Nicht mehr viel dran am Band

Auch 05-Trainer Martin Schmidt hat Psychotricks auf Lager, um das Team aus dem Abstiegssumpf zu ziehen. Foto: dpa

Psychotricks, Punktebänder, die Nase überm Strich - die Bundesligisten legen sich Methoden zurecht, das Team im Abstiegskampf zu mobilisieren. Bei Mainz 05 scheint dies aufzugehen.

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. Von Dennis Rink

Bei den einen hängt eine große Zahl in der Kabine, die anderen schneiden bei jedem Punktgewinn ein Stück Band ab. Das Ziel: der Klassenerhalt. Der Sinn: die Visualisierung des Weges hin zu einer vorher definierten Marke. Das ist ein durchaus übliches Ritual bei Fußballvereinen. Ein Haufen von Einzelspielern wird so über ein gemeinsames Ziel zu einer Gruppe, die etwas erreichen möchte. Das hat es beim FSV Mainz 05 in der Vergangenheit schon häufig gegeben und es ist gut vorstellbar, dass auch Martin Schmidt eine Zahl oder ein (schrumpfendes) Band in die 05-Kabine gehängt hat.

Das befeuert jene gruppendynamischen Prozesse und jenes Gemeinschaftsgefühl, über das sich ein Verein wie Mainz 05 definiert. Und seit dem 2:0-Erfolg in Augsburg haben Schmidt und seine Jungs einen entscheidenden Vorteil: Das Ziel ist in greifbarer Nähe und erzeugt eine Sogwirkung. Es kann durchaus sein, dass den Mainzern zwei Siege (also sechs Punkte) reichen, um in der Liga zu bleiben. Zwei Siege aus neun Spielen - das scheint machbar und setzt zusätzliche Kräfte frei. Erst recht nach einem emotionalen Beschleuniger wie dem unerwarteten Dreier in Augsburg.

Komfortable Situation für Nullfünfer

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Das große Ziel ist nach der starken Bilanz unter Schmidt mit sieben Zählern in vier Partien in greifbare Nähe gerückt - und hat die Mainzer in die komfortable Situation gebracht, sich aus der Position der eigenen Stärke heraus an das rettende Ufer ziehen zu können. Es gibt aber auch eine zweite Möglichkeit, sich im Abstiegskampf Selbstvertrauen zuzureden. Oder, in diesem Fall, die bittere Wahrheit erträglicher zu machen. Hätte sich der Hamburger SV in der vergangenen Saison an irgendwelchen vor der Runde definierten Punkten orientiert, hätten die Hanseaten angesichts ihrer desolaten Bilanz direkt desillusioniert das Ticket in Richtung Zweite Liga buchen können. Hat der HSV aber nicht, weil er sich an Tabellenplätzen gemessen und Mut gefasst hat, wenn er über dem Strich stand - trotz der mageren Ausbeute. Mit Erfolg.

Das sind also die beiden gängigen Strategien, um im Abstiegskampf zu bestehen. Alles eine Sache der Sichtweise eben. Das Ziel muss erreichbar sein, dann können Gruppen sich zu emotionalen und leidenschaftlichen Leistungen aufschwingen und gemeinsam Erfolge feiern. Das ist der Vorteil des FSV Mainz 05. Zwei Siege. Sechs Punkte. Das ist machbar. Denn viel ist nicht mehr dran am Band.