Fußball ist einfach nur ein Spiel

Mit diesem Trikot wollten die Kölner gegen Mainz auflaufen. Nach dem Terror von Paris mottet der FC das Leibchen lieber wieder ein. Foto: dpa

Statt närrischer Majestäten in royalen Leibchen dominieren am Wochenende in Köln mutige Kicker mit Trauerflor. Auch wenn Mainzer und Kölner Fans mit einem mulmigen Gefühl...

Anzeige

. Von Bardo Rudolf

Eigentlich, so war der Plan, sollte sich diese Kolumne heute um das erste Fußball-Bundesliga-Spiel nach dem 11.11. drehen. Um das Duell der Karnevals-/Fastnachts-Hochburgen Köln und Mainz. Um die Unterschiede, wie die beiden Vereine diese ihre Städte so prägenden Volkstraditionen in ihren Alltag einfließen lassen. Doch angesichts der Ereignisse der vergangenen Tage wäre dieses Thema nun völlig verfehlt.

Das sieht auch der 1. FC Köln so. Eigentlich wollte die Geißbock-Elf am Samstag mit einem extra für die Kampagne designten Karnevalstrikot auflaufen. Darauf verzichten die Rheinländer nun aber zurecht. Stattdessen laufen sie in ihrem Standard-Trikot auf mit einem Trauerflor am Arm. Wie auch die 05er. Wie alle 16 weiteren Teams der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende. Dies alles ist richtig. Nach den Terror-Anschlägen von Paris und der Länderspiel-Absage von Hannover ist niemand so abgebrüht, dass er unberührt zum Bundesliga-Alltag übergehen kann.

Tiefe Betroffenheit

Anzeige

Und so werden viele FC- und 05-Anhänger am Samstag mit einem mulmigen Gefühl in das Rhein-Energie-Stadion gehen. Zumal sich dort bei dieser Paarung schon einmal gezeigt hatte, wie zweitrangig Fußball plötzlich werden kann. An diesem Donnerstag ist es genau vier Jahre her, dass die Bundesliga-Begegnung Köln gegen Mainz kurzfristig abgesetzt werden musste, weil Schiedsrichter Babak Rafati wenige Stunden vor dem Anpfiff einen Suizidversuch unternommen hatte. Auch dies löste tiefe Betroffenheit im ganzen Land aus.

Es gibt so Vieles, was wichtiger ist als ein 2:1 oder ein 0:0, als ein Aufstieg oder Abstieg, als ein Titelgewinn oder eine Finalniederlage. Fußball bringt Menschen zusammen, ist eine herrliche Ablenkung vom Alltag und eine prima Unterhaltung. Aber Fußball ist vor allem eines: eine Nebensache im Leben. Das hat sich in den vergangenen Tagen einmal wieder deutlich gezeigt. Und das sollte alle Fans dazu bringen, die Ereignisse auf dem Rasen gelassener zu verfolgen.