Rehberg: 1. FC Köln als hart zu knackende Nuss

Peter Stöger. Foto: dpa

Beim 1. FC Köln wird seit Jahren fachkundige Arbeit geleistet. Hinter diesem Aufwärtstrend stehen unter anderem die fachkundige Arbeit auf dem Trainingsplatz, ein glasklarer...

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. Der 1. FC Köln steht blendend da. Da kreuzt am Sonntag in der Mainzer Opel Arena eine Mannschaft auf, die unter Trainer Peter Stöger über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich gewachsen ist. Der Österreicher kam 2013/14 in der Zweiten Liga. In der Saison darauf führte Stöger die Geißböcke zurück in die Bundesliga. Als Aufsteiger erreichte das Team 2015/16 nach der Hinrunde Platz neun mit starken 24 Punkten, am 34. Spieltag stand immer noch Rang neun mit schönen 43 Punkten. Und jetzt? Schon 25 Zähler nach 16 Spieltagen.

Hinter diesem Aufwärtstrend stehen die fachkundige Arbeit auf dem Trainingsplatz, ein glasklarer Spielansatz, viel Teamgeist, eine kluge Transferpolitik von Manager Jörg Schmadtke sowie eines der stimmungsvollsten Stadien der Liga. Und dazu kommen ausgesprochen stabile Verhältnisse in der auf allen Ebenen klug zusammen gestellten Klubführung. In diesem Bereich haben die Kölner die Mainzer überholt. Die alten Männer am Bruchweg haben sich längst verheddert in ihrem von egoistischen Motiven geleiteten Neustrukturierungsgestrüpp. Da jagt eine Peinlichkeit die nächste. Wie in früheren Zeiten in Köln.

FC wohl weiterhin mit drei Innenverteidigern

Von den bisherigen 16 Spielen hat der FC nur drei verloren. Sechs Siegen stehen sieben Remis gegenüber. Das zeigt, welche Grundidee den einstigen feinfühligen Austria-Spielmacher Stöger antreibt: Wenn wir schon nicht gewinnen können, dann wollen wir zumindest nicht verlieren. Und damit sind die Kölner für nahezu jeden Gegner eine hart zu knackende Nuss. Selbst beim FC Bayern München hat sich diese Mannschaft ein 1:1 erkämpft.

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Das letzte Testspiel in dieser Winter-Vorbereitung hat der FC unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestritten. Auf einem Trainingsgelände in Belgien. Die 05er kennen den Gegner gut: Die Kölner spielten 1:1 - beim RSC Anderlecht. Trägt man alle Informationen zusammen, dann ergibt sich dieses Bild: Obwohl Abwehrchef Mergim Mavraj gerade den Klub verlassen hat (zum HSV), wird Stöger wohl weiterhin mit drei Innenverteidigern operieren.

In Anderlecht verteidigten im Zentrum die Hünen Frederik Sörensen, Dominik Maroh und Dominique Heintz; gegen den Ball füllten an den Seiten Pawel Olkowski und Konstantin Rausch die Fünferkette auf. Als Mittelfeldsechser liefen Marco Höger und der angeblich vom FC Chelsea umworbene Nationalspieler Jonas Hector auf. Am rechten Flügel stürmte der von den 05ern nach Köln gewechselte Christian Clemens, am linken Flügel der Ex-Dortmunder Milos Jojic. Letzterer ist als nicht überragend schneller Techniker ein Wackelkandidat; da hat auch noch der von einer Verletzung genesene leichtfüßige Tempodribbler Leonardo Bittencourt Startelfchancen. Der Mittelstürmer ist unantastbar: Das ist der Franzose Anthony Modeste - der in 16 Hinrundenspielen gewaltige 13 Tore erzielt hat. Gegen den Ball sprechen wir da von einer engmaschigen 5-4-1-Ordnung, mit Ball tendiert das zu einem 3-4-3. Wobei die Kölner inzwischen nicht nur den schnellen Konterfußball beherrschen, sondern bei Bedarf auch den gepflegten Ballvortrag,

Clemens als Risse-Ersatz

Auch die Kölner müssen Umstellungen organisieren. Bei den 05ern müssen ja bekanntlich der gesperrte Jhon Cordoba und der abgewanderte Yunus Malli kompensiert werden. Stöger muss Lösungen finden für den abgewanderten Deckungschef Mavraj und für den einen Kreuzbandriss auskurierenden Marcel Risse. Das wird auf beiden Seiten spannend. Clemens gilt in Köln als idealer Ersatz auf der Rechtsaußenposition, doch aus seiner Zeit in Mainz wissen wir, dass der Sprinter in der Rückwärtsbewegung längst nicht so aggressiv und diszipliniert arbeitet wie der Kollege Risse. Der ja auch mal am Bruchweg seine läuferischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat.

Da steht für die 05er ein Kampfspiel an, in dem es gilt, leichte Ballverluste im Mittelfeld zu vermeiden. Geduld und Präzision im Aufbauspiel sind da gefragt. Konter frühzeitig blocken. Die langen Bälle auf Modeste fressen. Offensive Umschaltgelegenheiten konsequent und zielstrebig nutzen. Das sind die Aufgaben. Mehr dazu im Blog am Samstag.