Lasst uns Schlitten fahren mit Alice

Vladimir Putin (r.) und IOC-Präsident Thomas Bach bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi. Foto: dpa

Sotschi ruft. Putin wird nicht am Biathlon teilnehmen. Zu gefährlich.

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. Man hat als gefühlter Gleichstellungsbeauftragter einer Redaktion schwerwiegende Pflichten, zum Beispiel, die Fachpresse im Auge zu behalten. Und so wollten wir uns gerade gemütlich zurücklehnen, um die spannenden Reportagen im "Playboy" zu lesen, als diese Geschichte mit Alice Schwarzer hereinplatzte. Wie meinen? Nein, Alice Schwarzer kommt nicht im "Playboy" vor. Leute! Verehrte Leser, wir Männer kennen Frau Schwarzer vom Fernsehen, und wir sind ganz froh, dass da noch eine Glasscheibe zwischen ihr und uns ist. Sie wurde am 3. Dezember 1942 in Wuppertal geboren. Und wahrscheinlich war es so, dass sie irgendwann merkte, dass der Papst auf keinen Fall mit ihr eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen würde. Da sagte sie sich: Na, gut, dann werd‘ ich halt Feministin. Vermutlich hat auch der Papst das insgesamt für die bessere Lösung gehalten. * Wenn wir das aber richtig verstehen, was da jetzt herauskam, wird man feststellen: Da ging aber mal eine Frauenbewegung sehr unzweideutig in eine Richtung. Nämlich in Richtung Schweiz. Vergessen, Zinsen anzugeben - nun, irgendwo auch entschuldbar, denn Frauen haben wissenschaftlich nachgewiesen das kleinere Gehirn. Trotzdem neigen wir dazu, Frau Schwarzer künftig Schwarzgeld-Lissy zu nennen. Ein bisschen was heimlich auf die hohe Kante, das ist im Grunde kein schlechtes Prinzip. Lieber Sparstrumpf als Blaustrumpf. Allerdings kannte man so gezielte Geld-Beiseiteleg-Aktionen bislang eher von jungen Frauen, die für ihre Brautschuhe sparten. Das scheint bei Alice aber nicht das Motiv gewesen zu sein. Wahrscheinlich hatte sie schon ganz früh die eiserne Grundregel "nicht alle Eier in einen Korb legen" beherzigt. Wie meinen? Also, das ist eine Regel für Kapitalanleger! Die "Eier" sind das Kapital, und man soll es unter dem Aspekt "Risiko" verteilen! Andererseits: Eigentlich müsste eine gestandene Feministin gegen den Begriff "Nummern-Konto" gewisse Ressentiments entwickeln. * Wir stellen uns die Szenerie so vor: Alice verschaffte sich Unterstützung von Schweizer Bank- und Steuerberatern. Bedenken wischte sie beiseite, indem sie wie beiläufig ein Küchenmesser auf den Tisch legte. Die Berater dachten dann nicht an Gemüse-Schnippeln, sondern bekamen Angst um ihre primären Geschlechtsmerkmale, man(n) kennt ja solche Geschichten, wäre dann "Riiiccooollaaaa" auf die harte Tour. * A propos harte Tour. Die Olympischen Winterspiele von Sotschi. Putingrad, wie manche es nennen. Wir, mein Kater Bébé und ich, haben mit Interesse in den Nachrichtenagenturen gelesen, dass man in Sotschi Prämien für das Einfangen freilaufender Hunde und Katzen ausgelobt hatte. Wir halten es für die angemessenere Vorgehensweise, Prämien für das Einfangen freilaufender Putins auszuloben. Allerdings hat Putin von dem Gedanken Abstand genommen, Edward Snowden die russische Fahne beim Einmarsch tragen zu lassen. Feierliche Sache, so ein Einmarsch. Motto: Lieber die Fahne tragen als eine haben. * Immer politisch, solche Olympischen Spiele. Wir lesen, dass das russische Eishockeyteam ganz unbedingt die Goldmedaille gewinnen muss. Ansonsten werden Prämien auf freilaufende Eishockeyspieler ausgesetzt. Früher nannte man das: Sie spielen "SOS" - Sieg oder Sibirien. Sehr politisch, alles. Wir wissen nicht, ob der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un zu Besuch kommt. Das ist der kleine Klops, der gerne mal seine Verwandtschaft abmurksen lässt. Also, vom Biathlon würde ich den fernhalten, der ist imstande und baut da echt Mist. Dem Nachrichtenmagazin "Focus", das nicht mehr so lustig ist im Fernsehen, seitdem der gemütliche Darmstädter Helmut Markwort nicht mehr Chefredakteur ist, entnehmen wir, dass die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nicht nach Sotschi fährt. Schade. Sie wäre wunderbar geeignet, den kleinen Klops platt zu machen. * Erstmals gibt es in Sotschi Skispringen für Damen. Wir lesen, dass sich das Frauen-Skispringen um die Jahrtausendwende entwickelte. 2002 nahmen demnach etwa 300 Frauen an Sprungwettbewerben teil, darunter rund 200 Norwegerinnen, 40 Japanerinnen, 40 Österreicherinnen (Diri do da dödel du) sowie, wie es heißt, einige Deutsche. Darunter auch eine gewisse Alice S., die gerne mal rüber in die Schweiz sprang... kleiner Scherz.