Manitu, was machst denn Du?

Der kürzlich gestorbene Pierre Brice in seiner Paraderolle als apachen-Häuptling Winnetou (im Bild mit Lex Barker als Old Shatterhand). Archivbild: dpa

Dem großen Manitu hat es gefallen, Winnetou in die ewigen Jagdgründe zu rufen. Wir sind sehr traurig. Vielleicht hat Winnetou einfach die Spätfolgen des Halbbluts...

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. Winnetou war ein absoluter Trendsetter, seiner Zeit weit voraus. Sein Stirnband - nachgeahmt von Millionen Hippies in den wilden Siebzigern. Seine Haarpracht: Tal des Todes, sechs Uhr morgens, die Frisur hält, schon lange vor Drei-Wetter-Taft. Die Sache mit der Blutsbrüderschaft, na, ja, unter hygienischen Gesichtspunkten nicht so der Brüller. Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen. Und überhaupt dieses ganze Getue Winnetou/Old Shatterhand, letzterer auch noch ganz in Leder. Okay. Heute, in Zeiten der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil.

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Auch die wunderbaren Karl-May-Kinofilme Anfang der sechziger Jahre: nachgerade visionär! "Unter Geiern" - von Lehman Brothers und dem Bankencrash war da noch lange kein Rauchzeichen am Horizont. "Der Ölprinz" - vom Namen "Putin" hatte da noch kein Mensch gehört. "Durchs wilde Kurdistan" - da ahnte noch niemand vom Aufstieg des Recep Tayyip Erdogan. Weltstars begannen in diesen Filmen ihre Karriere. Götz George konnte schon fleißig üben für später: Schimanski. Uschi Glas musste, so lesen wir, als Halbblut Apanatschi wegen ihres bayerischen Idioms synchronisiert werden, wohingegen später weder bayerische Ministerpräsidenten, noch Fußballkaiser noch Loddars synchronisiert wurden, was - ja gutt, äähh - vielleicht ein Fehler war. Auch Klaus Kinski war mal dabei. In den sechziger Jahre war es noch so, dass er die Bekloppten nur s p i e l t e, aber man konnte schon ahnen, wohin das Ganze lief. Terence Hill nannte sich noch Mario Girotti, völlig zu Recht, denn als solcher wurde er 1939 in Venedig als Sohn eines italienischen Vaters und einer Dresdner Mutter geboren. Man stelle sich vor, Bud Spencer hätte in den Karl-May-Filmen mitgespielt! Vier Fäuste für Apanatschi. Die linke und die rechte Hand des Manitu. Mario Adorf gab in "Winnetou 1" (1963) den Schurken Santer, und das machte er so gut, dass Dieter Wedel ihn schon damals für die 38 Jahre später stattfindenden Wormser Nibelungenfestspiele als Hagen unter Vertrag nahm.

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Samstag, 6. Juni, war ein unglaublich wichtiger Tag. Denn man konnte am Beispiel dieser unserer Zeitung klar erkennen, wie wichtig Zeitung als solche ist. Denn: In einer unglaublichen Konzentration fanden sich auf zwei hintereinander folgenden Seiten folgende Themen: 1.) Vor 50 Jahren Stones-Hit "Satisfaction". 2.) Die Muppets-Figur "Miss Piggy" erhält in New York einen Ehrenpreis als Frauenrechtlerin. 3.) Das sogenannte "Viagra für Frauen" nimmt in New York die erste Zulassungshürde der Arzneibehörde, zunächst nur für den Verkauf in den USA. Unglaublich. Das kriegen Sie nur bei der Zeitung, in dieser Dichte, live auf Papier, zum Anfassen sozusagen. Und alles hängt mal wieder mit allem zusammen.

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Fangen wir bei den "Stones" an. Wir lesen, Keith Richards habe die Grundmelodie von "Satisfaction" nachts quasi im Koma erfunden. Leuchtet völlig ein. Keith Richards, das Antlitz der Apokalypse, oder, wie manche sagen, der fleischgewordene Weltdrogenbericht.

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Schwieriger Übergang jetzt. Zur Preisverleihung an Miss Piggy erklärte die US-Frauenaktivistin Elizabeth Sackler: "Wahre Schönheit kommt von innen." Das sagen wir schon seit ewigen Zeiten! Nur: Manchmal kommt halt auch von innen nix. Kermit, der Frosch, ließ erklären, er sei immer für Miss Piggy da. Wir raten ihm, auf der Hut zu sein. Vielleicht wirft ihn Miss Piggy eines Tages doch an die Wand in der Hoffnung, dass George Clooney herauskommt.

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Und nun nicht zuletzt: "Viagra für Frauen". Völlig okay, im Zeichen der Gleichberechtigung. Ein bisschen schwierig ist der richtige Name des Präparats: Flibanserin. Klingt ein bisschen nach "ausflippen". Flibanserin beeinflusse, so lesen wir, im Gehirn unter anderem die Botenstoffe Dopamin und Serotonin. War da nicht mal was, dass Bananen das machen? Nun weist die Deutsche Presse-Agentur darauf hin, dass Flibanserin ursprünglich eine Entwicklung eines in Rheinland-Pfalz ansässigen Pharmaunternehmens war, das das Projekt aber 2010 aufgegeben beziehungsweise einem anderen Unternehmen überlassen habe. Merke: Die Flinte nie zu früh ins Korn werfen, oder so.