Rehberg: Auf Mainz 05 wartet ein mutiger Underdog

Foto: Sascha Kopp

Am Mittwoch heben die 05er ab in Richtung Vorderasien. In Aserbaidschan steht gegen den FK Qäbälä das zweite Gruppenphasenspiel der diesjährigen Europa League an. Unser...

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. Am Mittwoch machen sich die 05er auf nach Vorderasien. Aserbaidschan. Am Donnerstagabend steigt in Baku das zweite Gruppenspiel in der Europaliga. Der Gegner kommt aus Qäbälä. Ein 13.000-Einwohnerstädtchen im Großen Kaukasus, 220 Kilometer nordöstlich der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku gelegen. Da in das städtische Sähär-Stadion nur 5.000 Menschen passen, muss der FK Qäbälä seine internationalen Heimspiele in der Bakcell Arena in Baku austragen.

Schade. Denn die Reisegruppe aus Mainz wird das alte Städtchen Qäbälä (das zu Zeiten der UDSSR auf russisch Gabala hieß), nicht zu Gesicht bekommen. Die 05er kennen das. Beim ersten Europa-Abenteuer 2006 empfing Mika Aschtarak seinen deutschen Gegner in der armenischen Hauptstadt Erewan, der nächste 05-Konkurrent IB Kevlavik trug seine Heimspiele in der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus.

Was lässt sich erzählen über Qäbälä? Die Wirtschaft der Stadt lebt von der Gemüsekonservenindustrie, von der Tabakindustrie und von der Seidenraupenindustrie. Der ehemalige Bischofssitz hat eine Geschichte, die in das 5. bis 6. Jahrhundert nach Christus zurückreicht. Was wissen wir über den Fußball in Aserbaidschan? Berti Vogts war dort Nationaltrainer. Von 2008 bis 2014. Als der kleine Mann mit dem großen Fachwissen auf einer Pressekonferenz in Baku von heimischen Journalisten mit Klopapierrollen beworfen wurde, da dankte Berti frustriert ab. In der WM-Quali 2010 und in der EM-Quali 2012 trat Vogts mit seinem Team jeweils gegen Deutschland an. Die Ergebnisse: 0:4 und 0:2, 1:6 und 1:3.

„We come on all matches for victory!“

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In der vergangenen Saison haben wir den FK Qäbälä in den Europaliga-Gruppenspielen gegen Borussia Dortmund gesehen. In Baku tat sich die Mannschaft von Thomas Tuchel schwer. Ein holpriges 3:1 nach drei Treffern von Pierre-Emerick Aubameyang. Im Signal-Iduna-Park ereignete sich ein 4:0 - das war den Torchancen nach optional ein 8:0 bis 10:0. Doch der aserbaidschanische Erstligist, der auch eine erfolgreiche Box-Abteilung unterhält, ist weiter verstärkt worden. Der neue Trainer Roman Grygorchuk (50) sagt heute: „We come on all matches for victory!“ Das Selbstvertrauen speist sich aus dem großen Kampf der Elf in der EL-Qualifikation. 1. Runde: 5:1 und 1:2 gegen die georgische Mannschaft vom FC Samdredia. 2. Runde: 2:1 und 2:0 gegen MTK Budapest. 3. Runde: 1:1 und 1:0 gegen den OSC Lille. Play-offs: 3:1 und 0:1 gegen die Slowenen von NK Maribor. Das ist ein durchaus erstaunlicher Erfolgsweg bis zum erneuten Einzug in die Gruppenphase. 2015/16 hatte der FK Qäbälä in den Play-offs Panathinaikos Athen ausgeschaltet.

Zum Auftakt der Gruppenphase haben die Aserbaidschaner beim RSC Anderlecht verloren. 1:3. Auf der Internet-Plattform „youtube“ kann man sich lange Phasen dieser Partie anschauen. Die vom Ex-Nürnberger René Weiler trainierten Belgier hatten ihre Mühe mit dem munteren und mutigen Underdog. Der polnische Nationalspieler Lukas Teodorczyk brachte Anderlecht mit 1:0 (14.) in Führung. Bagaliy Dabo glich zum 1:1 (20.) aus. Der bullige Mittelstürmer drosch die Kugel volley unter die Latte.

Und der 27-Jährige mit Wurzeln im Senegal (geboren im südfranzösichen Clichy), der zuvor nie höher als in der Zweiten Liga gespielt hat, vergab kurz darauf auch noch die Führungschance für Qäbälä. Erst ein kurioses Eigentor des brasilianischen FK-Verteidigers Rafael dos Santos (31), der auch schon in Bologna gespielt hat, bescherte den im Tempo überlegenen Belgiern das 2:1 (41.). Ruhe unterm Dach war erst, als der Spanier Diego Capel in der 77. Minute das erlösende 3:1 erzielte für den RSC Anderlecht.

Qäbälä will nach vorne marschieren und Tore schießen

Wer sind die Säulen der Aserbaidschaner? Im Tor steht der 1,92 Meter große Ukrainer Dmitro Beszotosniy, der im November 33 Jahre alt wird. Dessen 1,94 Meter großer Landsmann Vitaliy Vernidub (30) ist der Turm in der Innenverteidigung. Links verteidigt der nur 1,68 Meter große Brasilianer Ricardinho (32), der den größten Teil seiner Karriere im Trikot von Malmö FF erlebt hat. Der Serbe Vojislav Stankovic (29) kann mit seinen 1,90 Metern rechts und im Zentrum verteidigen.

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Ein gefährlicher Freistoßschütze ist der zentrale Mittelfeldspieler Filip Ozobic (25), der schon Verträge hatte bei Hajduk Split, NK Zadar und Spartak Moskau. Magomed Mirzabekov (25) ist ein aserbaidschanischer Nationalspieler, der im Mittelfeld die ganz weiten Wege geht. Auf der Außenbahn ist Sergej Zenjov (27) unterwegs, der 27-jährige Nationalspieler aus Estland kann auch als zweite Spitze auflaufen. Der gefährlichste Stürmer ist zweifellos der robuste Dabo. Auf dem Weg in die Startelf ist auch der neu verpflichtete liberianische Offensivspieler Tony Weeks (26), der zuvor bei drei Klubs in der Türkei aktiv war.

Das ist keine Mannschaft, die sich nur in der eigenen Spielhälfte verbarrikadiert. Die Elf des ukrainischen Trainers Roman Grygorchuk, die gerade in der aserbaidschanischen Topaz Premier League die Tabellenspitze erklommen hat mit einem 2:0 bei Sumgayit (zwei Treffer von Bagaliy Dabo), will nach vorne marschieren und Tore schießen. Das sollte den Umschalt-05ern ganz gelegen kommen.