Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit

Wetklo am Boden, und gleich mit Rot vom Platz. Foto: dpa

Recht und Gerechtigkeit sind oft zwei Paar Schuhe. Die Drei-Spiele-Sperre gegen Torwart Christian Wetklo mögen viele Fans des FSV Mainz 05 als ungerecht empfinden. Dummerweise...

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. Von Ulrich Gerecke

Recht und Gerechtigkeit sind oft zwei Paar Schuhe. Die Drei-Spiele-Sperre gegen Torwart Christian Wetklo mögen viele Fans des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 als ungerecht empfinden. Dummerweise ist die Aufaddierung "Notbremse + Tor verhindert + Wiederholungstäter = drei Partien Pause" durch alle Paragrafen gedeckt. Es gibt sogar einen Präzedenzfall: Der Ex-05er Eugen Polanski (jetzt 1899 Hoffenheim) bekam Ende der vergangenen Saison für exakt denselben Straftatbestand dieselbe Denkpause.

Dies haben die Verantwortlichen von Mainz 05 natürlich geprüft und dem Strafantrag wegen erwiesener Aussichtslosigkeit zugestimmt. Wenn jetzt jemand meint, dies sei voreilig geschehen oder der Verein habe Wetklo gar hängen lassen, so ist das blanker Unfug und geht an der Realität vorbei. Ein Protest hätte nur Geld und Nerven gekostet, aber weder "Wetti" noch dem FSV Mainz 05 etwas gebracht.

Widersinnige Doppelbestrafung

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Ein Ärgernis ist diese Sperre trotzdem, weil sie wieder einmal die Widersinnigkeit von Doppelbestrafungen deutlich macht. Für eine Notbremse im Strafraum sowohl die Rote Karte wie auch einen Strafstoß zu verhängen - das ist schon heftig. Wenn, wie im Fall Wetklo, aber argumentiert wird, das von ihm illegal verhinderte Tor habe zwar nicht das Endergebnis (Sieg für Augsburg) beeinflusst, es könnte aber am Saisonende noch in der Tabelle entscheidend sein, so ist das nur noch extrem konstruiert und für den Großteil des Fußball-Volkes nicht nachvollziehbar.

Paragrafen sind kein Selbstzweck. Sie sollen helfen, Gerechtigkeit durchzusetzen - auch und gerade im Sport. Es wäre an der Zeit, dass dieser Grundsatz auf dem Fußballplatz wieder stärker zur Geltung kommt. Davon hätte nicht nur Christian Wetklo etwas.