Mein Gott, Walter!

Wiedersehen mit Walter Ayovi (gelbes Trikot, Nummer 10). Foto: dpa

Dieses Länderspiel wird in die Geschichte des FSV Mainz 05 eingehen. Aber nicht wegen Nicolai Müller - sondern wegen des Wiedersehens mit Walter Ayovi.

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. Dieses Länderspiel wird in die Geschichte des FSV Mainz 05 eingehen. Aber nicht wegen Nicolai Müller wurde es den Anhängern des Fußball-Bundesligisten beim Sieg der DFB-Elf gegen Ecuador warm ums Herz. Der kam ja auch erst eine Minute vor Schluss aufs Feld. Nein, hier soll die Rede sein vom wundersamen Wiedersehen mit Walter Ayovi.

Walter Ayovi? Richtig, da war doch was!

Wir schreiben das Jahr 2005. Es ist Januar, in Deutschland bitterkalt und Mainz 05 - vor einem halben Jahr aufgestiegen - sucht dringend einen neuen Offensivspieler für die Rückrunde. Bald fällt das Auge von Manager Christian Heidel auf einen jungen Mann, der beim Barcelona Sporting Club in Quito kickt: Walter Orlando Ayovi Corazo, genannt "Macaco".

Ein Hauch von Abenteuer

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Zwar gibt es um diese Zeit bereits das Internet, aber Verpflichtungen aus Südamerika beinhalten immer noch einen Hauch von Abenteuerfaktor. Doch die Ayovi-Saga bietet mehr: Sie ist eine der besten Räuberpistolen der jüngeren 05-Historie. Denn als die Mainzer den Linksfuß in ihrem Trainingslager in Spanien vorspielen lassen wollen, geht es drunter und drüber. Sein Klub will ihn angeblich nicht ziehen lassen, Ayovi kriegt angeblich kein Visum, er verschwindet auf dem Weg zur deutschen Botschaft, seine Frau und ein sein Berater kriegen angeblich keinen Kontakt zu ihm, schon macht das Wort "Kidnapping" die Runde - tagelang beherrscht das Phantom Walter in Mainz die Schlagzeilen.

Als er dann schließlich mit zwei Wochen Verspätung doch noch auftaucht, hat er seine Probleme mit dem Wetter ("Bei uns wird es nie kälter als zwölf Grad"), wird bei einem Testspiel gegen Eintracht Trier eingewechselt und fällt vor allem dadurch auf, dass sein goldenes Schuhwerk nicht zum gefrorenen Bruchweg-Rasen passt. 4.800 Fans feiern Ayovi trotzdem frenetisch bei jeder Aktion, und Trainer Jürgen Klopp staunt: "Der hat hier schon Kultstatus".

Doch dann kriegt der arme Mensch die Grippe und "Kloppo" Zweifel. Mainz verzichtet schließlich auf Walter, der erhält die Nachricht am Krankenbett - trauriges Ende einer lustigen Geschichte.

Post für "Herrn Heiteli"

Etwas Bleibendes hat der Mann mit dem urdeutschen Vornamen aber geschaffen: In seiner Causa schickte nämlich sein Stammverein ein Fax an Heidel, das an "Herrn Heiteli" adressiert war. Damit hatte der 05-Manager fürs erste seinen Spitznamen weg, einige Fans nennen ihn deshalb heute noch "Don Heiteli" oder einfach nur "Don".

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Nun, so schlecht ist es Walter, wie wir seit dem Länderspiel in Florida wissen, nicht ergangen. Ayovi, mittlerweile 33 Jahre alt, kickt jetzt in Mexiko beim FC Monterrey, da gibt es auch gutes Geld zu verdienen. Und in seinem 37. Länderspiel hat er Jogis Jungs sogar einen eingeschenkt, zum 2:4-Endstand.

Wir Mainzer haben uns jedenfalls riesig gefreut, ihn wiederzusehen: "Mein Gott, Walter!" Vielleicht hätte jemand ARD-Reporter Tom Bartels diese Geschichte mal erzählen sollen. Dann wäre die Übertragung noch unterhaltsamer geworden.