Jetzt hilft nur noch die Pep-Quote

Stilikone und der Mann für die neue Quote: Pep Guardiola. Foto: dpa

Heute - urlaubsbedingt - von Alexandra EisenZuerst die gute Nachricht: Nächste Woche ist die Durststrecke vorbei und diese Kolumne wieder in der gewohnten Hand des Kollegen...

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. Fürs Twitter-Protokoll: #Aufschrei - Wir verwahren uns gegen den sexistischen Vergleich mit einer Maus.

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Die schlechte Nachricht: Der Kollege hat sich nicht nur seiner Fangemeinde entzogen, sondern auch uns. Und deshalb hatten wir keine Chance, ihn aus gegebenem Anlass zu umarmen und Glück zu wünschen. Wir hoffen, er hat auch ohne uns ordentlich gefeiert, immerhin handelt es sich um einen ausgezeichneten Jahrgang.

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Ein großer Fan von Umarmungen ist dagegen Altkanzler Gerhard Schröder, der sich zum Geburtstag von seinem lupenreinen Männerfreund Wladimir in St. Petersburg herzlich drücken ließ, um es danach bei Lachshäppchen und Krimsekt krachen zu lasen. Auch wenn der Titel von Schröders jüngstem Buch "Klare Worte" heißt, ist bislang nicht überliefert, ob er diese auch beim Feiern mit Putin sprach. Vielleicht hält er das auch für unnötig, immerhin schreibt er über seinen russischen Freund: "Ich nehme ihm ab, dass eine funktionierende Demokratie und ein stabiles Staatswesen seine Ziele sind." Ja. Wodka ist ein alkoholfreies Getränk und die Wolga fließt ins Mittelmeer.

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Kritisch geht dafür Bundespräsident Joachim Gauck mit Freunden um und hat in dieser Woche auf die nicht funktionierende Demokratie in der Türkei hingewiesen. "Das ist normal unter Freunden", meint Gauck. Ein türkisches Sprichwort sagt: "Dost aci söyler" - Ein Freund sagt auch bittere Wahrheiten. Der türkische Premier Erdogan sieht das offensichtlich anders.

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Die männlichen Protagonisten dieser Woche bringen uns dazu: Wir starten die Twitter-Kampagne #Verzweiflung. Auch der Fußball hebt unsere Stimmung nicht. Der FC Bayern fliegt gegen Real Madrid aus der Champions League. Also kein Finale mit Stil-Ikone Pep Guardiola an der Außenlinie. Auch während des Halbfinales war die Ausbeute in dieser Hinsicht mager. Wir plädieren deshalb für die Einführung einer linearen Pep-Quote: Je schlechter das Tiki-Taka auf dem Rasen, desto häufiger muss ihn die Senderegie einblenden. Das wären wir am Dienstagabend mal in einen echten Genuss gekommen.

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Pep wird hoffentlich nie im Trainingsanzug am Spielfeldrand auftauchen, obwohl bequeme Sportklamotten in dieser Saison die internationalen Laufstege erobern. Schwer enttäuscht sind wir diesbezüglich von Karl Lagerfeld, der jüngst Chanel-Models in rosa Jogginghosen und Sweater steckte. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", hatte er einst gesagt. Selbst auf King Karl ist kein Verlass mehr.

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Vom schönen Pep zur schönen Helene Fischer, aufgewachsen im rheinhessischen Wöllstein, derzeit in Wiesbaden zu Hause - also quasi eine von uns. Trotzdem geben wir zu, dass uns der visuell-akustische Fischer-Overkill ein wenig ungnädig macht. Wer jemals erlebt hat, wie ansonsten völlig normal pubertierende Teenager begeistert "Atemlos durch die Nacht" mitsingen, wird das verstehen. Das wäre uns früher nicht passiert. Wir wären atemlos durch die Nacht gezogen, aber wir hätten das NIEMALS gesungen.

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Wir sind nicht allein! Nachdem ein Professor der Stuttgarter Universität Helen-Fischer-Lieder aus den Hörsälen verbannen will, fordert nun auch ein Stuttgarter Gemeinderat nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ein Helene-Fischer-Musikverbot für das Volksfest Canstatter Wasen - weil die Festzeltgäste des Nachts atemlos und zu laut mitgrölten. Es wird nichts nutzen, die schöne Helene arbeitet weiter an der Fischerisierung des Landes. In diesem Jahr darf sie auch die deutsche Punktevergabe beim Eurovision Song Contest vorlesen. Damit ist zumindest gesichert, dass sie für uns nicht in Kopenhagen singt.

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"Eurovision ist die Möglichkeit, Fehler und Dummheit, die man sonst nur im eigenen Land gesehen hätte, in ganz Europa zu sehen". Dieser weise Satz stammt von Heinz Schenk, einem der großen Showmaster der Vor-Kabel-Ära - geboren in Mainz, in Wiesbaden zu Hause, auch einer von uns. Am 1. Mai hat er die Bühne für immer verlassen. Und egal, was unsere pubertierenden Kinder nun von uns denken - wir singen jetzt laut seinen 90er-Jahre Kino-Hit "Witzischkeit kennt keine Grenzen" und trinken einen Äppelwoi auf ihn.