Kein Bier auf Obama

Hawaii oder Homburg (Saar): Jetzt ist Reisezeit. Und wir wissen jetzt auch, wo "das liebe Gott" herkommt.

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. Naaa? Seid Ihr auch alle noch da? Nix Weltuntergang. Um ein paar lustige Sachen wäre es auch wirklich schade gewesen. Zum Beispiel: Einkaufen an Eiligab... Pardon, an Heiligabend. Supermarkt, 13 Uhr, die Frisur sitzt. Und gerade dann muss Zeit sein für Feinheiten... Nein, nicht bei der groben Leberwurst! Für Feinheiten der deutschen Sprache. Die Verkäuferin schaut uns erwartungsvoll an. Wir sagen: "Ich bin bedient", wo doch eigentlich gemeint war: "Ich werde schon bedient." Die Verkäuferin grinst.

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Wie kriegen wir da jetzt den Übergang. Wir müssen noch mal zurückkommen auf diese Sache um Weihnachten, da zum einen ein Kindlein geboren ward und zum anderen die für die Kindlein von Amts wegen zuständige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von...Wie meinen? Nein, nicht vom Himmel hoch. Sie kommt aus Wiesbaden. Nun denn. Sie sagte, statt "der liebe Gott" könne man auch sagen: "das liebe Gott." Wir haben gegrübelt und gegrübelt, wo wir so was schon mal gehört haben - und plötzlich: genau! "Es Hilde"! Das ist die Ehefrau aus der saarländischen Fernsehserie "Familie Heinz Becker" von und mit dem Kabarettisten Gerd Dudenhöffer. Die Frau vom Becker Heinz heißt nicht "Hilde" oder "die Hilde", sondern "es Hilde". Also eigentlich "das" Hilde. Neutrum. Dudenhöffer ist Saarländer, was vielleicht nicht alles, aber manches erklärt. Die Ministerpräsidentin vom Saarland ist...Nein, nicht es Hilde! Sondern Frau Kramp-Karrenbauer (CDU), es Annegret. Und vor dem letzten CDU-Bundesparteitag hat, wie zu hören ist, es Annegret unser aller Kanzlerin, man könnte auch sagen: es Angela, dazu bewogen, die Zahl der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden auf fünf zu erhöhen, damit die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Klöckner, es Julia, keine Kampfkandidatur zu absolvieren brauchte - die sie allerdings haushoch gewonnen hätte, weil, der Parteitag war gut druff.

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Kulturhistorisch betrachtet wissen wir jetzt also, wo das herkommt, mit "das liebe Gott." Von "es" (= "das") Hilde. Womit sich allerdings eine ganz fürchterliche Frage stellt: Ist Gott Saarländerin?

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"Es" respektive "das" spielt eine eminente Rolle, im Saarland im Globalen und in der Welt im Kleinen. Da ist zum Beispiel die saarländische Sängerin Nicole, es Nicole oder das Nicole, die allererste deutsche Siegerin beim Gran Brüh Eurovision Chamsom, mit "Ein bisschen Frieden", aber eigentlich müsste es ja heißen "D a s bisschen Frieden!?", denn das wäre der richtige Tonfall. Eine andere weltberühmte saarländische Person ist Lafontaine, der Oskar - da gibt es nichts zu deuteln. Seine derzeitige Gefährtin ist Sahra Wagenknecht, bei ihr allerdings an das Neutrum "das" oder "es" zu denken, wäre schon auf den ersten Blick absurd. Wagenknecht hat diesen enorm attraktiven Haaransatz erfunden sowie quasi auch teilweise den Marxismus. Karl Marx, 1818 geboren in Trier - und wenn dir so was widerfährt, hast du nur eine Chance im Leben: Epochales schaffen. Das gelang Marx auch mit seinem Hauptwerk - und da haben wir‘s schon wieder: das Kapital.

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Andere großartige Staaten kommen erst gar nicht in die Verlegenheit mit "es" respektive "das". Unsere französischen Freunde zum Beispiel kennen nur "le" und "la", männlich oder weiblich, da muss man sich entscheiden, schnell und knallhart. Dass das den meisten männlichen Franzosen aber absolut leicht fällt, zeigt exemplarisch der Fall unseres Freundes Dominique "für-die-Frauenquote-springe-ich-aus-jeder-Hoteldusche" Strauss-Kahn, von dem wir Mitte Dezember lasen, dass er sich jetzt mit dem Zimmermädchen, das (!) ihn der Vergewaltigung bezichtigt hatte, finanziell einigte. Spekulationen zufolge zahlte Strauss-Kahn, so lesen wir bei der Deutschen Presse-Agentur, einen unfassbaren Betrag, den wir deshalb kaum wagen in den Mund zu nehmen: 4,6 Millionen Euro. Aber wir schweifen ab. Die Engländer gar haben nur einen einzigen Artikel, "the", ein bisschen ärmlich - und für uns sehr unpraktisch, wo doch das Wichtigste, was es je in den deutsch-britischen Beziehungen gab, gibt und geben wird, den Artikel "das" braucht: Das dritte Tor im WM-Finale von Wembley 1966 gegen Deutschland war nicht drin.

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Obama verließ dieser Tage seinen Urlaubsort Hawaii vorzeitig, so schreiben die Nachrichtenagenturen. Nein, die US-Waffenlobby NRA hat ihn nicht entführt! Leute! Sondern: Es kriselt, weil die USA überhaupt kein Geld mehr haben. Was eigentlich kein Wunder ist. Geben halt alles für Knarren aus. Etatkrise, deshalb musste der arme Obama weg von dem wunderbaren Hawaii mit seiner interessanten Geschichte. Am 20. Januar 1778 landete auf der Insel Kaua‘i James Cook, ist ja keine Kunst, mit einem eigenen Reiseunternehmen. Er nannte die Inseln dort "Sandwich Islands", wahrscheinlich hatte er einen Sponsorenvertrag mit McDonalds oder Burger King. Königreiche gab es dort eine Menge. 1893 wurde zum Beispiel die Königin Lili ‘uokalani durch einen Putsch gestürzt, wahrscheinlich, weil sie die guten Ratschläge der NRA nicht beherzigt hatte. 1959 wurde Hawaii 50. US-Bundesstaat. 1960 durften die Hawaiianer erstmals bei einer US-Präsidentenwahl mitmachen. Sie votierten zu 80 Prozent für Lili ‘uokalani... kleiner Scherz. 1963 dann der absolute hawaiianische Höhepunkt: Der in Wiesbaden geborene berühmte Musiker Paul Kuhn sang: "Es gibt kein Bier auf Hawaii", woraufhin sich viele Hawaiianer angeblich für einen Beitritt Hawaiis zur Bundesrepublik Deutschland aussprachen. Stattdessen trat dann 1990 die DDR bei. Das lag näher, immerhin.