Für Peer wird’s schwer

Unser aller Kanzlerin scheint jetzt ganz sicher zu sein, dass sie die nächste Bundestagswahl gewinnt. Sie fängt nämlich an, zu lamentieren, wozu sie sonst nie neigt.

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. Der Deutschen Presse-Agentur entnehmen wir, dass Angela Merkel bei einem UnternehmerInnen-Kongress sprach: Sie könne aus eigener Erfahrung verstehen, wie sehr Frauen in Spitzenjobs immer auch nach ihrem Aussehen beurteilt werden. Es habe viele Jahre gegeben, so Merkel, "in denen meine Frisur mindestens so viel Gegenstand der Diskussion war wie meine politische Überzeugung." Aber diese Phase habe sie überwunden.

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Nun. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela Merkel, auch wir können uns noch sehr lebhaft an jene Phase erinnern. Es waren die wilden Jahre zwischen 1990 und 2005, in die zum Beispiel auch die CDU-Schwarzgeldaffäre fiel. Im Jahr 2000 war das. Und wenig später machte ein Scherz die Runde in Deutschland: "Die CDU hat schon wieder eine Finanzaffäre! Der Schatzmeister hat Angela Merkel hundert Mark für den Friseur gegeben. Und nun weiß kein Mensch, wohin das Geld tatsächlich gegangen ist."

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Wir geben zu, das war nicht sehr nett. Aber jetzt, da frisuren- und hosenanzugstechnisch alles in schönster Ordnung ist, da muss man doch nicht nachkarten. Wer unter der Trockenhaube sitzt, soll nicht mit Lockenwicklern werfen, oder so.

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Und überhaupt: Aus weiblicher Sicht sollte man die Sache positiv sehen. An dieser Stelle möchten wir Ihnen, verehrte Leserinnen, mal ein männliches Geheimnis anvertrauen. Solange Männer sich darüber Gedanken machen, wie eine Frau aussieht, ist noch alles drin. Aber wenn Männer anfangen zu denken: ‚Is‘ doch egal‘, dann war‘s das. Dies gilt natürlich unabhängig von unserer neulich an dieser Stelle vorgetragenen Erkenntnis, dass intelligente Männer Frauen hauptsächlich nach deren inneren Werten beurteilen. Gut ist gut. Aber schön und gut ist schön und gut.

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Mal andersrum: Sollen wir etwa bezüglich männlicher Politiker anfangen, über deren Aussehen zu philosophieren? Stellen Sie sich mal eine einschlägige Debatte über unseren neuen Umweltminister Altmaier vor! Peter, the Body Mass, wie wir ihn unter Anspielung auf den Body-Mass-Index nennen. Und: männliche Frisuren. Hallo? Gut, es gibt da löbliche Ausnahmen. Westerwelle, den wir nicht nur wegen seiner Dienstflüge, sondern auch wegen seiner Haarpracht "Flying Guido" nennen. 10 Uhr, die FDP im Politbarometer bei drei Prozent, aber die Frisur sitzt. Wobei: Westerwelle ist vielleicht wirklich ein Sonderfall.

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Oder nehmen wir Steinbrück. Moneten-Peer, wie wir ihn aus zahlreichen Gründen nennen. Hat jetzt Stress wegen seiner Nebenjobs und deshalb echt Glück gehabt, dass die Headhunter von L‘Oréal bei ihrer Suche nach Rednern bei ihm offenbar ein Haar in der Suppe fanden. Die hätten sonst mordsmäßig gut bezahlt. Leute, mit Steinbrück wird‘s lustig. Am Montag im Fernsehen, vor "hart aber fair", hat er die Moderatoren Jörg Schönenborn und Rainald Becker rundgemacht. Wir blicken mal in die Zukunft. Wir schreiben das Jahr 2052. Der bayerische König Seehofer, Horst the Magic, koaliert mit der Linkspartei Sahra Wagenknechts, wobei man auch von einer privaten Liaison munkelt. Die ehemalige Fürther Landrätin Gabriele Pauli, Vorsitzende der neuen bayerischen FDP (Feministinnen Danken Pauli) ist eifersüchtig. Altkanzler Helmut Schmidt begeht den 75. Jahrestag der an ihn gerichteten ärztlichen Empfehlung, mit dem Rauchen aufzuhören, indem er erst mal eine qualmt. Nachdem chinesische Investoren Griechenland gekauft haben, geht es dort ökonomisch einigermaßen, kulturell weniger: Die Chinesen haben die Akropolis abmontiert und nach Schanghai verfrachtet. Deshalb rotiert Diogenes in seiner Tonne, Pythagoras springt im Dreieck, Odysseus plant seine Wiederauferstehung, um die Sache gemeinsam mit Rehhakles auf die harte Tour zu regeln. Derweil ist im Himmel SPD-Meeting der von uns Gegangenen. Willy Brandt wandelt umher. Er trifft Lafontaine und ruft: "Hallo, Oskar!" Der, empört: "Ich bin August Bebel!" Willy ist entsetzt. Er wandelt weiter und trifft Gerhard Schröder. "Hallo, Gerd!", ruft Willy. Gerd, empört: "Ich bin Bismarck!" Willy rastet aus, brüllt: "Du lieber Gott!!" Da biegt Steinbrück um die Ecke und ruft: "Hallo Willy, Du hast mich gerufen?"

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Die SPD müsse ihm "Beinfreiheit" geben, hat Steinbrück diese Woche gefordert. Mmhh. Es gibt verschiedene Arten von Beinfreiheit. Wir hätten da die Variante "Berti Vogts/Maik Franz/Jürgen Kohler", vorsichtig formuliert: Abwehrspieler, hart aber herzlos, notfalls bereit, auch gegen eine Bahnschwelle so zu grätschen, dass sie hinterher blutet. Die Beinfreiheits-Varianten im Flugzeug sparen wir uns. Interessantes fanden wir beim, nun, sollen wir sagen: Auto? Jedenfalls Fiat 500. Der basiere, so lesen wir bei Wikipedia, auf dem Fiat Trepiuno, und zu diesem wird ausgeführt: "Klappt der Beifahrer die Armaturenblende vor sich weg und rutscht nach vorne, entsteht hinter ihm ein Sitzplatz mit genügend Beinfreiheit." Das heißt doch für Steinbrück nichts anderes als: Er muss Gabriel und Andrea Nahles "vor sich wegklappen" (!), und schon geht‘s los. Wie meinen? Wie Gabriel oder Nahles in einen Fiat 500 kommen sollen? Leute!!