Guter Gauck!

Es passierte im Taxi und war eine schwere Geburt. Wir reden vom Bundespräsidenten.

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. Es war ja offenbar so, dass unseren zukünftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck die freudige Botschaft per Handy im Taxi ereilte. Früher öfter, heutzutage seltener, hört man davon, dass Kinder das Licht der Welt im Taxi erblicken, wahrscheinlich, weil sie sich sagen: Ärztemangel und Abendessen schon um 17 Uhr, was um Himmels Willen soll ich da im Krankenhaus? Was man im Falle der Gauck-Berufung auf jeden Fall sagen kann: Es war eine schwere Geburt. So hängt mal wieder alles mit allem zusammen. * Die zurückgetretene Bischöfin Margot Käßmann wurde ja auch als Kandidatin genannt. Wenn sie es geworden wäre, hätte sie die Botschaft sicher auch im Taxi ereilt. * Das Ende vom Lied war dann, dass alle Politiker/Innen Deutschlands gleichzeitig miteinander telefoniert oder sich gesimst haben, was auf jeden Fall einen Effekt hatte, nämlich, dass sich das Ozonloch dramatisch vergrößert hat, oder so. Dann sind Sachen passiert, bei denen unser aller Kanzlerin gemerkt hat, dass es jetzt Zeit wird. Zuerst hatte sie einen alten Herrn am Handy, der sich mit "Heinrich Lübke" gemeldet hat, aber das war nur ein Stimmenimitator. Angeb¬lich echt war dann der nächste Anruf, von Silvio Berlusconi, der wollte aber nur die Handynummer von Ursula von der Leyen, weil er sagt: blond bleibt, aber sie müssen jetzt über 18 sein. Dann war Putin dran, und der wollte wirklich Bundespräsident werden und sagte dafür auch zu, dass Gazprom in Berlin dann gratis einheizt. Den Ausschlag gab dann aber die Information, dass Otto Rehhagel im Anflug auf Berlin sei. Da entschied sich Angela Merkel, ihren Widerstand gegen Joachim Gauck aufzugeben. Später haben dann alle behauptet, es sei von Anfang an klar gewesen, dass Rehhagel tatsächlich nur kam, um Trainer bei Hertha BSC zu werden. Aber bei Otto weiß man nie. * Otto hat dann auch gleich richtig hingelangt und laut FAZ gesagt: "Ab Montag bin ich das Gesetz." L‘état, c‘est moi. Ferner: "Die Spieler müssen bei Tag und Nacht nur an die nächsten Spiele denken. Dazu gehört, dass sie alle anderen Dinge beiseite schieben." Welche anderen Dinge das sein könnten, wir wissen es nicht. Mental-soziologisch ist das alles verständlich: Otto kommt aus seiner eigenen Zeit. Sein erstes Bundesligaspiel für Hertha BSC machte er 1963 gegen den 1. FC Nürnberg. Aus der Mannschaftsaufstellung geht hervor, dass da Leute wie Uwe Klimaschefski seine Mitspieler waren. Der entschuldigte sich später als Trainer des FC Homburg (Saar) für sein verspätetes Erscheinen bei einer Pressekonferenz mit dem Hinweis, er habe erst noch seine blinden Spieler zum Bus führen müssen. Da kannst du als Mensch und Intellektueller nicht unbeeindruckt bleiben. Und in der Mannschaft des gegnerischen 1. FC Nürnberg stand ein Verteidiger, der hieß Derbfuß, Paul Derbfuß. Hätte Otto damals vor einem Jugendrichter gestanden, hätte der ihm mühelos mildernde Umstände wegen schwerer Kindheit zugebilligt. * Bei Gauck überlegen wir uns mit allem Respekt schon mal, wie wir ihn künftig nennen. Wir tendieren zu "Guter Gauck!", wo er doch eine Zustimmungsquote von 115 Prozent hat. Es gibt natürlich auch negative Stimmen. Den Mist, den manche im Netz absondern, lassen wir mal beiseite, da ist sicher vieles auch auf das Konto "schwere Kindheit" zurückzuführen. Aber: Es gibt einen veritablen CSU-Bundestagsabgeordneten, der heißt Geis...Wie meinen? Nein! Hat nichts zu tun mit dem Geisenpeter von Heidi ("Heeiidi, Heeiidi, deine Welt sind die Beeerge"). Da klumt sich nix, da geben wir Ihnen Brief und Seal drauf. Also. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis hat in der wunderbaren Zeitung "Passauer Neue Presse" gesagt, Gauck sei jetzt zwölf Jahre mit der Journalistin Daniela Schadt liiert, er solle sie heiraten, "damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird." Nun. Wir haben lange über den Begriff "Angriffsfläche" in diesem Zusammenhang nachgedacht, ob es vielleicht eine Analogie zum Fußball gibt, über die uns Paul Derbfuß Auskunft geben könnte. Aber vielleicht fragt man einfach mal den Parteichef von Norbert Geis, den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen. Der meidet Angriffsflächen, ist sicher immer mit der Richtigen verheiratet und mit den Richtigen liiert, und selbst wenn eine aushäusige Dame, die der Seehofer kennt, ein Kind zur Welt bringt, redet kein Mensch in Bayern von einer Angriffsfläche. * Dagegen mussten wir betrübt feststellen, dass wir selbst zur Angriffsfläche wurden, als uns eine Kollegin kürzlich bei der "Woche" vertrat, hyperventilierte, uns unter Testosteron-Verdacht stellte, die feministische Revolution ausrief samt Frauenquote bei der "Woche". Nun. Wir, mein Kater Bébé und ich, haben über diese Attacke beraten und buchen sie wohlwollend unter "jugendlicher Übermut" ab. Es ist dann auch noch Folgendes passiert. Die Kollegin hatte dargestellt, dass sie bei strengem Frost Probleme hatte, mit ihren kleinen Patschehändchen ihr Smartphone zu bedienen. Sie empfahl dann, dem Smartphone mit einem Wiener Würstchen (!!) zu Leibe zu rücken. Wir erhielten dann einen Anruf von der Polizeiwache, dass die Kollegin wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen wurde. Wir, Bébé und ich, haben dann für sie gebürgt, damit sie freigelassen wurde. So sind wir Männer in Wirklichkeit.