Im Notfall Schwester Angela

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Die Operation Jamaika hat begonnen. Da wird es bei allen scharfe Einschnitte geben. Verhandeln, bis der Arzt kommt. Hoffentlich muss der nicht mit der Bahn kommen. Denn die...

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. „Nur im Ernstfall in die Klinik“, lesen wir als Schlagzeile auf der Titelseite unserer Zeitung und schlussfolgern: Die Jamaika-Verhandlungen haben begonnen. Völlig überfüllt sei die „Notfallaufnahme“, wie in Fachkreisen das Vorzimmer des Bundeskanzleramts genannt wird.... Kleiner Scherz. Es ging in dem Bericht um ernsthafte Medizin. Wobei die Grenzen zur Politik fließend sind. „Schwester Angela, legen Sie dem schwer verletzten Patienten Seehofer doch bitte mal eine kleine Raute. Die dentalen Kollegen haben ihm den Zahn mit der Mütterrente ja schon gezogen. Und jetzt operieren wir ihm noch die Obergrenze raus.“ * Es wird rundgehen im Berliner Politikbetrieb. Die SPD baut sich eine Gegen-Mutti auf, das Sozi-Imperium schlägt zurück. „Bares für Rares“ ist eine sehr erfolgreiche ZDF-Sendung, da sehen wir für den Bundestagswahlkampf 2021 den Slogan „Nur Nahles ist Wahres“ schon vor unserem geistigen Auge. Für den Parteivorsitzenden dagegen ist die Jahreszeit jetzt gefährlich; wir hoffen, dass er nicht das Schicksal der nach ihm benannten Gänse erleidet. * Bei der FDP: Scheitel statt Scheitern, Lindner, der mit den Haaren. Der Name kommt ja eindeutig von „Linde“, dem Baum, und da lesen wir bei Wikipedia, die Linde zähle zur Familie der Malvengewächse. Und Malven sind ja ganz deutlich Richtung Malediven, also praktisch so gut wie Jamaika. Was uns nebenbei ein bisschen irritiert, ist der Hinweis: „Lindenarten vermehren sich auch durch Stockausschlag“. Aber das wird ihm Mutti schon austreiben. * Wir lesen eine Stellenanzeige, man weiß ja nie. „Du willst jeden Tag neue Menschen treffen.“ Zwischen die Augen? Dann sucht der Terminator oder, wahrscheinlicher, Alexander Gauland einen Assistenten, oder? Falsch. Unsere Freunde von der Bahn sind auf der Suche: „Quereinsteiger zur 1. Klasse Stewardess (w/m).“ Wir sind irritiert; klar steigt man quer in den Zug, von der Längsseite her von vorne über die Lok ins Abteil zu klettern wäre irgendwie blöd. „Jetzt anmelden“, lesen wir, und: „egal, welchen beruflichen Hintergrund du hast.“ Mmhh. Das könnte man auch klarer formulieren: „Du hast nix Anständiges gelernt? Rechtschreibung hast du nie kapiert? Du hast zwei linke Hände und bist zu doof, ein Handy einzuschalten? Bei uns bist du richtig!“ Nein, das war jetzt böse. Allerdings ist der echte Anzeigentext schon sehr eigenwillig: „Du willst ganze Abteile glücklich machen – und zwar in ganz Deutschland?“, lesen wir. Mein lieber Scholli! Ist Speed-Dating das neue D-Zug-Tempo? Kinder, wie immer, fragt die Mama, was das ist: D-Zug-Tempo. Immerhin wissen wir dank „Parship“: Alle elf Minuten verliebt sich eine Diesel-Lok in einen Speisewagen, oder so. * Es gibt Sätze, die sind so peinlich, dass man sie besser lässt. „Kommt‘n Mann zum Arzt“ ist so einer. Aber auch: „Die Bahn will pünktlicher werden.“ Trotzdem schreibt „Spiegel Online“ diesen Satz, fügt aber wenigstens hinzu, der Konzern habe seine Lokführer jetzt angewiesen, einfach schneller zu fahren. Genial! Allerdings erinnert das an die Geschichte von dem Fußballtrainer, der seiner Mannschaft sagt: „Spielt, wie ihr noch nie gespielt habt. Spielt gut.“ Ob die „zügige (!!) Fahrweise“ dauerhaft eingeführt werde, hänge auch von den Auswirkungen auf die Energieeffizienz ab. Wir hoffen: Es hängt auch von den Auswirkungen auf die Fahrgäste ab! Vielleicht wird denen ja schlecht? Aber dann kommen wohl die neu eingestellten Stewardessen und machen ganze Abteile glücklich.