Mexiko - mit Pique ins Viertelfinale. Mit Ochoa auch?

Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sang Peter Alexander 1986 "Mexico, mi amor". Archivfoto: dpa

Bei der Heim-WM 1986 gelang den Mexikanern der Sprung bis ins Viertelfinale. Mit einem neuen Star zwischen den Pfosten könnte dieses Kunststück auch in Brasilien klappen. Denn...

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. Von Carsten Schröder

Mexiko und Fußball. Bei manch einem tauchen da vor dem geistigen Auge ganz sicher die mit Sombrero behüteten Lothar Matthäus und Pierre Littbarski auf, dazu ein "Mexico, mi amor" trällernder Peter Alexander. Nun, es war 1986. Es war Fußball-WM - und die war eben in Mexiko. Es war eine Zeit, in der uns der heilige DFB noch freie Hand ließ bei der Wahl unseres fahrbaren Untersatzes. Das Bier musste nicht aus der Eifel kommen. Und wer seine Oma im Schwarzwald anrufen mochte, der steckte die Finger in eine Wählscheibe - und hatte nicht die Spur einer Ahnung, dass er irgendwann mal über unterschiedliche Anbieter wird nachdenken müssen. Einzig der Belag des Plattenspielers war zu WM-Zeiten vorgeschrieben, es gab Musik von Udo Jürgens ("Buenos días, Argentina"), Michael Schanze ("Olé España") - oder eben Peter Alexander.

Ende im Elfmeterschießen

Für die Mexikaner war die damalige WM im eigenen Land aus anderem Grund eine besondere. Nicht nur, dass besagte Kopfbedeckung reißenden Absatz fand. Es lief auch sportlich ungewohnt gut. Zwar zählte sich die El Tri - egal ob am Skagerrak oder am Rio de la Plata - vom Selbstverständnis her stets zu den Geheimtipps.

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Tatsächlich mal bis ins Viertelfinale stießen die Azteken aber einzig bei der damaligen WM im eigenen Land vor. Danach war’s mit "Mi Amor" allerdings vorbei. Gegen Deutschland unterlag der Gastgeber mit 1:4 im Elfmeterschießen. Fernando Quirarte und Raúl Servín scheiterten am deutschen Torwart Toni Schumacher, der sich selbst über Treffer von Klaus Allofs, Andi Brehme, Lothar Matthäus und Pierre Littbarski freuen durfte.

Quali am seidenen Faden

Mehr als Achtelfinale war für die Mexikaner sonst nie drin. Wenn überhaupt. Zwar lösten sie bei 17 Versuchen gleich 14 Mal ihr WM-Ticket. In der Nordamerika-Gruppe kam dieses aber lange Zeit eher einer Freikarte gleich. Schließlich wurde zwischen Guadalajara und Monterrey schon 1943 in einer Liga gespielt, während sie in den benachbarten USA beim Begriff Football noch auf Jahrzehnte hinaus an ein Leder-Ei dachten.

Mittlerweile ist Konkurrenz erwachsen. Und schon die Qualifikation für die WM in Brasilien hing am seidenen Faden. Hinter den USA, Costa Rica und Honduras kam die "Tri" auf Platz vier ins Ziel und schaffte unter dem kurzfristig als Teamchef engagierten Miguel Herrera erst in den Playoffs gegen Neuseeland (5:1 und 4:2) die Quali für Brasilien.

Neuer Star steht zwischen den Pfosten

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Unter einem guten Stern stand diese zunächst mal nicht. Im letzten Test gegen Ecuador (3:1) schied mit Luis Montes ein torgefährlicher Antreiber fürs Mittelfeld mit einem Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins aus, dazu blieb Kapitän Rafael Marquez, eins Champions League-Sieger mit dem FC Barcelona, in der Kabine. Der Verdacht auf einen Bruch des Mittelfußes sollte sich allerdings nicht bestätigen, weshalb der 35-Jährige jetzt wie erhofft der mexikanischen Innenverteidigung die nötige Stabilität verleiht.

Als tatsächlicher Star entpuppt hat sich derweil Torwart Francisco Ochoa, der nicht nur im ersten Spiel den hoch verdienten 1:0-Sieg (Torschütze Oribe Peralta) gegen Kamerun durch eine tolle Flugeinlage bei einem Kopfball von Benjamin Moukandjo in der Nachspielzeit festhielt. Im Duell mit Gastgeber Brasilien ließ der Lockenkopf die Südamerikaner reihenweise verzweifeln, weshalb der Gastgeber nach einem torlosen Remis mit Pfiffen durch das einheimische Publikum verabschiedet wurde.

In der Konsequenz dürfen sich die Mexikaner auch diesmal wieder berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die K.o.-Runde machen. Ausgespielt wird dies im direkten Duell mit Kroatien, gegen die der Herrera-Truppe ein Remis reichen würde. Und auch wenn der Coach seine Elf längst zum Titelkandidaten ernannt hat, darf man doch sehr gespannt sein, ob dann mehr als Achtelfinale raus kommt. Es warten nämlich Chile oder die Niederlande.

Übrigens, ganz egal wie es ausgeht. Auch in Mexiko sind sie in Sachen Marketing längst ein gutes Stück weiter. Die Nummer eins trägt nämlich ein gewisser Josè Corona. Na denn, Prost!

Am nächsten Spieltag widmen wir uns Costa Rica und der Elfenbeinküste.