Plötzlich Hundesitter

Beim Interviewtermin in den vier Wänden des Gesprächspartners trifft der Volontär schon mal auf die schmusebedürftige Katze des Hausherren. Blöd nur, wenn man auf die Haare der Vierbeiner allergisch reagiert... Archivfoto: dpa

Für Volontäre ist Schüchternheit ein Fremdwort. Jeden Tag trifft man auf ganz unterschiedliche Interviewpartner, klingelt bei Bürgermeistern auf dem Handy durch oder spricht...

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. Von Katharina Bruch

So sind mir mittlerweile schon so einige Vierbeiner bei der Arbeit über den Weg gelaufen, angefangen bei den Haustieren einiger Gesprächspartner. Schmusebedürftige Katzen etwa, die mir sofort um die Beine streichen und dabei - da bin ich mir sicher! - genau wissen, dass ich allergisch auf ihre Haare reagiere. Dass ich nach dem Interview mit ihrem Herrchen oder Frauchen mit triefender Nase im Auto sitze und durch kräftiges Nießen geschüttelt kaum das Lenkrad gerade halten kann, scheint ihnen dabei ziemlich schnuppe zu sein.

Schnurrende Miezen sind mir jedoch zumindest lieber als knurrende Hunde. Zähnefletschend angekläfft zu werden, während man versucht, dem Herrchen Fragen zu stellen, kann einen ganz schön aus dem Konzept bringen. Besonders wenn man fürchten muss, dass der lautstarke Vierbeiner sofort seine Chance ergreift, sobald man den Blick abwendet, um etwas auf seinem Block zu notieren.

Leine in die Hand gedrückt

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Dabei mag ich Hunde eigentlich sehr gern. Dies schien zumindest die nette Dame intuitiv zu erkennen, die ich bei einer Straßenumfrage gelöchert hatte. Nachdem ich ein Foto von ihr gemacht und ihre Antworten aufgeschrieben hatte, drückte sie mir nämlich kurzerhand die Leine ihres Lieblings in die Hand, um schnell in der Metzgerei zu verschwinden, vor der ich sie für die Umfrage abgefangen hatte. Da stand ich also, zum Hundesitter ernannt, und hoffte, dass der Kleine auch so brav war, wie er aussah. Vielleicht dachte der Hund das gleiche von mir, denn er harrte stoisch aus, Blickkontakt vermeidend, bis sein Frauchen endlich wiederkam und ihn von der fremden Frau erlöste.

Doch nicht nur mit Hunden und Katzen bin ich bisher bei der Arbeit schon auf Tuchfühlung gegangen, auch gutmütigen Pferden, frechen Shetlandponys oder schüchternem Federvieh bin ich begegnet. So wollte sich etwa eine betagte Gänsedame partout nicht für eine Weihnachtsgeschichte fotografieren lassen und lief mir und dem Fotografen dauernd schnatternd-protestierend davon. Keine Angst, sie endete deshalb nicht als Braten.

Kulis sind nicht lecker

Ganz und gar nicht schüchtern waren hingegen die Ziegen, auf die ich vor Kurzem bei einem Termin traf. So oft ich es ihnen auch erklärte, wollten die neugierigen Tiere partout nicht verstehen, dass das in meiner Hand kein Leckerli, sondern nur ein Kugelschreiber war und stiegen deshalb in einer Tour an mir hoch. Um ihre mit Erde verkrusteten Hufe auf meiner Jacke sowie Hose machten sie sich dabei wohl keine Sorgen, ich mir hingegen schon, hatte ich doch schließlich später an dem Tag noch ein Interview mit einem Bürgermeister und keine Klamotten zum Wechseln dabei… Als Volontär wird es einem eben nie langweilig und es immer tierisch was los!