Niddaer Feuerwehr in Corona-Zeiten

aus Coronavirus-Pandemie

Thema folgen

Die derzeitige Situation bringt einige Veränderungen mit sich: Einerseits ist die Tagesalarmbereitschaft gestärkt, andererseits muss die Wehr zu vielen illegalen Feuern ausrücken.

Anzeige

. Nidda (ten). Kameradschaft und Zusammenhalt sind Begriffe, die man sofort mit der Feuerwehr verbindet. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie müssen sie auch in den Einsatzabteilungen neu interpretiert werden. Stadtbrandinspektor Benjamin Balser hat bei allen Herausforderungen durch die Infektionswelle auch positive Effekte bemerkt. So ist die Tagesalarmbereitschaft durch Kurzarbeit und Homeoffice besser geworden.

"Glücklicherweise haben wir bei der Feuerwehr bis auf den einen oder anderen Verdachtsfall, weil er aus Risikogebieten zurückkam, keine Ausfälle", erklärt Balser. Andere Wehren hat die Pandemie härter getroffen. In Pfungstadt mussten vor zwei Wochen gleich 21 Feuerwehrleute und auch der Bürgermeister nach einer gemeinsamen Skifreizeit im Stubaital in die häusliche Isolation. In allen Niddaer Wehren gebe es dagegen von den insgesamt rund 400 Einsatzkräften nur acht Verdachtsfälle.

Damit die Einsatzabteilungen möglichst nicht durch Infektionen und Quarantäne geschwächt werden, arbeiten die Feuerwehrleute jetzt anders zusammen. "Wenn wir zu kleinen Einsätzen alarmiert werden, wo keine Menschenleben in Gefahr sind, wird nur ein Trupp direkt eingesetzt", erläutert Balser. Der zweite Trupp bleibe mit einigem Abstand in Bereitschaft, damit es möglichst keinen direkten Kontakt zwischen den beiden Gruppen gibt. Außerdem würden nicht mehr benötigte Einsatzkräfte schneller als sonst wieder abgezogen.

"Bei Einsätzen in Altenheimen und Kliniken frage ich auf der Anfahrt jetzt immer über die Leitstelle an, ob dort Corona-Fälle bekannt sind", nennt der Stadtbrandinspektor eine weitere Vorsichtsmaßnahme.

Anzeige

Zusätzlich hat er einen kleinen Posten Schutzbekleidung für die Feuerwehrleute bestellt. "Wenn wir vom Rettungsdienst als Tragehelfer angefordert werden, müssen wir unsere Einsatzkräfte schützen", erläutert er. Eigentlich sei vorgesehen gewesen, dass die Feuerwehr Atemschutzmasken vom Sanitätsdienst bekommt. Doch weil dessen Bestände auch knapp sind, hat Balser selbst Material für seine Feuerwehrleute bestellt.

Dabei ärgert er sich, dass die dringend benötigten Hilfsmittel von einigen als Spekulationsobjekt missbraucht und Masken für den zehnfachen Preis und mehr verkauft werden. Er habe deshalb "mit Augenmaß bestellt, weil wir wussten, dass die Atemschutzmasken an anderen Stellen dringend benötigt werden", erklärt Balser. Als er gehört hatte, dass dem Mathilden-Hospital in Büdingen die Masken auszugehen drohen, war er sofort bereit, einen Großteil der bestellten Menge an das Krankenhaus abzugeben.

Nicht abschließend geklärt ist, wie während der Pandemie mit anstehenden Prüffristen umgegangen wird. So hätten Atemschutzgeräteträger nur eine Zulassung für jeweils ein Jahr. Um diese zu verlängern, müssten sie auf die Atemschutzstrecke in Bad Nauheim. Doch die sei derzeit wie viele andere Einrichtungen auch geschlossen. Die sogenannte G26/3-Untersuchung, bei denen die körperliche Tauglichkeit von Atemschutzträgern geprüft wird, ist auch nur ein Jahr gültig. "Da gibt's momentan eine Ausnahmeregelung im Erlass, dass ich den Termin drei Monate überziehen kann, wenn ich mich fit fühle", erläutert Balser.

Wegen der Anordnungen, persönliche Kontakte möglichst zu vermeiden, fallen derzeit alle Zusammenkünfte der Feuerwehr einschließlich der Übungen aus. Besonders bei den Jugend- und Kinderfeuerwehren könnte das zu Motivationsverlusten führen. Deshalb möchte die Feuerwehr Videos produzieren, um den Kontakt zum Nachwuchs zu halten.

Viele Niddaer verbringen im Moment mehr Zeit im Garten. Dadurch werden einige Nutzfeuer angemeldet. Problematischer seien laut Balser allerdings die nicht angemeldeten Feuer. In den vergangenen Tagen musste die Feuerwehr wiederholt zu Einsätzen ausrücken, weil Gartenabfälle verbrannt wurden.