Im Disco-Stadl beim Furchen-Adel

Beliebtes Wagenmotiv bei den diesjährigen Fastnachtsumzügen: Kritik an Erdogan. Foto: dpa

Mehr und mehr verscherzt sich Erdogan die Chance seines Leben, nämlich, für den Karnevalsorden “Wider den tierischen Ernst” nominiert zu werden. Erste Verunsicherung macht...

Anzeige

. Dem deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel wird „Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung“ nachgesagt. Nach diesem Wortlaut könnte man fälschlicherweise als erstes auf den Gedanken kommen, er habe für Erdogan gearbeitet. Aber Gott oder Allah sei Dank hat der gute Yücel das genaue Gegenteil getan. Und deshalb musste er in Istanbul in den Knast. Manche sagen, das sei Schutzhaft. Um Erdogan zu schützen. Vor der Demokratie. Das Ganze ist so absurd – wenn es nicht so traurig wäre, müsste man Erdogan für den Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst“ vorschlagen.

*

Politischer Aschermittwoch. CSU in Passau, SPD mit dem neuen Martin in Vilshofen. Die wunderbare FAZ schwelgt in Nostalgie: „Stoiber war ein Meister in der Kunst, die Weltlage auf greifbare Formeln herunter zu brechen und die Zuhörer in einen Rausch zu versetzen.“ Böse Zungen behaupten, der Rausch sei vom Bier gekommen, und das Brechen sei dann unweigerlich auf dem Fuße gefolgt, wenn nicht gar auf der Lederhose. Keinen Zweifel gibt es jedenfalls, dass die berühmteste greifbare Formel für die Weltlage vom Stoiber Edi lautete: „Ja, gutt äähh.“ Und die zweitberühmteste: „Ich hab‘s mir angewöhnt, dass ich jeden Tag in den Garten schau und eine Blume hinrichte, ansonsten sag ich meiner Frau, was ich tun würde, dann macht sie es, beziehungsweise mit dem Gärtner.“ Dagegen ist Magic Horst Seehofer ein laues Lüftchen.

*

Anzeige

Bevor der Schulz in Vilshofen in die Bütt ging, dröhnte laut FAZ das Lied „Ich bin der Märchenprinz“ durchs Zelt. Ganz dünnes Eis! Das Lied stammt von der Gruppe, die erstens „Erste Allgemeine Verunsicherung“ (EAV) heißt und zweitens aus Österreich kommt. Also doppelt verdächtig. Der Text ist rassistisch sowie ein glatter Affront gegen die Landwirtschaft. Zumal in Zeiten, in denen laut Jan Böhmermann gerade Ziegen Gefahr droht, aus Ankara. In dem EAV-Lied geht der „Märchenprinz“ in eine Dorf-Disco, um Mädels aufzureißen: „Da im Disco-Stadl//regiert der Furchen-Adel//und der Landmann schwingt//sein strammes Wadl.“ Der Furchen-Adel? Damit ist sicher nicht die AfD-Aktivistin Beatrix von Storch gemeint. Und weiter: „Die Girls von der Heide sind eine Augenweide//Und ich frag‘ eine Prinzessin: Wie wär‘s denn mit uns beide?//Das kost‘ mich fünf Tequila//Ich bezahl – und fort ist die Ludmilla.“ Nicht nur, dass hier dem Machotum, dem Voyeurismus, dem Sexismus, dem ungebremsten Konsum scharfer Getränke sowie dem Betrunkenmachen junger Frauen das Wort geredet wird, nein, sie heißt auch noch Ludmilla! Da sie kaum von Putin geschickt wurde, um den Furchen-Adel auszuhorchen, handelte es sich wohl um eine russischstämmige deutsche Mitbürgerin, die da ungehemmt als Objekt männlicher Begierde dargestellt wird. Gottlob war das gute Kind trinkfest und so clever, nach fünf Tequila abzuhauen. Und so was als Auftrittslied für den SPD-Kanzlerkandidaten! Wehe, wenn Mutti das spitzkriegt.

*

Ganz zu schweigen davon, dass es, soweit wir das dunkel in Erinnerung haben, Märchenprinzen nur geben kann, wenn zuvor ein Frosch an die Wand geworfen wird, was aufs Übelste gegen den Tierschutz verstößt. Wir wissen nicht, wie oft Claudia Roth diese Nummer ausprobiert hat und wie oft sie enttäuscht war, dass kein Märchenprinz, sondern nur einer wie Jürgen Trittin oder der Hofreiter Toni dabei herauskam, aber jetzt sagt sie, sie freue sich „sehr, dass mit Martin Schulz Schwung in den Wahlkampf kommt.“ Schwung, ganz berüchtigt seit dem Trump-Wahlkampf: von wegen Swing States.

*

Kein Scherz: Der vom Komiker Otto Waalkes kreierte Comic-Elefant „Ottifant“ ist jetzt auf einer 70-Cent-Sonderbriefmarke der Deutschen Post. Keine Ahnung, wie die den auf so ein kleines Papier drauf gekriegt haben. Wenn der Otto zweimal klingelt. Passt auch zu einem berühmten Otto-Gag: „Unser Hund hat immer die Briefträger auf dem Fahrrad gejagt. Jetzt haben wir ihm das Fahrrad abgenommen.“