Magic & Merkel

Seehofer schnurrte wie wild auf dem CDU-Parteitag. Fast hätte Merkel einen Bodyguard gebraucht. Wäre ein guter Job für Altmaier.

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. Wenigstens einmal im Jahr, Richtung Weihnachten, soll man ja seine mitfühlende Seite zeigen und Mühselige und Darniederliegende unterstützen. Deshalb wählten wir die Deutsche Bahn (DB), um nach Hannover zum CDU-Parteitag zu gelangen. Wie meinen? Mit den "Darniederliegenden" meinen wir natürlich die Bahn! Leute! Also. Mit der S-Bahn von Mainz nach Frankfurt, proppenvoll, das pralle Leben, Stehplatz, und wir erfuhren aus umliegenden Gesprächen und Gerüchen enorm viel über Glühwein, Offenbacher Weihnachtsfeiern, C-Jugend-Fußballspiele, Scheidungen und Bandscheibenvorfälle. Jeweils thematisch getrennt. In Frankfurt sodann die Ansage, der ICE habe 45 Minuten Verspätung. Waren mal wieder die Weichen eingefroren? Wäre absolut nachvollziehbar, denn schließlich zeigte das Thermometer sibirische drei Grad plus.

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Unser deutlich vorgetragener Unmut im DB-Reisecenter förderte die Botschaft zutage, es handele sich um einen bedauerlichen Einzelfall. Wir erwiderten, dass es sich bei der ganzen Bahn um einen bedauerlichen Fall handele. Der Gag wurde aber nicht verstanden. Auch unsere Anfrage, ob man die ICE-Fahrkarte nicht gegen eine S-Bahnkarte nach Offenbach eintauschen könne, dort sei es wenigstens lustiger als in Hannover und zudem erfahre man in der S-Bahn enorm interessante Sachen, stieß nicht auf Gegenliebe.

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Völlig deprimiert fiel unser Blick im Reisecenter zum einen auf Plakate, die aufforderten: "Besuchen Sie den Bliesgau im Saarland", und zum anderen auf junge Damen in roten Jacken, auf deren Rückseite (Rückseite der Jacken!) zu lesen stand: "So wenig Zeit muss sein. Ihr neuer DB-Automat". Damit stieg der Bliesgau schon mal aus. Während wir noch darüber nachdachten, in welcher Relation die jungen Damen, die roten Jacken und die neuen DB-Automaten zueinander stehen könnten, ob vielleicht gar die roten Jacken die Automaten seien, man weiß im Zeitalter der Apps ja nie, da kam auch schon der Zug. Nur 30 Minuten zu spät. Das heißt, wenn wir uns auf die Ansage "45 Minuten Verspätung" verlassen hätten, wären wir an diesem Montagabend nicht mehr nach Hannover gekommen. Es sei denn, mit der S-Bahn nach Offenbach und dann weiter mit dem Taxi über Kassel und Göttingen. Im Zug gab es dann Flyer "Jetzt auch Coke Zero an Bord". Ganz schlecht. Kleiner honorarfreier PR-Hinweis an die Bahn: Aus eigenem Antrieb (!) absolut alles vermeiden, was auf Nullen und Flaschen hindeutet.

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Zu nachtschlafender Zeit auf dem Hauptbahnhof in Hannover stellten wir beruhigt fest, dass dort nicht Christian Wulff herumlungerte. Unsere Sozialsysteme funktionieren also noch, zumindest in dieser Besoldungskategorie. Irgendwie hatten wir ja gehofft, wenigstens Gerd Schröder zu sehen, beim Zigarrenkaufen am Kiosk, oder so. War aber auch nicht da. Hockte vielleicht heimlich mit Angela Merkel zusammen.

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Der Parteitag selbst war dann herzzerreißend. Phantastisches Wahlergebnis für unser aller Kanzlerin. Nicht bestätigen können wir Gerüchte, dass die Parteiführung CDU-Delegierten zehn Euro Bestechungsgeld für Nein-Stimmen anbot, damit Merkel nicht am Ende 105 Prozent bekäme.

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Merkel war dann für ihre Verhältnisse ziemlich gerührt, wollte noch irgendwas Lustiges, Aufmunterndes sagen und sagte tatsächlich, wir haben es mit eigenen Ohren gehört: "Ran an den Speck." Leider haben wir nicht gesehen, ob in diesem Moment der CDU-Parteifreund, Umweltminister Altmaier, Peter, the Body-Mass-Index, wie wir ihn nennen, zusammenzuckte. Manche nennen Altmaier, der 130 Kilo Lebendgewicht von sich aus zugibt, mittlerweile "das fleischgewordene Überhangmandat". Wir schauen ihn an und denken, dass der Schneider, der ihm seine Anzüge macht, den Friedensnobelpreis verdient oder mindestens den Body-Mass-Design-Award.

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Das Allerwichtigste am CDU-Parteitag war dann aber natürlich Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen. Unglaublich, dieser Typ. A Hund isser scho, wie man in Bayern sagt. Alles Super mit der Union, findet er: "basst scho" - hochdeutsch: passt schon. Wir wissen jetzt allerdings nicht, wie das damals war mit der aushäusigen Dame und dem unehelichen Kind, ob der Horst da auch "basst scho" gesagt hat. Jedenfalls ist er dann mit Brachialcharme auf die arme Angela Merkel losgegangen und hat sie mit Komplimenten überschüttet, sodass wir uns schon überlegt haben, wer sich auf dem Podium schützend vor sie wirft im Extremfall, wir, oder der Altmaier Peter, der wär da als Bodyguard sicher nicht schlecht gewesen, wobei dieser Begriff dann in ganz neuem Licht erschienen wäre.

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Vielleicht war der Horst dadurch animiert, dass Merkel "Ran an den Speck" gesagt hatte. Vielleicht dachte der Horst, Merkel habe die CDU damit quasi zur kollektiven Maus erklärt, und da war es dann natürlich kein Wunder, dass Seehofer sagte, die CSU werde in Zukunft ein schnurrendes Kätzchen sein.

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Mein Kater Bébé ist über derlei Sprüche allerdings not amused und lässt uns, seinen Pressesprecher, dazu erklären: "Tiervergleiche sind ethisch inakzeptabel. Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?! Das fängt schon damit an, dass jeder besoffene Penner, wenn ihm am nächsten Morgen der Schädel brummt, jammert, er habe einen Kater. Kein Kater, der auf sich hält, würde sich derart gehen lassen! Und was soll das denn heißen: ‚Ich bin hundemüde‘? Dann bewegt euren Hintern halt gefälligst früher ins Bett zum Schlafen!" Herr Seehofer, so Bébé abschließend, solle auf seinen Cholesterin- und Hormonspiegel achten. Genau. Basst scho.