Rehberg: 05er im Pokal - Noch viel Luft nach oben

Schaffte den größten Pokalerfolg in der Klubgeschichte von Mainz 05: Jörn Andersen. Archivfoto: rscp

Der DFB-Pokal ist aufregend. Der Wettbewerb bietet auch kleineren Klubs Chancen. Aber man kann sich auch auf Anhieb Probleme an den Hals schaffen. Unser Kolumnist Reinhard...

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. Zwei Klassen Unterschied aufwärts sind im Fußball von Bedeutung. Im DFB-Pokal relativiert sich diese Differenz im individuellen Können immer wieder. Dann kommt es zu diesen bekannten Pokal-Sensationen. Wenn ein Viert- oder Drittligist in einem Wettbewerbsspiel auf einen Erstligisten trifft, dann wird der Favorit sich in acht von zehn Fällen durchsetzen. Die Überraschungen ereignen sich seit einigen Jahren seltener, aber sie passieren. Im DFB-Pokal können die Klubs mit relativ wenig Spielen relativ viel Geld verdienen, das lässt die Bundesligisten die Sache immer konzentrierter angehen. Da zieht auch das emotional aufgeladene Erlebnis beim Finale in Berlin. Und doch kommen schon in der ersten Runde nicht alle Topmannschaften durch.

Schauen wir auf das Vorjahr. Da scheiterte der FC Schalke 04 zum Auftakt beim Drittligisten Dynamo Dresden mit 1:2. Der FC Augsburg ging mit 0:1 beim damaligen Regionalligisten 1. FC Magdeburg ein. Der spätere Zweitligameister FC Ingolstadt unterlag beim Regionalligisten Kickers Offenbach mit 2:4 nach Elfmeterschießen. Der Drittligist Arminia Bielefeld fegte den Zweitligisten FC Sandhausen mit 4:1 vom Feld. Und der etablierte Bundesligist FSV Mainz 05 schied beim Drittligisten Chemnitzer FC nach einem dramatischen 5:5 nach Verlängerung mit 9:10 im Elfmeterschießen aus.

Holpriger Start lässt kaum Rückschlüsse zu

Der VfL Wolfsburg mogelte sich damals in der ersten Runde zu einem Sieg im Elfmeterschießen beim Zweitligisten SV Darmstadt 98, am Ende stemmte die Mannschaft von Dieter Hecking im Konfettiregen in Berlin als Bundesligazweiter und Pokalsieger die goldene Trophäe in die Höhe. Damit wäre geklärt, dass ein holpriger Start keinerlei Rückschlüsse zulässt auf die Restsaison. Arminia Bielefeld, der spätere Zweitligaaufsteiger, hatte sich als Außenseiter nach Erfolgen im Achtelfinale gegen Werder Bremen (3:1) und im Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach (6:5 n. E.) bis ins Halbfinale vorgekämpft - und damit eine nicht unerhebliche Unterdeckung im Saisonetat ausgeglichen.

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Also, der Pokal ist aufregend. Und dieser Wettbewerb bietet auch kleineren Klubs Chancen. Aber man kann sich auch auf Anhieb Probleme an den Hals schaffen. Nehmen wir nur das Beispiel Jörn Andersen. 2008/09 schaffte der Trainer aus Norwegen mit den Mainzer Zweitligaprofis den größten Pokalerfolg in der Klubgeschichte. 2:1 n. V. beim SV Babelsberg (Siegtor durch den danach nie mehr auffällig gewordenen Dragan Bogavac in der 107. Minute), 3:1 gegen den 1. FC Köln, 3:1 im Achtelfinale beim SC Freiburg, 1:0 im Viertelfinale gegen Schalke 04 (das Siegtor gegen Keeper Manuel Neuer schoss Aristide Bancé in der 88. Minute). Halbfinaleinzug. 1:4 n. V. in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen, das wichtige 2:1 für den Favoriten schoss ein gewisser Arturo Vidal. Andersen, der Pokal-Spezialist?

05er haben im Pokal viel Luft nach oben

Von wegen. Im Jahr darauf scheiterten die 05er als Bundesligaaufsteiger gleich in der ersten Runde beim Regionalligisten VfB Lübeck. 1:2 nach Verlängerung. Das Siegtor für die Lübecker in der 95. Minute schoss ein Mann mit dem Namen Jakob Sachs (der größte Moment in dessen Karriere, die 2013/14 ausgeklungen ist bei Viktoria Hamburg). Das war am 31. Juli 2009. Drei Tage später wurde Jörn Andersen am Bruchweg beurlaubt, noch vor dem ersten Bundesliga-Spieltag. Nicht unbedingt nur wegen dieser schwachen Leistung im Stadion an der Lohmühle, das wissen wir, aber auch…

Thomas Tuchel rückte ins Amt. Der erreichte mit den 05ern 2012/13 nach einem großen 2:1-Sieg auf Schalke immerhin mal das Viertelfinale; dort folgte ein unglückliches 2:3 n. V. zu Hause gegen den SC Freiburg. Ansonsten? Da gab es mal einen ganz schwachen Zweitrundenauftritt beim 1:2 in Aachen (2010/11), da gab es mal ein trostloses 0:2 im Achtelfinale beim Regionalligisten Holstein Kiel (2011/12), da gab es auch mal ein nicht minder enttäuschendes 0:1 in der zweiten Runde im Heimspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Köln (2013/14).

Die 05er haben Luft nach oben in diesem Wettbewerb. Für den Manager Christian Heidel in der Etatplanung grundsätzlich keine Einnahmen ansetzt. Die ersten Runde geht sich in der Regel plus minus null aus, ob danach noch etwas kommt, das weiß man nicht. Die 05er starten am kommenden Sonntag (20.30 Uhr) bei Energie Cottbus. Beim Drittliga-Spitzenreiter freut sich einer besonders auf diese Partie: Ronny Garbuschewski, der Spielmacher. Der 29-Jährige steckte in der Vorrunde der Vorsaison noch im Trikot des Chemnitzer FC - als die 05er dort in der ersten Pokalrunde ausgeschieden sind. Garbuschewski bereitete damals zwei Treffer vor beim 5:5 nach Verlängerung, im Elfmeterschießen traf der Routinier zum 1:0. Die Erfahrung lehrt: Diese Glücksmomente haben Spieler von unterklassigen Klubs in der Regel nur ein Mal in ihrer Karriere. In der Regel.