Rehberg: 05 vor Manager-Entscheidung - Labbadia und der neue...

Der 05-Manager und sein Nachfolger? Christian Heidel und Dirk Dufner. Fotos: Sascha Kopp / dpa

Wir leben in der Erwartung, dass die 05er demnächst aufwarten mit der Verkündung personeller Veränderungen auf der Entscheiderebene. Schreibt Reinhard Rehberg im Blog vor der...

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. Wir leben in der Erwartung, dass die 05er demnächst aufwarten mit der Verkündung personeller Veränderungen auf der Entscheiderebene. Manager Christian Heidel, davon gehen wir aus, wird am 1. Juli 2016 einer der Vorstandschefs beim FC Schalke 04 mit dem Schwerpunktbereich Transferwesen. Ob bis dahin am Bruchweg tiefgreifende strukturelle Änderungen durchsetzbar sind, das weiß niemand – und das wäre auch zeitlich schon ein anspruchsvolles Projekt.

Mehrere Treffen in der Öffentlichkeit

Nachfolgeregelung? Mit dem ehemaligen Freiburger Manager Dirk Dufner, der zuletzt bei Hannover 96 mit dem allmächtigen Boss Martin Kind nicht sonderlich gut ausgekommen ist, hat Heidel unweit des Bruchwegstadions schon öfter zusammengesessen. In aller Öffentlichkeit. Welches Thema der 05-Manager mit dem inzwischen im Rhein-Main-Gebiet lebenden Dufner auf der Agenda hatte, das wissen wir nicht. Was sich abzeichnet: Sollten die 05er demnächst in einer beginnenden Nach-Heidel-Ära umstellen auf einen ehrenamtlichen Aufsichtsrat, der einen geschäftsführenden, operativ tätigen Vorstand kontrolliert, dann bringt sich Klubpräsident Harald Strutz in Stellung als der neue starke Mann - als hauptamtlicher Vorstandschef.

Sportlich haben die 05er diese Hinrunde in ein ruhiges Fahrwasser gelenkt mit ihren 20 Punkten nach 14 Spieltagen. Am Samstag geht es zum Hamburger SV. Dieser traditionsreiche Großstadtklub, über viele Jahre das Demonstrationsprojekt für Misswirtschaft und Misserfolg, für Irrungen, Wirrungen und Personalwechsel in den Entscheidungsgremien, hat einen Zähler mehr auf dem Konto als die „kleinen“ Mainzer. Das ist gut vor dem Hintergrund der vergangenen Abstiegskämpfe bis hin zur dramatischen Last-Minute-Rettung in der vergangenen Saison über die beiden Relegationsspiele gegen den Karlsruher SC. Aber das ist gar nicht sonderlich gut, wenn man bedenkt, dass der HSV sehr viel mehr Geld ausgibt für sein kickendes Personal als die 05er.

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HSV Fußball AG schließt mit sattem Minus ab

Über 20 Millionen mehr waren das in der Vorsaison. Und diese 20 Millionen hatte der HSV nicht mal erwirtschaftet. Gerade hat die HSV Fußball AG bekannt gegeben, dass sie das Geschäftsjahr 2014/15 mit einem Minus von 16,9 Millionen Euro abgeschlossen hat. Das heißt: Der HSV gestaltet seinen wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber zum Beispiel den Mainzern auf Schuldenbasis. Was auch, das hat Finanzvorstand Frank Wettstein bestätigt, für die aktuelle Spielzeit gilt – in der die Hamburger immer noch rund 17 Millionen mehr investieren in ihren Kader als die Mainzer. „Für die kommende Saison müssen wir den Etat noch mal senken“, erklärt Finanzvorstand Frank Wettstein. Und weiter: „Die Kaderkosten und der sportliche Erfolg standen zu lange in einem Missverhältnis. Die Begleiterscheinungen waren eine hohe Fluktuation in der sportlichen Führung und ein daraus resultierender mehrfacher Kaderumbau, verbunden mit Investitionen und Abfindungen in Millionenhöhe.“ Und daraus resultiere das Minus - verbunden mit dem Zwang zu einem rigiden Sparkurs.

Das gefällt dem Trainer überhaupt nicht. Und deshalb hat Bruno Labbadia seinen im Sommer auslaufenden Vertrag auch noch nicht verlängert. Der Abstiegskampfheld hofft darauf, dass der HSV-Investor Klaus-Michael Kühne, wie von dem Speditions-Milliardär angekündigt, noch mal paar Millionen locker macht für zwei, drei hochwertigere Zugänge für die nächste Saison. Ablösesummen lassen sich damit bezahlen. Aber wo kommt die Kohle her für die entsprechenden Spitzengehälter für diese neuen Spitzenspieler? Man hat den Eindruck: Der HSV dreht sich im Kreis. Denn gerade mit dem von Kühne im Einkauf finanzierten und vom Klub hoch dotierten Star Raffael van der Vaart hatten die Hamburger ihre Abstiegskämpfe zu bestreiten.

Labbadia und der neue Geist der Mannschaft

Was Labbadia geschafft hat, das ist ein neuer Geist in der Mannschaft. Von einer ansprechenden Spielkultur ist beim HSV immer noch nicht viel zu erkennen. Aber die Spieler, emotional aufgeladen von ihrem Chefcoach, brummen. Da wird gerannt, gegrätscht, kämpferisch verteidigt und mit hohem Tempo nach vorne umgeschaltet. Das macht dieses Team wieder zu einem unangenehmen Gegner. Das bekam vor 14 Tagen der Tabellenzweite Borussia Dortmund zu spüren beim 1:3 im Volksparkstadion. Und zuletzt auch Werder Bremen beim 1:3 im Nord-Derby an der Weser. „Wir wollen jetzt den dritten Sieg hintereinander“, sagt Labbadia.

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Wie sich die Mannschaft von Martin Schmidt beim HSV mit seinen wieder in Form gekommenen Ex-05ern Lewis Holtby und Nicolai Müller behaupten kann, das behandeln wir im Freitagblog.