach der deutlichen Niederlage gegen Borussia Dortmund seinem Stürmer Josip Drmic die Hand. Foto: dpa

Am Freitagabend wird wieder Fußball gespielt. Das Vorrundenspiel gegen Borussia Mönchengladbach hatten die 05er gewonnen. Nach fünf Startniederlagen trat Trainer Lucien Favre...

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. Christian Heidel hat die Wechselpforte am Bruchweg geschlossen. Die Anfragen aus England wegen Yoshinori Muto sind frühzeitig abschlägig beschieden worden, nun auch das Werben von Borussia Dortmund um Yunus Malli. Da rangiert Sportdenken vor Geschäftsinteressen. Ein wichtiges Signal in verrückten Zeiten. Eine Schwächung der Mannschaft, sagt Trainer Martin Schmidt, „können wir uns nicht leisten“. Im Gegenteil. Mit dem Winter-Zugang Giulio Donati hat der Klub die Rechtsverteidigerposition gestärkt. Ob sich von den meilenweit von Wettkampfeinsätzen entfernten Reservisten noch jemand verändert bis zum 1. Februar (18 Uhr), das ist offen.

Ebenso wie die Frage, welche Stürme noch heraufziehen im Klub wegen der ungeklärten Führungsproblematik. Am heutigen Donnerstag kehrt Präsident Harald Strutz aus seinem Urlaub zurück. Spätestens ab Freitag sollte Dynamik kommen in den immer brisanter werdenden Veränderungsprozess auf der Entscheiderebene.

Freitagabend wird wieder Fußball gespielt

Und am Freitagabend wird dann auch wieder Fußball gespielt. Borussia Mönchengladbach kommt in die Coface Arena. Das Vorrundenspiel hatten die 05er gewonnen. Da erwischte die Mannschaft von Martin Schmidt den Gegner in einer lausigen Phase. Fünf Startniederlagen. Danach trat der ebenso frustrierte wie ratlose Trainer Lucien Favre zurück. Nachfolger André Schubert reihte direkt mal sechs Siege aneinander. Dem folgten ein Remis, ein weiterer Sieg, ein Remis und dann der 3:1-Triumph gegen den bis dahin ungeschlagenen FC Bayern München.

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Doch seitdem ist der Schubert-Glanz etwas verblasst: 23 Gegentreffer in den vergangenen sieben Pflichtspielen - inklusive dem 3:4 im DFB-Pokal gegen Werder Bremen und den torreichen Champions-League-Auftritten gegen den FC Sevilla (4:2) und gegen Manchester City (2:4) -, das ist gewaltig. 0:5 in der Bundesliga in Leverkusen, 3:3 bei der TSG Hoffenheim, ein mühsames 3:2 gegen den SV Darmstadt 98, zum Rückrundenstart das 1:3 zu Hause gegen Borussia Dortmund. Im Defensivverhalten sind die furios stürmenden Gladbacher immer instabiler geworden.

Die TSG Hoffenheim ist mit 26 Gegentoren Tabellenvorletzter, die 05er sind mit 24 Gegentoren Tabellenachter – Borussia Mönchengladbach ist mit 33 Gegentoren Tabellenvierter. Kurios. Die Schubert-Elf lebt von ihrer Topqualität in der Offensive. Das ist ein Paradigmenwechsel im Vergleich zur großen Ära des in kleinste Abwehrdetails vernarrten Defensivstrategen Lucien Favre. Gegen dessen Hochsicherheitstrakt plus blitzartigen offensiven Kurzkontaktüberfällen hat keine Mannschaft gerne gespielt. Schubert treibt sein Team nach vorne. Und das kann den Mainzer Umschaltspezialisten eine Chance einräumen.

Granit Xhaka kuriert einen Bänderriss aus

Den Gladbachern fehlt im defensiven Mittelfeld die zentrale Figur, die ihrem Vornamen alle Ehre macht: Granit Xhaka. Der Nationalspieler aus der Schweiz ist nach einer Roten Karte noch gesperrt. Das junge Riesentalent Mahmoud Dahoud, ein in Syrien geborener deutscher U20-Nationalspieler aus dem eigenen Nachwuchs, wird wegen einer Schnittverletzung an der Hand fehlen.

Und auch die Innenverteidigung wackelt. Gegen Borussia Dortmund ließ Schubert den 19 Jahre Dänen Andreas Christensen neben dem 19 Jahre alten Nico Elvedi (Kapitän der Schweizer U19-Nationalmannschaft) auflaufen. Die Elf von Thomas Tuchel hätte in Gladbach ein halbes Dutzend Tore geschossen, hätte der mit einem Turboantritt ausgestattete Pierre-Emerick Aubameyang nicht die besten Chancen liegengelassen. Gut möglich, dass der Trainer in Mainz seinen österreichischen Winter-Zugang Martin Hinteregger, ein 23 Jahre alter Innenverteidiger von RB Salzburg, in der Startelf präsentiert.

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Balance zwischen Abwehr und Sturm stimmt nicht

Experten analysieren, bei den Gladbachern stimme die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht mehr. Das wird auch Schubert stören. Ob der Trainer nun für die Mainz-Partie den Umkehrschwung plant, darüber lässt sich nur spekulieren. Tatsache ist: Mit Fabian Johnson und Ibrahima Traoré hat Schubert an den Flügeln Raketen am Start, und im Zentrum kombinieren sich Lars Stindl (fünf Treffer/sechs Vorlagen) und Raffael (sieben Treffer/acht Vorlagen) serienweise zu Chancen und Toren.

Favre experimentierte mit dem aus Hannover gekommenen Stindl noch auf der Sechserposition. Jetzt darf sich der leichtfüßige Dribbler überall in der gegnerischen Hälfte austoben, immer mit Zug zum Strafraum. Kontern lässt es sich mit diesem kreativen Geschwindigkeits- und Dribbelquartett auch. Aber André Schubert bevorzugt den Risikofußball. Prinzipiell kommt das den 05ern, die zudem wieder ihre geliebte Außenseiterrolle einnehmen können, gelegen. Dazu mehr im Freitagblog.