"Raumfahrt schafft Brücken"

Bernhard von Weyhe arbeitet seit 2003 bei der ESA. Foto: ESA/dpa

Bernhard von Weyhe arbeitet als „Head of Esoc Communications Unit“ in Darmstadt. Seit 2003 ist er ESA-Mitarbeiter. Im Interview erzählt der 43-Jährige über die Bedeutung...

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. Herr von Weyhe, wer als Besucher das ESA-Gebäude in Darmstadt betreten möchte, muss seinen Personalausweis abgeben. Als Behörde sind Sie zur Identitätsfeststellung berechtigt. Aber wie begründen Sie den Einzug - und vor allem - werden "personenbezogene Daten", wie es behördensprachlich heißt, gespeichert oder weitergegeben?

Weyhe: Wenn Sie unser Gelände betreten, verlassen Sie die Bundesrepublik Deutschland. Das ist wie bei einer Botschaft, wir sind eine internationale Organisation auf einem externen Sicherheitsgelände. Und ja, wir sind zur Identitätsfeststellung berechtigt. Denn wir haben hier die Technik und Satelliten im Wert vieler Milliarden Euro im All, da müssen wir gut drauf aufpassen, schließlich geht es dabei um Steuergelder. Entsprechend der deutschen Datenschutzbestimmungen werden keine Besucherdaten gespeichert.

Donald Trump wird Präsident der USA. In der Vergangenheit haben Regierungswechsel oft zur Neuausrichtung der Nasa geführt. Beispielsweise legte Obama das Constellation-Programm (bis 2020 sollen Menschen Mond, Mars und weiter entfernte Ziele bereisen) seines Amtsvorgängers auf Eis. Die ESA plant gemeinsame Projekte mit der Nasa, Johann-Dietrich Woerner (ESA-Generaldirektor) deutete sogar eine mögliche Zusammenarbeit bei der Errichtung eines "Moon-Village", einer permanenten Mondstation, an. Welche Auswirkungen könnte Trumps Sieg für die Kooperation mit der Nasa haben?

Raumfahrt ist eine Domäne, die Brücken schafft. Wenn Sie sich beispielsweise die globale Umweltbeobachtung ansehen, arbeiten wir eng mit Amerika und Russland zusammen, ich glaube nicht, dass sich da viel ändern kann. Die gemeinsame bemannte Raumfahrt fördert den Zusammenhalt, auch damals im Kalten Krieg. Raumfahrt ist schon immer ein Bereich gewesen, in dem intensiv international zusammengearbeitet wurde - und die Brückenfunktion bleibt bestehen. Raumfahrt ist per se ein Kooperationsprojekt. Zu zukünftigen politischen Einschätzungen kann ich nichts sagen, alles andere wäre reine Spekulation.

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Reden wir über Karrieremöglichkeiten für Journalisten bei der ESA. Sie haben laut ihres kress-online-Profils in Deutschland, Frankreich und den USA studiert und begannen 2003 als Communication-Officer bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. Was hat sich in dieser Zeit bei den Anforderungen für einen PR-Manager der ESA geändert - und was muss ein Bewerber mitbringen? Und zuletzt: Warum tragen so viele ESA-Mitarbeiter erdfarbene Sakkos, Pullover oder Kostüme?

Es gibt kein klassisches Eintrittsprofil. ich bin viel unterwegs gewesen, habe in Saarbrücken an bilingualen Kursen teilgenommen und in den USA an Journalismus-Programmen teilgenommen. Man braucht auf jeden Fall ein internationales Profil. Unsere Mitarbeiter kommen nicht nur aus journalismusnahen Fächern, sondern haben BWL oder Jura studiert oder kommen aus dem technischen Bereich. Sie müssen sehr gut sein, sehr motiviert, zwei bis drei Sprachen sprechen, zwei auf jeden Fall. Ich spreche Deutsch, Englisch und Französisch auf fast gleichem Niveau, dazu noch Spanisch. (Weyhe macht eine kurze Pause) Und hier sind sie ein Puffer zwischen zwei Welten, zwischen Wissenschaft und Medien. Auch, wenn sie eine Sache schon 100-mal erklärt haben, müssen Sie es immer wieder motiviert machen. Und man muss ein Teamplayer sein.

Und was ist mit der erdfarbenen Kleidung? Gibt es da einen Dresscode?

Nein, das sind zufällige Beobachtungen. Ich ziehe mich eher zurückhaltend an und versuche, lieber durch Fakten zu glänzen als durch einen Look.

Herr von Weyhe, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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Das Interview führte Constantin Lummitsch.